24.09.2017 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom Gemeinschaft ist wichtiger als Konsenspapiere

domradio.de übertrug am fünfundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis und anlässlich der Kölner Domwallfahrt 2017 das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Es sang das Vokalensemble Kölner Dom unter der Leitung von Eberhard Metternich.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat zur Einheit der Christen durch praktische Ökumene aufgerufen. Die volle Einheit der Kirche werde nicht Ergebnis menschlicher Verhandlungen sein, sondern Frucht eines gemeinsamen Zeugnisses für Christus vor der Welt, sagte er am Sonntag in einer Predigt zur Domwallfahrt im Kölner Dom.

Ein solches Bekenntnis sei damit "vorrangige Aufgabe auf unserem ökumenischen Weg in die Zukunft". Der Kardinal rief Gläubige auf, sich durch ein gemeinsames Zeugnis für die Würde des Menschen, eine gerechte Gesellschaft und für die Hungernden und Notleidenden in aller Welt einzusetzen.

Einverständnis statt Einvernehmen

In der Kirche und zwischen den Kirchen gehe es nicht bloß um einen Burgfrieden zwischen verschiedenen Anschauungen, sagte Woelki aus Anlass der Domwallfahrt unter dem Motto "Alle sollen eins sein". Ökumenisches Ziel müsse mehr sein als "gegenseitiges Einvernehmen"; notwendig sei ein "Einverständnis".

"Der Fortschritt, um den es zutiefst geht, besteht - so wichtig dies für den theologischen Diskurs auch sein mag - nicht in Konsenspapieren, sondern in der tieferen Gemeinschaft mit Christus, die sich dann hoffentlich auch eines Tages in einer vollen Kirchengemeinschaft auswirken wird", betonte der Erzbischof. Das gemeinsame Zeugnis für Christus vor der Welt sei darum vorrangige Aufgabe auf dem ökumenischen Weg in die Zukunft, sagte Woelki.

Kardinal blickt auf Bundestagswahl

Mit Blick auf die Bundestagswahl am Sonntag äußerte der Kardinal die Hoffnung, dass viele Menschen motiviert seien, ihre Stimme abzugeben für "Einigkeit und Recht und Freiheit".

Die ersten Worte der deutschen Nationalhymne seien zugleich Begriffe, die für Christen gerade im Jahr des Reformationsgedenkens von Bedeutung seien.

Neue Blutreliquie für den Kölner Dom

Bei der Messfeier wurde auch die neue Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ersetzt eine am 4. Juni 2016 gestohlene Ampulle, die ein Tüchlein mit einem Blutstropfen des heiliggesprochenen Kirchenoberhauptes enthielt.

Woelki hatte die Reliquie zu seinem 60. Geburtstag am 18. August 2016 vom Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz erhalten. Der Ort ihrer Aufbewahrung im nördlichen Querhaus des Doms wurde künstlerisch neu gestaltet und stärker abgesichert.

Unbekannte hatten die erste Reliquie aus dem vom Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim geschaffenen Schaugefäß, dem sogenannten Reliquiar, herausgebrochen. Dieses wird jetzt durch drei von dem Kölner Bildhauer Matthias Heiermann entworfene Glasscheiben kreisförmig umrahmt. Darauf ist in 14 Sprachen ein Zitat aus der ersten Predigt des polnischen Papstes zu lesen: "Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"

Märtyrer als Brückenbauer?

Woelki verwies in seiner Predigt auf das Anliegen von Johannes Paul II., dass die Kirchen in Erinnerung an Märtyrer des 20. Jahrhunderts einander näher kommen.

In diesem Sinne hob der Erzbischof das gemeinsame Schicksal des evangelischen Pastors Dietrich Bonhoeffer und des katholischen Paters Alfred Delp hervor. Beide seien von den Nationalsozialisten 1945 umgebracht worden, weil ihr deutliches Zeugnis für Christus zum "Gegenzeugnis gegen den Nationalsozialismus" geworden sei.