Kölner Dom: Trauerbeflaggung zum Tode Kardinal Meisners
Kölner Dom: Trauerbeflaggung zum Tode Kardinal Meisners

05.07.2017 - 18:30

Trauergottesdienst im Kölner Dom - Geistliches Testament verlesen Gedenken an Kardinal Meisner

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat am Mittwochabend im Kölner Dom mit Hunderten Gläubigen einen Trauergottesdienst für den verstorbenen Kölner Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gefeiert und dessen geistliches Testament verlesen.

Zu Beginn des Gottesdienstes sagte Woelki: "Für Kardinal Meisner war die Osterbotschaft die Realität seines Lebens schlechthin. Von dieser Botschaft her hat er seinen Dienst als Priester und Bischof verstanden. Es ging ihm in allem darum, Christus berührbar zu machen, Christus als den Grund und das Ziel jedweden menschlichen Lebens, als den Grund und das Ziel des Weges der Kirche. Wir stehen an diesem Abend erschüttert vor seinem Heimgang, der so unerwartet kam, obwohl er doch 83 Jahre alt geworden ist. Das hat auch der Heilige Vater zum Ausdruck gebracht, dass ihn dieser Heimgang plötzlich und unerwartet getroffen hat."

In den vollbesetzten Kölner Dom waren neben vielen trauernden Gläubigen auch viele Mitglieder des Domkapitels, die Kölner Weihbischöfe, Wegbegleiter Meisners und Oberbürgermeisterin Henriette Reker gekommen.

Sterben gehört zum Leben dazu

In seiner sehr persönlich gehaltenen Predigt erinnerte Kardinal Woelki, der Meisner als Sekretär, als Weihbischof in der Priesterausbildung und dann auch als Bischof erlebt hatte, daran, dass für Meisner "der Tod nie einen Schrecken hatte. Für ihn gehörte er zum Leben dazu. Er sagte immer, das Sterben sei nichts anderes als das Hinübergehen von der einen Hand Gottes in die andere Hand Gottes." 

Woelki betonte die Frömmigkeit des Verstorbenen. Meisner habe "sein Leben lang für das Licht Gottes und für das Licht Christi gekämpft", sagte der Kölner Erzbischof. Immer wieder habe der Kardinal betont: "Wenn wir Christus haben, haben wir Alles." Es sei ihm darum gegangen, "das Evangelium so zu verkündigen, dass es heute ein Gesicht, sein Gesicht bekommt", sagte Woelki.

Man habe deutschlandweit gewusst, wofür Kardinal Meisner stand und einstand, so Woelki weiter. Meisner sei unbeugsam bis zum Schluss gewesen: "Nicht einmal im Tod ist er umgefallen. Er saß im Sessel, nicht einmal im Tod ist er umgefallen, er stand wie ein Baum, tief verwurzelt in Christus."

"Gelegen oder ungelegen"

Der Kardinal hob in seiner Predigt besonders Meisners unablässlichen Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens hervor: "Er kämpfte für den Schutz des menschlichen Lebens - gelegen oder ungelegen. Deshalb stand er auf überall dort, wo das menschliche Leben - insbesondere das ungeborene Leben - bedroht war. Er kämpfte für die Humanität unserer Gesellschaft." Auch Woelki betonte, keine Gesellschaft. Kein Parlament, kein Staat habe "das Recht, einem Menschen sein Leben, seine Existenz abzusprechen. Es ist Gottes Geschenk von Anfang an bis zum letzten Atemzug."

Gehorsam - auch als der Ruf nach Köln kam

Nicht selten sei Meisner in seinem Kampf für den Lebensschutz - sowohl in der Kirche als auch politisch und gesellschaftlich - missverstanden worden, bedauerte der Kölner Erzbischof. 

Woelki erinnerte auch daran, dass Meisner stets Gehorsam dem Papst gegenüber gezeigt habe, auch als ihn Papst Johannes Paul II. 1989 von Berlin nach Köln schickte. Diesen Gehorsam habe Meisner allerdings bei "aller Herzlichkeit, bei aller Warmherzigkeit - er konnte lachen und sich freuen wie ein Kind - auch klar und eindeutig und unerbittlich von anderen eingefordert, dort, wo es um die Sache Jesu ging, dort wo es um die Kirche ging".

Das geistliche Testament 

Im Anschluss an seine Predigt verlas Woelki das geistliche Testament, das Meisner 2011 verfasst hat. Darin betont Meisner seine tiefe Frömmigkeit und seinen unerschütterlichen Glauben. Er habe stets versucht, allen im Erzbistum Köln zu dienen. Die Gläubigen bittet er inständig, "stehen Sie zu unserem Heiligen Vater. Er ist der Petrus von heute. Folgen Sie seiner Weisung, hören Sie auf sein Wort." Meisner erinnert in seinem Schreiben weiter daran, sowohl im Nationalsozialismus, als auch im Kommunismus und in der Demokratie habe ihm stets "der Dienst des Papstes immer Orientierung, Ermutigung und Beistand geschenkt".

Das Testament schließt mit den Worten: "Haltet immer zum Papst und Ihr werdet Christus nie verlieren. Nicht die Gnade, die der Apostel Johannes empfangen, begehre ich. Nicht die Vergebung, mit der du dem Petrus verziehen. Die nur, die du am Kreuz dem Schächer gewährt hast, die erflehe ich. Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein."

In Berlin würdigte Weihbischof Matthias Heinrich Meisner als "großen Bischof und überzeugten Berliner".

Meisner, emeritierter Erzbischof von Köln, war am Mittwoch im Alter von 83 Jahren während seines Urlaubs in Bad Füssing verstorben. Kardinal Meisner war von 1989 bis 2014 Erzbischof des Erzbistums Köln und lebte bis zu seinem Tod in der Domstadt.