Reinhard Kardinal Marx
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Bischof Bode
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Kardinal Karl Lehmann
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Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker
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Bischof Felix Genn
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Bischof Stefan Oster
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Erzbischof Ludwig Schick
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Bischof Algermissen
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Bischof Stephan Ackermann
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Christoph Kardinal Schönborn
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Erzbischof Stefan Heße
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Bischof Gebhard Fürst
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Bischof Burger
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31.12.2015 - 18:30

Kirchen in Deutschland rufen zu Solidarität mit Flüchtlingen auf Vorurteilen entgegentreten

Die Kirchen in Deutschland haben an Silvester und Neujahr zu Solidarität mit den Flüchtlingen und Entschiedenheit gegenüber Radikalismus aufgerufen. Die Predigten im Überblick.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hält es für möglich, dass Gott auch Attentätern ihre Taten verzeiht. "Gott verzeiht möglicherweise in seiner unendlichen Güte wirklich alles", sagte der Kardinal im Jahresabschlussgottesdienst am Donnerstagabend im Kölner Dom. Aber er werde den Menschen dabei die Konfrontation mit ihren Taten, die Auseinandersetzung mit der Reue über die Grausamkeit oder mit der Scham über die Verletzungen, die Menschen anderen zugefügt haben, nicht ersparen. "Vielleicht ist das Fegefeuer ja auch nichts anderes als das, was wir erleiden, wenn wir unverstellt auf unsere Taten blicken."

Terroristen wie die, die zu Beginn des Jahres die Redaktion des Pariser Satiremagazins "Charlie Hebdo" überfielen und zwölf Menschen töteten, wollten Märtyrer sein, erklärte der Kölner Kardinal weiter. Doch im Namen der Religion verkehrten diese Ideologen den Inhalt ins Gegenteil, machten etwa aus dem Islam Islamismus und trieben einen Keil in die Gesellschaft, sagte Woelki. Ein wirklicher Märtyrer im christlichen Sinne dagegen wolle sich nicht selbst zum Märtyrer machen und wolle nicht um seine Glaubens willen Böses tun. "Ein Märtyrer unserer Tage, das ist sicherlich der junge Muslim aus Mali, Lassana Bathily, der während der Geiselnahme durch einen islamistischen Attentäter am Tag der Attentate auf 'Charlie Hebdo' mehrere Besucher im Kühlraum eines jüdischen Pariser Supermarkts versteckte."

Der Kardinal ging in seiner Predigt auch auf das Attentat auf die jetztige Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, ein. Es sei ein Segen, dass Reker "nun da ist, wo sie hingewählt wurde und unsere Stadt leitet: weltoffen, einladend, herzlich, voller Leben und voller Vielfalt", so Woelki.

Der Erzbischof rief zur zu Solidarität mit den Menschen auf, die auf ihrer Flucht vor Krieg unter anderem nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind. Es gehe um Überlebenshilfe und langfristige Verbesserungen auch in den Herkunftsländern.

Ausdrücklich lobte der Kardinal einige Entscheidungen des Bundestages im Jahr 2015: "Aufrichtig und intensiv ist in unserem Land fast zwei Jahre lang die Frage diskutiert worden, was es bedeutet, in Würde zu sterben. Ich bin froh über die Entscheidungen, die der Deutsche Bundestag im November getroffen hat sowohl zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe wie auch zur verbesserten Versorgung in der Hospiz-und Palliativmedizin." Es bleibe aber auch nach der Entscheidung eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, über die Frage, was denn ein Leben in Würde ist, zu streiten, so Woelki.

Nicht Angst, sondern Hoffnung ist nach den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Botschaft des Jahreswechsels. Viele Sorgen seien zwar berechtigt, sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Silvesterpredigt im überfüllten Münchner Liebfrauendom; "aber unsere Hoffnung ist größer". Gerade die Christen hätten in dieser "turbulenten Zeit" besondere Verantwortung, weil sie neue Hoffnung in die Gesellschaft tragen könnten.

