01.11.2018 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom an Allerheiligen Wer ist eigentlich heilig?

An Allerheiligen erinnerte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki daran, dass jeder ein heiliges Leben führen könne. Heiligkeit brauche keine Perfektion, betonte er in seiner Predigt im Pontifikalamt zu Allerheiligen in Kölner Dom.

Zum Hochfest "Allerheiligen" gedenkt die katholische Kirche jedes Jahr am 1. November "aller Heiligen". Aus diesem Anlass zelebrierte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ein Pontifikalamt im Kölner Dom.

Aber wer ist eigentlich heilig? Dieser Frage ist der Kölner Erzbischof in seiner Predigt intensiv nachgegangen.

Dabei zitierte er auch das Apostolische Schreiben über den Ruf der Heiligkeit, das der Papst im März dieses Jahres veröffentlichte. Franziskus bringe darin seine tiefe Überzeugung zum Ausdruck, dass jeder zur Heiligkeit berufen und fähig sei. "Das klingt eigentlich unglaublich. Was der uns zutraut", stellte Woelki fest.

Wer ist berufen?

Der Kardinal räumte zudem mit einem Vorurteil auf. "Zumeist denken wir ja, das trifft allenfalls auf eine kleine Gruppe besonderer Christen zu, denen es irgendwie gelingt, mit der Gnade Gottes in besonderer Weise als Christen zu leben." Doch nach den Worten des Papstes, so Woelki, brauche Heiligkeit keine Perfektion. Im Gegenteil. "Es sind die kleinen Dinge, auf die es ankommt."

Welche kleinen Dinge?

Der Kölner Erzbischof nannte als Beispiel das Lächeln, das wir einem anderen schenken. Es sei aber auch die Bereitschaft zuzuhören, der Verzicht auf Klatsch und Tratsch, jemandem unter die Arme zu greifen und zu helfen. Es zähle aber auch dazu, warm und herzlich mit anderen umzugehen. Auch Geduld und Ausdauer nannte er in diesem Zuge, sowie die Freude, zu leben und zu arbeiten.

"Wahre Größe liegt nicht in der äußeren Aufmachung, die ist vielmehr im Herzen des Einzelnen zu finden", so Woelki. Auch die Heiligen seien nicht heilig geworden, weil sie irgendwelche Wunder gewirkt haben, sondern weil sie treu im Kleinen gehandelt hätten.

Bildlich gesprochen

Woelki ging weiter auf ein Bild ein, das auch der Papst gebraucht hatte. Die kleinen Dinge seien mit  kostbaren Perlen zu vergleichen. Die Treue gleiche einer Schnur, auf denen diese Perlen wie bei einem Rosenkranz aufgezogen seien. "So entsteht das wahrhaft Große eines Lebens in der Nachfolge Jesu - das wahrhaft Große eines heiligen Lebens, zu dem jeder von uns fähig ist."

Wo können wir das lernen?

Lernen könne man das bei Jesus. "Wir können es lernen, indem wir darauf schauen, wie er gelebt hat", betonte Woelki. Jesus habe im Kleinen und im Unscheinbaren gewirkt. Das ist auch das verbindliche Maß für das Leben der Kirche. Denn sie habe den Spuren Jesu zu folgen.

Eine Kirche, die auf Macht aus sei und die nach dem Beifall der Welt hungern würde, hätte den Weg des Herrn verlassen und Jesus verraten, mahnte der Kölner Erzbischof.

DOMRADIO.DE übertrug am Hochfest Allerheiligen das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Es sang der Kölner Domchor unter der Leitung von Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Bönig.

(DR)