Das Symbol der Adventszeit: der Adventskranz
Das Symbol der Adventszeit: der Adventskranz

29.11.2020 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom am ersten Adventssonntag Selbstverantwortung und Zuversicht

In seiner Predigt im Kapitelsamt am ersten Adventssonntag ruft Domdechant zu Selbstverantwortung und Zuversicht aus dem Glauben auf. Gerade in der jetzigen Zeit gelte es, Advent zu feiern.

Wie solle man in diesen Tagen Weihnachten feiern?, fragt Domdechant Robert Kleine in seiner Predigt.

Im Evangelium hören wir vom Ende der Welt, von großer Not, von herabstürzenden Sternen, vom Untergang von Erde und Himmel.

Es gebe aber auch die andere Seite: Es sei die längste Friedensphase der europäischen Geschichte, in vielen Regionen der Welt entwickele sich der Wohlstand und es sei ein Impfstoff in Aussicht.

Advent in der Gegenwart und der Geschichte

Advent aber feiern wir immer in der gegenwärtigen Geschichte, in das Zeitgeschehen hinein, so der Domdechant. Vor 30 Jahren bekamen etwa die Kerzen wie jene am Adventskranz "eine neue Anschauungskraft. Die brennenden Kerzen damals in Leipzig und Prag waren Zeichen eines neuen gewaltfreien Aufbruchs", erinnert Monsignore Kleine.

Seither sei aber viel Geschehen, viele Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen auf der Welt. Das Evangelium beschönige nichts, so Domdechant Kleine, sage aber, dass man "mitten in alledem" den Advent feiern solle.

Selbstverantwortung

Es gehe bei Christen nicht um einen "blauäugigen, naiven Optimismus", sondern um eine "gelassene Selbstverantwortung, die die eigenen Anteile am Geschehen" mitreflektiere, so Kleine.

Selbstverantwortung sei zentral, Wachsamkeit und Achtsamkeit seien wichtig, zupackendes Tun, das Leben gestalten und die Welt verändern "im Sinne Gottes". Die Selbstverantwortung gehe immer auch über "sich selbst hinaus, auch auf den Nächsten", stellt der Kölner Domdechant fest.

Zuversicht aus dem Glauben

Neben der Selbstverantwortung gehe es um Zuversicht. Christen wüssten, dass Gott Mensch geworden ist. Katastrophen, Leid, Krankheit und am Ende sogar der Tod hätten nicht das letzte Wort, so Kleine. Das sei die Zuversicht aus dem Glauben, die Selbstverantwortung und Gottvertrauen vereine.

Gottvertrauen

Gerade in der jetzigen Situation gelte es, Advent zu feiern. Gott habe Interesse an jedem einzelnen Menschen. Die Botschaft des Advents gelte es jetzt zu verkünden und zu erkennen.  Gott sei der Erlöser von jeher – er ist, er war, er wird sein. Er werde dafür sorgen, dass "die Menschen ihren gerechten Anteil am Leben finden, und wir müssen dabei helfen", so Kleine.

Auf den Gott mit uns zu vertrauen, das heiße es, Advent zu feiern, "auch und besonders den Advent in diesem Jahr", erklärt Domdechant Kleine.

Übertragung

DOMRADIO.DE übertug im Internet-TV am ersten Adventssonntag das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domdechant Robert Kleine. Es sang der Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling und Anna Goeke. An der Orgel: Winfried Bönig.

Impuls zum Sonntagsevangelium (Mk 13,24-37)
von Johanna Domek OSB

Die Erschütterungen und Schreckensszenarien in der Welt setzen uns zu. Wir können sie nicht ignorieren. Wir sollten uns nicht in ihren Bann schlagen lassen und vor Schreck erstarren. Jesus sagt: »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.« Gott lässt sich nicht beirren, seine Zuwendung nimmt er nicht zurück. Worauf sollen wir denn achten in unserer erschütterten Welt mit oft erschütterten Herzen? Die Botschaft heute ist eindeutig. Viermal in den letzten Versen mahnt Jesus uns, wach zu bleiben. »Gebt Acht und bleibt wach!« »Dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.« »Seid also wachsam!« »Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!« Wach bleiben, bei allem, was wir sehen, und nach Gott ausschauen, nach Jesus ausschauen. Wach zu sein ist mehr, als nach dem Schlaf einer Nacht morgens die Augen aufzuschlagen. In einer Zeit der Stille und in den stillen Augenblicken, die in jedem Tag liegen, will ich darauf achten, was mir helfen kann, wach zu bleiben für das, was geschieht, und für Jesus, der bald kommt. Was er uns sagte, bleibt gültig. Auch wenn das, was das Wie angeht, anders aussehen mag, als wir denken.

Aus: TeDeum – Das Stundengebet im Alltag, November 2020, www.tedeum-beten.de

(DR)