Der Kardinal lud dazu ein, "in diesen unruhigen Zeiten den Blick neu auf das Zentrum des Glaubens zu richten, uns neu zu vergewissern, was wir einzubringen haben in diese Gesellschaft und Kultur". Unkenrufen, wonach die Säkularisierung unumkehrbar sei und immer weniger Menschen Freude am Glauben hätten, erteilte Marx eine Absage.

"Die Renaissance des christlichen Glaubens ist selbstverständlich möglich, aber nicht als Restauration, sondern als Wiederentdeckung, als frisches Hinschauen auf den Glauben", sagte er. Auch Papst Franziskus unterstreiche immer wieder, dass es Zeit sei für eine neue Evangelisierung. Gerade in einer offenen, pluralen Gesellschaft stelle sich die Frage: "Warum bin ich überhaupt Christ? Und: Möchte ich Christ bleiben?" Christlicher Glaube ermögliche den Blick auf die Universalität der Menschheit; Rassismus habe in ihm keinen Platz, betonte Marx.

Der Kardinal rief dazu auf, Wege zu finden, um Gewalt zu überwinden und Krieg zu ächten. Zudem appellierte er an die Gläubigen, "mitzuhelfen, dass das große christlich geprägte Friedensprojekt Europa nicht zugrunde geht". Dazu gehöre, dass die EU-Außengrenzen keine "Todesfallen" sein dürften. "Integration ist eine große Herausforderung, als Kirche wollen wir helfen. Je mehr Menschen sich begegnen, umso weniger Hass wird sein", sagte Marx. "Wenn nicht wir Christen glauben, dass Menschen verschiedener Kulturen zusammenleben können, wer sollte das sonst einbringen?"

Um die Herausforderungen von Klimawandel, Globalisierung und Flüchtlingskrise zu meistern, braucht Europa nach den Worten des Mainzer Kardinals Karl Lehmann eine Rückbesinnung auf gemeinsame Werte und geistige Grundlagen. Die Europäische Union sei derzeit tief zerrissen, die Einzelstaaten verfolgten häufig nur ökonomische Eigeninteressen, kritisierte Lehmann im Jahresschlussgottesdienst im Mainzer Dom. "Jetzt zeigt sich, dass man weitgehend von solchen egoistischen Interessen ausgegangen ist, weniger von dem, was uns von der gemeinsamen Geschichte und dem geistigen Erbe sowie den ethisch-religiösen Werten trägt."

Exemplarisch stehe hierfür das "jämmerliche" Scheitern eines Gottesbezugs für die Präambel der europäischen Verfassungsdokumente. Selbstkritisch mahnte Lehmann, auch die Kirchen hätten zur Bewältigung dieser tiefgreifenden geistigen Krise Europas bisher nicht viel beigetragen.

Eindringlich erinnerte der Kardinal an die sich abzeichnenden Folgen des Klimawandels. Wie Papst Franziskus zuletzt in seiner Umweltenzyklika rief der Mainzer Bischof zu einem einfachen Lebensstil auf. Zugleich dankte er allen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs seien nie mehr Menschen vertrieben und verfolgt worden als heute, sagte Lehmann.

Im Blick auf das neue Jahr 2016 kündigte Lehmann das Ende seiner Bischofszeit in Mainz an. Sein 80. Geburtstag am Pfingstmontag sei eine "absolute Grenze" für die Ausübung des Bischofsamts, so der Kardinal: "Bis dahin arbeite ich wie bisher gerne mit Ihnen zum Wohl und Heil der Menschen zusammen."

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat die Integration der Flüchtlinge in Deutschland als "wachsende Herausforderung" bezeichnet. Gleichzeitig würdigte er in seiner Silvesterpredigt die Hilfsbereitschaft der Menschen, gerade in seiner Diözese. Viele seien aus christlicher Verantwortung heraus aktiv geworden. Sie verschafften den Geflüchteten nicht nur ein Dach über dem Kopf, "sondern helfen ihnen auch, sich bei uns zu integrieren".

