Die Versuchung - Michelangelo (Sixtinische Kapelle)
Die Versuchung - Michelangelo (Sixtinische Kapelle)

19.03.2017 - 09:50

Versuchung Ein Testfall für die Liebe

In heutiger Zeit und gerade in der Werbung kann die Versuchung eigentlich etwas schönes sein. Im Christentum ist die Bedeutung eine andere. Gerade auch jetzt in der Fastenzeit.

Im Blick auf die Bibel kann man sehr wohl sagen: Versuchungen gehören zum Menschsein dazu. Laut dem griechischen Original handelt es sich dabei um Prüfungen. Pfarrer Gerhard Dane verweist auf die Wortzusammensetzung und sagt: "Es hat auf jeden Fall etwas mit Suchen zu tun. Gott sucht, wie ernst es mir ist mit der Entscheidung für ihn oder für Götzen; die Versuchung ist ein Testfall."

Gott lässt die Versuchung bewusst zu

Und schaut man auf die Versuchungserzählungen in der Bibel dann wird solch ein Testfall von Gott auch bewusst zugelassen. Am bekanntesten etwa bei Hiob im Alten Testament und selbst Jesus gerät in Versuchung. Da heißt es sogar, dass er dazu vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde (vgl. Matthäus 4). Doch warum gibt es die Versuchung? Pfarrer Dane erklärt es mit dem Verweis auf die Freiheit des Menschen: "Ich staune immer wieder, wie wichtig unserem Gott die Freiheit ist. Das hat mit der Liebe zu tun. Erzwungene Liebe ist keine Liebe. Denn in der Versuchung werde ich aus der Freiheit, die mir geschenkt ist, mich wieder neu für die Liebe entscheiden."

Das ist dann zumindest der Idealfall. Denn wenn es gelingt, in einer Versuchung der kurzfristigen Verlockung zu widerstehen, kann das zur Bestärkung einer langfristigen Entscheidung führen. Pfarrer Gerhard Dane gibt ein einfaches Beispiel: "Wenn ein Mann seine Frau liebt, aber die hübsche neue Kollegin ihn in Versuchung führt, ist das für ihn ein Testfall: Wie wichtig ist mir meine Frau? Und wie klar ist meine Entscheidung für diese Bindung?"

Die Versuchung hilft das Gewissen zu schärfen

So kann eine bestandene Versuchung zur Gewissensbildung beitragen und hilft dann bei künftigen Entscheidungen. Man lernt die Geister zu unterscheiden, wie die Kirche dazu auch sagt. Damit ist der Widerstreit der inneren Stimmen gemeint. Da ist auf der einen Seite das Gewissen, der Ort für die Gottesbegegnung, wie das Zweite Vatikanische Konzil es formuliert. Hier besitzt der Mensch das Gespür für das Gute. Dementgegen stehen die anderen Stimmen, dem Drang des Egoismus zu folgen, der Angst oder des Strebens nach Macht. Und hier kommt es dann zur Versuchung. "Die Versuchung ist, lieblos zu werden", meint Pfarrer Dane. "Das heißt egoistisch mich in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht in der Versuchung immer um diese Grundentscheidung: Mit Gott leben, oder mein eigener Gott sein."

Und an dieser Stelle wird dann deutlich, dass es sich bei der Versuchung keinesfalls um eine Lappalie handelt. Denn sie kann zur schlechten Tat führen, die wiederum Konsequenzen hat. Eine Tat kann zur Neigung werden und damit schrittweise zur Trennung von Gott. Dass die Versuchung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, zeigt schon das Vater-Unser-Gebet. Darin formuliert Jesus ja selbst die Bitte: Führe uns nicht in Versuchung.

Die Antwort auf die Versuchung? Die größere Liebe!

Pfarrer Dane präzisiert diese Bitte mit seinen eigenen Worten: "Hier geht es natürlich nicht um irgendeine Versuchung, dass ich in der Fastenzeit nicht doch der Versuchung erliege, ein Stück Schokolade zu essen. Sondern hier geht es um die Grundversuchung, von Gott abzufallen. Führe uns nicht in die Versuchung, dich, Vater, abzuservieren und mit dir Schluss zu machen."

Doch wie kann man denn nun in einer Versuchung die inneren Stimmen und Gegensätze unterscheiden: zwischen Gewissen und Egoismus oder zwischen Gut und Böse? Für Pfarrer Dane ist der Maßstab der je größeren Liebe entscheidend. Für ihn "ist die Frage nach der Liebe - knallig gesagt - die Kläranlage für meine Gewissensprobleme. Wenn etwas nach guter Überlegung die liebevollere Entscheidung ist, die ich vor dem liebevollen Gesicht Gottes treffe, dann ist auch mein Gewissen ruhig."