Die Schlehe blüht
Die Schlehe blüht

07.04.2018 - 07:50

Die Schlehe blüht Undurchdringlich schön

Jetzt in diesen Tagen verleihen sie jeder Hecke, jedem Gehölz, Wald- und Wegrand einen weißen Frühlingsglanz – die Schlehen blühen!

Angesichts dieser Blütenpracht gehen die Gedanken gleich einige Jahrzehnte zurück: Unser alter Erdkundelehrer war eher ein unangenehmer Typ, immer etwas ungepflegt, oft hing ein Hemdzipfel aus der Hose und dauernd schnallte er seine Gürtel neu. Aber er war Experte für Marmelade. Wenn er mit uns im Herbst im Landschulheim war, schickte er Freiwillige aus, um Schlehen zu sammeln. Zur Belohnung gab es dann Wochen später ein Glas Schlehenmarmelade.

Dornige Urpflaume

Die Schlehe, oder auch Schlehdorn oder Schwarzdorn oder wilder Zwetschgenbaum genannt, gehört zur Gattung der Prunusgewächse, ist also mit der Pflaume, Aprikose und Kirsche verwandt. Sie gilt sogar als Stammbaum der heutigen Kulturpflaume. Die tiefblauen, fast schwarzen Früchte der Schlehe werden gerade mal 10mm im Durchmesser groß. Sie schmecken sehr herb, deshalb werden sie erst nach dem ersten Frost gepflückt oder vor der Verarbeitung in der Tiefkühltruhe gelagert.

So herb wie die Frucht zunächst schmeckt, so bizarr wächst der ganze Strauch. Neuwachsende Zweige stehen fast rechtwinklig ab, so verzweigt sich die Schlehe also ständig ineinander, macht sich nahezu undurchdringlich. Und das hat natürlich auch mit den langen Dornen zu tun. So ist die Schlehe eine ideale Heckenpflanze, auch weil sie den Wind nicht fürchtet. Deshalb trifft man sie auch auf den Dünen der Ostsee an. Hauptsache es ist sonnig.

Wertvolle Nährstoffe und Nährboden für Aberglauben

Die Schlehe begleitet den Menschen seit Urzeiten. Der Name leitet sich aus dem indogermanischen „Sli“ ab, womit die Farbe Blau gemeint war, im Althochdeutschen wurde daraus „Sleha“. In der Steinzeit sammelten die Menschen Schlehen, die Frucht lieferte wertvolle Nährstoffe, die Kerne reihten sie zu Ketten auf. Im Mittelalter gewannen die Mönche aus ihrer Rinde Tinte zum Schreiben, die „Dornentinte“. Und noch im 15. Jahrhundert wurden mit der Schlehe als Hecke Befestigungsanlagen verstärkt.

Natürlich ranken sich um die Schlehe Brauchtum, Aberglaube und Legenden. Die Hexen sollten sich vor ihren Dornen fürchten, auch wurde die Schlehe beschuldigt, die Dornen für die Dornenkrone Jesu geliefert zu haben, dass aber wiederlegte Gott selbst, in dem er weiße Blüten über sie schüttete. Reichlich Blüte aber wiederum, so der Volksglaube, führe zu einer hohen Zahl unehelicher Kinder.

Frühjahrstee aus Schlehenblüten

Die Naturheilkunde lehrt, dass nicht nur die Früchte, sondern auch die Blüten der Schlehe von Nutzen sind, ein Tee daraus wirkt entschlackend und dient überhaupt der Stärkung im Frühling. Dazu einfach eine Handvoll Blüten mit heißem Wasser übergießen, fertig.
Für ein tägliches Gläschen Elixier aus Schlehenblüten diese mit 2 Esslöffeln Honig und einem guten halben Liter Weißwein ansetzen, nach einer Woche durch einen Kaffeefilter abgießen.
Für solche Aktionen muss man schnell die schönen Tage des Frühlings nutzen, denn die Schlehe blüht nur kurze Zeit, so sah man im 19. Jahrhundert in ihr auch ein Sinnbild für die Flüchtigkeit der Zeit.

Von all dem wussten wir damals nichts, als unser Erdkundelehrer seine Schüler ausschickte, um Schlehen zu sammeln, trotzdem hat sich diese alte Kulturpflanze tief eingeprägt – auch wegen der Dornen. (St.Q.)