Dies geschehe etwa durch Deutschunterricht, die ärztliche Versorgung, die Begleitung zu Ämtern, aber auch "durch Teilnehmen lassen an unserem privaten Leben".

Eine andere Entwicklungspolitik forderte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Sie dürfe "nicht unseren eigenen europäischen wirtschaftlichen Interessen" dienen, solle keine Almosen geben, sondern teilen, erläuterte er.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat in seiner Silvesterpredigt zum Dialog der Kulturen und Religionen ermutigt. In der globalisierten Welt könne mehr Gemeinschaft nur im gegenseitigen Respekt der Völker "auch in ihrer Unterschiedlichkeit" erreicht werden, sagte Ackermann am Donnerstagabend im Trierer Dom. Die deutsche Gesellschaft - aber auch die katholische Kirche - müssten lernen, dass Einheit nicht Uniformität bedeute und Verschiedenheit nicht bedrohlich sei, sondern bereichernd wirke.

Trotz Griechenlandkrise, Syrienkrieg und Flüchtlingsströmen habe es 2015 auch Zeichen der Hoffnung gegeben, betonte der Bischof. Er nannte beispielhaft die "großartige Hilfsbereitschaft" für Flüchtlinge. Auf globaler Ebene mache das Klimaabkommen der Vereinten Nationen Mut. Zugleich lud Ackermann dazu ein, das Leben neu am christlichen Glauben auszurichten: "Wer auf Jesus zugeht, kommt bei den Menschen an."

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat in seiner Silvesterpredigt zur Integration der vielen nach Deutschland geflohenen Menschen aufgerufen. Im Hamburger Sankt-Marien-Dom lud er die Gläubigen dazu ein, "mit der Kraft des Verstandes, aber noch mehr mit der Kraft des Herzens den Weg vom Willkommen zur Integration Schritt für Schritt weiterzugehen".

"Diese riesige Migrationsbewegung, die derzeit die Welt bestimmt, lässt sich nicht mit einer wie auch immer gestalteten Mauer aufhalten oder lösen", sagte Heße. Er sei dankbar für die vielen Zeichen des Willkommens auch von den Menschen auf dem Gebiet des Erzbistums Hamburg. "Aber wird weitergehen und weitergehen müssen." Notwendig sei jetzt vor allem der Austausch zwischen den Menschen, Kulturen und Religionen, allerdings auf Augenhöhe. Obwohl der Integrationsprozess langwierig, teuer und schwierig werden könne, sei es nicht angebracht, eine zweigeteilte Welt zu konstruieren: "Hier wir und da die anderen". Der Hamburger Erzbischof ist seit September Sonderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen.

Heße blickte auch auf seine Berufung zum Hamburger Erzbischof Anfang des Jahres zurück. Für ihn sei die Nachricht über die Wahl durch das Domkapitel unerwartet gekommen und ihm sei anfangs nicht danach zumute gewesen, "durch ausgerechnet dieses Tor zu gehen", sagte er.

Seither sei er durch viele Türen gegangen und dankbar, dass so viele Menschen die Tore ihrer Gemeinde für ihn geöffnet hätten. Er habe in den Monaten ein Land kennengelernt, in dem Gott längst Spuren hinterlassen habe. Es sei ein Land, in dem er - "wenn auch in Diasporaverhältnissen" - christlichem Glauben Gläubigen begegnen dürfe.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat zum Jahreswechsel zu mehr Mitmenschlichkeit und Solidarität aufgerufen. "Lasst uns hinübergehen aus dem engen Bezirk unseres kleinen Ichs zur Schwester und zum Bruder neben mir und in den weiten Raum aller Geschwister, die arm und geschunden sind, die zu uns gekommen sind", sagte Becker am Donnerstag in seiner Predigt im Paderborner Dom.

