22.03.2020 - 08:03

Wort des Bischofs Die Liebe lebt!

Der Virus macht sich breit – und es sieht nicht danach aus, als ob die höheren Temperaturen ihn stoppen können. Kardinal Woelki nimmt alle mit in sein Gebet: Die Trauernden, die Alten, die Kranken. 

Wohin ich im Garten auch schaue, überall erkenne ich neues Leben. Nach diesem Winter, der eigentlich keiner war, kehrt das Leben zurück. Tote Sträucher schlagen neue Triebe aus. Erste Blüten öffnen sich vorsichtig – das Leben geht weiter. Eigentlich genieße ich die erste Frühlingssonne immer ganz besonders. Doch in diesem Jahr ist irgendwie alles anders. Die aktuelle Corona-Krise, die legt sich wie ein dunkler, böser Schatten über meine Freude. Täglich steigt die Zahl der Infizierten. Schwerkranke und Tote in immer mehr Ländern. Das Virus macht sich breit – und es sieht nicht danach aus, als ob die höheren Temperaturen es stoppen könnten.

Daher bin ich hier im Garten des Bischofshauses in meinen Gedanken gerade auch bei all denen, die in Ängsten und Sorgen leben. Ich nehme sie alle mit ins Gebet: Die Trauernden, die Alten, die Kranken. Aber ich möchte auch die nicht vergessen, an die gerade keiner denkt. An die Kinder, die auf der Flucht vor Krieg und Terror ihre Eltern verloren haben. An die Eltern, die durch Dürre und Heuschreckenplage ihre Kinder nicht satt bekommen. Weltweit Sorge, Not und Elend.

Und doch dürfen wir auf einen vertrauen, der fähig ist, all unsere Tränen zu trocknen. Der da sagt, ich mache alles neu! Wir Christen, wir feiern heute überall auf der Welt den Sonntag Laetare. Die Hälfte der österlichen Bußzeit ist bereits vorbei. Wir dürfen uns schon jetzt auf Ostern freuen. Auf Christus, der durch den schrecklichen Tod nicht im Tod bleibt, der den Tod sogar besiegen kann.

Vielleicht erinnert uns der aufblühende Garten an diese nie endende Liebe Gottes, die ihn aus dem Grab herausholt. An die Liebe, die stärker ist als der Tod. Diese Liebe schenkt er uns jeden Tag – in einem Sohn, der jetzt auch bei uns ist. Gerade dort, wo wir diese Liebe so sehr brauchen. In dieser Hoffnung grüße ich Sie alle und segne Sie: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes – Amen.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln