Kardinal Woelki am Aschermittwoch
Kardinal Woelki am Aschermittwoch
Kardinal Woelki beim Aschermittwoch der Künstler
Kardinal Woelki beim Aschermittwoch der Künstler

10.02.2016 - 11:00

Bischöfe würdigen Austausch zwischen Kunst und Religion Liturgie als "Heiliges Spiel"

Zahlreiche deutsche Bistümer haben den traditionellen Aschermittwoch der Künstler begangen. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki rief die Gläubigen dazu auf, sich selbst als Mensch anzunehmen.

Der Mensch könne sich nur dann als erlöst und befreit erleben, wenn er sich in all seiner Gebrochenheit und mit seinen Niederlagen annehme, so Woelki. Dabei unterstützen könne die christliche Überzeugung, dass "wir mit derselben Liebe von Gott angenommen sind, mit der er auch seinen Sohn geliebt hat". Die kommenden Feiern des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi können laut Woelki besonders dabei helfen, sich unmittelbar auf Gott und sich selbst einzulassen. Denn Unmittelbarkeit sei die wahre Kunst, auch im Religiösen.

"Die Verheißungen der Heiligen Schrift haben immer einen ganz aktuellen Bezug zu unserem Leben", erklärte Woelki. Das gelte besonders für die Feiern an Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht. "Mehr als sonst wird dort das, was gefeiert wird, nicht nur vollzogen, sondern auch gespielt", so der Kardinal in Anlehnung an Romano Guardini, der die Liturgie als "Heiliges Spiel" bezeichnet hatte.

"In den Gottesdiensten schwingen Themen und Fragen mit, die uns auch heute bewegen", führte Woelki aus. Palmsonntag konfrontiere mit der Brüchigkeit von Anerkennung und Ruhm. An Gründonnerstag gehe es um alles, was mit dem Annehmen von Leid verbunden sei. Am Karfreitag sehen die Gläubigen laut Woelki dem eigenen Leid und dem der Welt ins Gesicht. "In der Osternacht feiern wir dann das Leben, das stärker ist als der Tod", so Woelki weiter. Es sei Aufgabe der Gläubigen, diese Zusammenhänge "zu erspüren und danach zu leben und zu handeln".

Bischöfe würdigen Austausch zwischen Kunst und Religion

Literatur, Bilder und Musik könnten die christliche Botschaft lebendig halten, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, beim "Aschermittwoch der Künstler" in Stuttgart. Künstler könnten mit ihren Werken den Menschen die Botschaft erhellen, damit hätten sie eine prophetische Begabung, sagte Fürst.

Kunst in Literatur, Architektur, Bildern und Musik helfe, gegen Tod, Hoffnungslosigkeit und Traumatisierungen anzukämpfen. Daher sei sie unerlässlich für die Vermittlung der Botschaft Gottes, sagte Fürst. Er wies als Beispiel darauf hin, dass die liturgische Symbolik des Aschermittwochs voller poetischer Bilder sei, die auf biblische Texte zurückgehen. Das Symbol der Asche erinnere an die Endlichkeit der menschlichen Existenz; zugleich verweise das mit Asche auf die Stirn gezeichnete Kreuz auf Jesus Christus, der nach Leiden und Tod zu neuem Leben auferweckt wurde.

In Freiburg sagte Erzbischof Stephan Burger vor Kunstschaffenden, Christen sollten so leben, "dass deutlich wird, dass Gott in seiner Kirche kein Museum hat, sondern ein lebendiges Haus, das Heimat bietet und Gemeinschaft fördert". Für sie gelte der Aufruf Jesu, seine Botschaft zu den Menschen zu bringen, "in unserer Zeit, in unserer Welt, mit unseren Mitteln; dazu gehören auch die unterschiedlichsten Facetten der Kunst", sagte Burger.

Kritische Worte zum Medienkonsum fand Burgers Bamberger Amtsbruder, Erzbischof Ludwig Schick. Er empfahl Christen, gerade in der nun beginnenden Fastenzeit öfter einmal auf Smartphone, Tablet oder Computer zu verzichten. «Wer ständig online ist, ist offline für Gott», so Schick.

Im Erzbistum Berlin luden die beiden großen Kirchen im Anschluss an einen ökumenischen Vespergottesdienst für Mittwochabend zu einer "Dialog-Künstlerrede" in die Gemäldegalerie. Dort sollten der Direktor der Gemäldegalerie, Bernd-Wolfgang Lindemann, und der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, über den "Wert der Kunst" diskutieren.

In Essen fand auf Einladung des katholischen Ruhrbistums und der Evangelischen Kirche im Rheinland zum 19. Mal der Sozialpolitische Aschermittwoch der Kirchen statt. Dabei mahnte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mehr Engagement im Kampf gegen Seuchen und Viren an. Die Ebola-Epidemie habe gezeigt, "dass Gesundheit global gedacht werden muss", so der CDU-Politiker.

Begegnung zwischen Kirche und Kunst

Der "Aschermittwoch der Künstler" soll Begegnungen von Kirche und Kunst ermöglichen. Dazu gibt es zum Auftakt der Fastenzeit in zahlreichen deutschen Bischofsstädten Veranstaltungen. Die Initiative dazu kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus Frankreich. Dort strebte der katholische Schriftsteller Paul Claudel (1868-1955) nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer solchen Begegnung einen spirituellen Neuanfang für Europa an.

Der erste "Aschermittwoch der Künstler" in einer deutschen Diözese fand 1950 in Köln statt. Dem folgten bald München und andere Bistümer. Heute gibt es entsprechende Angebote in einer Reihe von Städten weltweit. In Deutschland wird die ursprünglich katholisch geprägte Idee mancherorts ökumenisch begangen.

Gemeinsame Auseinandersetzung

Mit der Begegnung will die Kirche ihre Wertschätzung für Kunst und Künstler bekunden. Sie soll zugleich einer religiösen Standortbestimmung dienen oder auch die gemeinsame Auseinandersetzung mit Grundfragen der menschlichen Existenz ermöglichen. In aller Regel gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst zum Auftakt der Fastenzeit und einen kulturellen Akzent, bei dem auch prominente Kunstschaffende zu Wort kommen. Daran schließt sich die Möglichkeit zum Gespräch zwischen Bischof oder Geistlichen und Künstlern an. (domradio.de, KNA, epd)