Gottes besondere Liebe gehöre den Hungernden und Schutzlosen, den Gefangenen und den allgemein Verachteten, erklärte Becker. "Sprechen wir ihn an, schauen wir ihn an, den Nächsten!", appellierte der Erzbischof.

Menschen würden heute ihre Freiheit betonen und dabei in eine innere Versklavung gehen, kritisierte Becker. Die Vereinten Nationen proklamierten Menschenrechte, und der Mensch missachte sie. Menschen verschiedenster Weltanschauung proklamierten Frieden, "aber die Rüstungsinteressen in aller Welt feiern fröhlich". "Der Glaube an Wachstumsraten bestimmt trotz der immer noch verbreiteten Arbeitslosigkeit weitgehend unseren Alltag", erklärte Becker. Gott komme oft nur in den extremen Winkeln des täglichen Lebens vor. Die Forderung Gottes, sich zu ändern und jetzt umzukehren, treffe vielfach auf taube Ohren.

Münsters katholischer Bischof Felix Genn hat an Silvester die Menschen zum Umdenken in Sachen Klima- und Umweltschutz aufgefordert. Für eine weltweite ökologische Umkehr, wie sie Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" fordere, genügten weder ein internationaler Klimagipfel noch politische Vereinbarungen, sagte er in seiner Silvesterpredigt am Donnerstagmorgen in der Kirche Sankt Lamberti in Münster. Vielmehr müsse die gesamte Bevölkerung sie mittragen. "Es bedarf einer Umkehr im Bewusstsein und in der Bereitschaft, diese Umkehr konkret zu leben", so Genn.

Diese "ökologische Umkehr" fehle noch vielen Christen, sagte der Bischof. Dabei gehöre die "Berufung, Beschützer des Werkes Gottes" zu sein, zu einem tugendhaften Leben. Notwendig seien ein verantwortungsbewusster Konsum sowie ein Lebensstil, der Ausbeutung und exklusiven Besitz ausschließt. Nur so könne eine neue Sensibilität entwickelt werden.

Die Politik fordert Genn auf, über einen Exportstopp von Waffen in Krisengebiete nachzudenken. Das möge schlicht klingen, gestand der Bischof. Jedoch fordere auch der Papst Genügsamkeit und Demut. Der Begriff Umkehr sei dann nicht bloß ein veraltetes Wort, sondern erhalte "Aktualität und Konkretion im einfachen Alltag unseres täglichen Miteinanders".

Im Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr geißelte Genn die Terroranschläge der Islamisten. Deren geistige Ursachen lägen in einer radikalen Verbindung von Religion und Gewalt. Ihre Auswirkungen seien noch nicht absehbar und würden auch spätere Generationen noch beschäftigen, so der Bischof. Gleiches gelte für die Kriege im Nahen und Mittleren Osten sowie die Probleme Afrikas, die Ursache für die großen Flüchtlingsströme seien, sagte Genn.

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat in seiner Silvesterpredigt an die von Flüchtlingskrisen, Terror und Krieg, Krankheiten und Naturkatastrophen geprägte Gegenwart erinnert. Diese erscheine umso unruhiger, je mehr der Glaube verschwinde.

Andererseits gebe es aber auch zum Ende dieses Jahres "viele Hoffnungszeiten für mich und viele andere: Wir erleben die Sehnsucht vieler Menschen nach Glauben, nach Halt, nach Sinn." Zudem begegneten ihm immer wieder Menschen, die zum Glauben zurückfänden. Das sei auch eine Herausforderung für die Kirche.

Zugleich gab Oster den Gläubigen die Worte mit auf den Weg: "Wer mit Jesus geht, der wächst in das Vertrauen hinein: Mir kann nichts mehr passieren." Diese innere Sicherheit, das innere Getragen-sein relativiere das Streben nach äußerer Sicherheit.

Familien haben nach den Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick in der Gesellschaft nicht den Stellenwert, den sie haben müssten. In seiner Silvesterpredigt im Bamberger Dom rief er die Politik auf, Familien beim Steuerrecht und den Rentenansprüchen besser zu berücksichtigen. Dies gelte auch für das Arbeitsrecht. Gemäß dem Grundgesetz stehe die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates, dem müsse die Politik auch heute entsprechen. "Denn ohne Familie ist kein Staat zu machen", so der Erzbischof.

Ein großes Anliegen sei ihm die Besserstellung kinderreicher Familien, betonte Schick. Denn Kinderreichtum dürfe kein Armutsrisiko bedeuten. Die Familie wiederum habe den Auftrag, Werteerziehung wahrzunehmen. Respekt, Achtung, Solidarität, Einsatz im Beruf und Ehrenamt würden dort gelernt, genauso wie die Fundamente des Glaubens: "Die Eltern sind die ersten Seelsorger ihrer Kinder. Ohne diese Basis können spätere Seelsorger nicht wirken."

Zudem warnte der Erzbischof vor sogenannten Gender-Theorien, die die Unterschiede zwischen Mann und Frau aufheben wollten: "Wir wollen die Gleichberechtigung der Geschlechter, aber nicht die Gleichheit der Geschlechter." Wer letzteres propagiere, leugne den Schöpfungsplan Gottes. Zugleich rief Schick dazu auf, in der Öffentlichkeit mehr positiv über die Familie zu sprechen. Es sollte nicht nur über gescheiterte Ehen und zerrüttete Familien gesprochen werden, sondern auch über die vielen harmonischen Familien. Solche gebe es viel mehr als die Öffentlichkeit wahrnehme.

Auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger ermunterte trotz Krisen zu Gottvertrauen. Zwar seien auch für 2016 wieder "dunkle Stunden, Enttäuschungen und Sorgen" zu erwarten. Christlicher Glaube sei es jedoch, dass Gott helfe, alle Ängste zu überwinden. "Mit dieser Aussage dürfen wir ins neue Jahr gehen", so Burger.

Nach Worten des Rottenburg-Stuttgarter Bischofs Gebhard Fürst müssen Christen Hoffnung verbreiten, wo Gewalt und Terror grassieren. Mit der Fürsorge für Geflüchtete könnten sie dem Vorbild Jesu folgen. Gerade Flüchtlingskinder "sollen erfahren dürfen, wie im Engagement von Christen Gottes Liebe und Barmherzigkeit spürbar wird."

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sieht Deutschland in der Flüchtlingskrise vor großen Herausforderungen. Für ihn sei noch nicht entschieden, ob die reiche deutsche Gesellschaft wirklich bereit sei, "spürbar zu teilen", sagte Algermissen im Silvestergottesdienst im Fuldaer Dom. "Oberflächliche bis wurstige" Formulierungen wie "Wird alles nicht so schlimm!" oder "Wir schaffen das schon!" reichten keinesfalls aus, so der Bischof. Derzeit gebe es zwar eine enorm große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge, andererseits beobachte er eine "rücksichtslose Ellenbogenmentalität beim Verteilungskampf".

Algermissen kritisierte, Religion werde in Deutschland immer mehr aus der Öffentlichkeit verdrängt. Offenkundig sei dies bei der Friedenspreis-Rede Navid Kermanis im Oktober in der Frankfurter Paulskirche geworden: Als dieser am Ende seiner "scharfsinnigen Analyse über die kulturprägende Kraft der Religion" statt um Applaus um Gebete für von islamistischen Terroristen verfolgte Christen in Syrien gebeten habe, habe sich "die versammelte ehrenwerte Gesellschaft" höchst irritiert gezeigt und nur zögerlich von den Plätzen erhoben, so Algermissen. Auch die Medien hätten nur "fast verschämt" berichtet. Für ihn habe diese Szene entlarvt, dass viele Menschen die Sensibilität für das Gebet verloren hätten, so der Fuldaer Bischof.

"Wo selbst Christen es nicht mehr wagen, öffentlich und offensiv ihre Solidarität mit den bedrängten Glaubensgeschwistern im Orient zu bekunden, hat Kermani als Muslim genau das gewagt." Algermissen mahnte, eine Gesellschaft ohne Gott gleiche einer hohlen Fassade ohne Kern. Der Schritt von einer geistlich entkernten Gesellschaft hin zum "gewissenlosen Menschen" ohne innere Verpflichtung sei dann nicht mehr weit.

Der Aachener Diözesanadministrator Karl Borsch würdigt die Hilfsbereitschaft vieler Deutscher, die sich für Flüchtlinge und Menschen in Not einsetzen. Es sei eine "christliche Erfindung", Armen, Schwachen und Hilfsbedürftigen zu helfen, sagte der Weihbischof im Silvestergottesdienst am Donnerstag im Aachener Dom. Christen fragten nicht nach Herkunft und Sprache, sondern würden Menschen in Not helfen.

Der Aachener Weihbischof, der bis zur Ernennung eines neuen Bischofs das Bistum leitet, unterstrich, dass sich die Gesellschaft auch durch den Zustrom der vielen Flüchtlinge verändern werde. Viele von ihnen brächten andere gesellschaftliche, politische, kulturelle und religiöse Vorstellungen und Erfahrungen mit. "Das wird auch die Kirche und ihr Selbstverständnis in Bewegung bringen", sagte Borsch.

Dabei mache sich auch Unsicherheit breit, räumte Borsch ein. Nicht wenige Menschen hätten Angst. Doch diese Angst dürfe nicht lähmen, sondern müsse Kräfte mobilisieren. "Unser christlicher Glaube ist eine Antwort auf die lähmende Angst des Menschen um sich selbst." Christen dürften keine Zukunftsangst verbreiten, mahnte Borsch. "Wenn wir Christen Zukunftsangst verbreiten, dann haben wir etwas falsch verstanden." Es gehe um das Anpacken von Herausforderungen. Und Christen hätten die Gewissheit, bei der Bewältigung von Herausforderungen auf die Unterstützung Gottes zählen zu können.

Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode hat dazu aufgerufen, den Flüchtlingen mit Offenheit zu begegnen. Es brauche Vertrauen, Mut und Entschlossenheit, um die Integration der Flüchtlinge zu stärken, damit sie in Deutschland eine neue Heimat fänden, sagte Bode am Donnerstag in seiner Silvesterpredigt im Osnabrücker Dom.

Das Miteinander der Kulturen, Religionen, Lebensstile und Mentalitäten sei "ganz neu herausgefordert", betonte Bode. "Ich möchte dazu ermutigen, sich auf die neue Vielfalt, die uns begegnet, einzulassen." Gleichzeitig gelte es, wachsam zu sein, Vorurteile und Radikalismus zu überwinden und jeder Form von Hass und Gewalt entgegenzutreten.

Die Zukunft werde geprägt sein von der Wanderung der Menschen, die auf der Flucht seien und nach neuen Lebensmöglichkeiten suchten, sagte Bode. "Krisen und Kriege, Gewalt und Terror, Not und klimatische Veränderungen bringen die Welt in eine Bewegung von ungeheurem Ausmaß." In Zusammenhang mit dem vom Papst ausgerufenen "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" rief der Bischof dazu auf, Barmherzigkeit als christliche Grundhaltung im Alltag zu leben.

Mit einem Appell, trotz eines von Krisen und Konflikten geprägten Jahres 2015 zuversichtlich und hoffnungsvoll ins neue Jahr zu gehen, hat sich Kardinal Christoph Schönborn an die österreichische Bevölkerung gewendet. Es bestehe trotz aller Irritationen "Grund zur Hoffnung", so der Wiener Erzbischof in seiner Ansprache zum Jahreswechsel im ORF-Fernsehen: Vergessen dürfe man etwa nicht, dass Österreich eine bereits 70 Jahre andauernde Friedensphase erlebe, die sich dem gemeinsamen Handeln auf nationaler wie internationaler Ebene verdankt: "Glauben wir an Österreich! Glauben wir auch - das muss ich hinzufügen - an Europa, trotz aller Krisen: Wir haben ein großes Friedensprojekt Europa."

Krisenelemente machte Schönborn u.a. in der Klimafrage, der "Schuldenfrage", im Rückgang der Kaufkraft sowie der "Gefahr des Terrors" und der "Radikalisierung auch im religiösen Bereich" aus. "All dies lässt uns sorgenvoll in die Zukunft blicken".

Hoffnungsvoll stimme ihn trotz allem das hohe Maß an Hilfsbereitschaft: "Ganz beeindruckt hat mich, mit welcher Hilfsbereitschaft in unserem Land der Flüchtlingsproblematik begegnet wurde; wie viele Menschen bereit waren, wirklich zu helfen." Als zentrales Netz in Zeiten der Krise bewähre sich die Familie, so der Wiener Erzbischof weiter: "Deshalb meine Bitte an die Politik: Bitte, unterstützen Sie die Familie; kürzen Sie nicht auf Seiten der Familien". Er sei überzeugt, "dass für Zukunft unseres Landes der Zusammenhalt der Familien ein ganz wichtiges, wesentliches Element sein wird", so Schönborn.

Ihn persönlich lasse außerdem der Glaube positiv in die Zukunft blicken, dass "dieses Leben nicht die letzte Gelegenheit ist". Es sei letztlich stets Gott, "der mit uns in das neue Jahr geht" - und der Anlass genug zur Zuversicht sei: "Ich wünsche Ihnen, dass wir ohne Angst hoffnungsvoll in ein gutes Jahr 2016 gehen."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief dazu auf, mit Gott "ohne Verzagtheit ins Jahr 2016" zu gehen. Dann könnten etwa Zweifel an der Bewältigung der Flüchtlingskrise überwunden werden. "Wir würden mit nüchternem Blick auf die Probleme schauen, die mit der Integration vieler Menschen verbunden sind, die als Flüchtlinge hierher kommen", führte er im Neujahrsgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche aus. "Aber wir würden uns davon nicht einschüchtern lassen, sondern anpacken und die Empathie weiter ausstrahlen, die unser Land im letzten Jahr zu einem der berührendsten Orte der Welt gemacht hat."

Gleichzeitig verurteilte der bayerische Landesbischof fremdenfeindliche Übergriffe. Sie träfen Menschen, die unter Lebensgefahr vor brutalen Gewaltorgien geflohen seien, erklärte Bedford-Strohm.

Ob privat, in der Kirche oder in der Wirtschaft, "unser Planen soll nach dem Willen Gotte fragen", sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, am Freitag in der Remscheider Luther-Kirche.

Der oberste Repräsentant der zweitgrößten Landeskirche, der sich in seiner Neujahrspredigt auf den biblischen Jakobusbrief bezog, betonte, dass es nicht um einen Planungsverzicht gehe. "Neben der Warnung vor Selbstüberschätzung höre ich vor allem die Einladung, Gott zu vertrauen, die Zukunft ihm getrost zu überlassen." Auch in 2016 sei mit Unerwartbarem und Unplanbarem zu rechnen und zu hoffen. "So wie 1989, als die Mauer fiel. Oder so wie 1990, als das Ede der Rassentrennung in Südafrika begann."

Die westfälische Präses Annette Kurschus betonte den Trost durch Gott. Trost sei wie die Muttermilch Gottes, schreibt Kurschus in ihrer Andacht zur Jahreslosung 2016 in der in Bielefeld erscheinenden evangelischen Wochenzeitung "Unsere Kirche". Solcher Trost helfe zum Leben, nähre, schenke Geborgenheit, mache groß und stark, erklärte die leitende Theologin der viertgrößten evangelischen Landeskirche. Die Jahreslosung zum Jahr 2016 heißt: "Gott spricht: Ich euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet" (Jesaja 66, 13.)

(KNA, domradio.de, epd, dpa, kathpress, Bistümer)