Ostern am Kölner Dom
Ostern am Kölner Dom

01.04.2018 - 10:00

Deutsche Bischöfe am Ostersonntag Hochfest der Auferstehung des Herrn

Rainer Maria Kardinal Woelki hat eine humanere Gesellschaft gefordert. So mahnte er im Gottesdienst am Ostersonntag in Köln eine gerechtere Vermögensverteilung an. Predigten deutscher Bischöfe am Ostersonntag hier im Überblick.

Insbesondere schwächere Menschen müssten Anteil an Bildung, Ausbildung, Wohnraum und Wohlstand haben. Christen setzten sich dafür ein, dass Armut, insbesondere Kinder- und Altersarmut, keine Chance haben sollten.  (Die schönsten Bilder des Gottesdienstes zum Nachschauen finden Sie hier.)

Weiter trat der Erzbischof für das Lebensrecht von ungeborenen, alten und kranken Menschen ein. Zudem warnte er vor einer Aushöhlung des Asylrechts. Flüchtlinge müssten in Deutschland weiterhin willkommen sein und «eine Lebens- und vor allem Überlebenschance» haben, die ihnen durch terroristische Systeme oft abgesprochen werde. Dieser Einsatz für die Lebensmöglichkeiten aller Menschen sei ein österlicher Dienst der Christen für eine humanere Gesellschaft.

Nach den Worten des Kardinals ist Ostern für die Christen der Anbruch einer neuen Zeit, weil Gott durch die Auferweckung Jesu Vergänglichkeit und Tod aufgehoben habe. Dieses ewige Leben habe einen absoluten Vorrang vor dem irdischen Leben. Deshalb dürften aber nicht die Aufgaben und Herausforderungen dieser Welt verharmlost oder bagatellisiert werden. Das Gegenteil treffe zu. Wenn Gott in allem Vorrang habe, "dann werden wir die Herausforderungen des irdischen Lebens bewältigen", sagte der Kardinal.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx forderte ein stetes Engagement für eine freie Gesellschaft. "Dazu braucht es viele Menschen, die ihre Freiheit verantwortlich und überzeugend leben", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Ostersonntag im Münchner Liebfrauendom. Ein solches Miteinander sei kein Selbstläufer, sondern brauche täglichen Einsatz.

In Bamberg rief Erzbischof Ludwig Schick zu einem besseren Schutz des Sonntags auf. Er wandte sich gegen Forderungen aus Politik und Wirtschaft, die grundgesetzlich garantierte Sonntagsruhe abzuschaffen und die Ladenöffnungszeiten völlig freizugeben. Eine humane Gesellschaft lebe nicht allein vom Shopping. Die Sonn- und Feiertage müssten für die "seelische Erhebung und die Arbeitsruhe" bleiben.

In Regensburg würdigte Bischof Rudolf Voderholzer den französischen Polizisten Arnaud Beltrame. Er hatte sich in einem Supermarkt in Trebes als Ersatz für eine als Geisel genommene Frau angeboten, wurde schwer verletzt und starb. Inmitten der Hölle dieses Terrors blitze ein Licht auf, das in seiner Größe und Menschlichkeit sprachlos mache, sagte Voderholzer. 

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch forderte dazu auf, sich aus dem Osterglauben vom Sieg der Liebe über den Tod in Politik und Gesellschaft einzubringen, "für das Leben der Ungeborenen und der Sterbenden, für das Leben der Entrechteten, der Flüchtenden und der Hungernden". Es reiche nicht, nur "besserwisserisch und belehrend auf die Politiker zu zeigen".

Für den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf verbindet sich mit der christlichen Osterbotschaft die Zusage Gottes, dem Menschen in allen Nöten beizustehen. «Gott hat immer neue Wege, wo wir Menschen nicht mehr können oder weiterwissen. Jesus geht mit uns, auch wenn wir ihn oft nicht erkennen», sagte Kohlgraf im Mainzer Dom.

Gegen Ausgrenzung und Nationalismus wandte sich der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. "Ein Riss geht durch unsere Gesellschaft. Ich bin erschrocken, wie tief das Misstrauen sitzt, wie schnell bei manchen die Bereitschaft gegeben ist, sich radikalisieren zu lassen", sagte er im Speyrer Dom.

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sprach sich für eine intensivere Sterbebegleitung todkranker Menschen aus. Der Bischof kritisierte, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern Gruppen und Interessenverbände versuchten, eine "aktive Sterbehilfe" zu ermöglichen. Für österliche Christen aber sei die "aktive Sterbehilfe" keine Möglichkeit.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing rief die Christen auf, ihren Glauben freudig und offen zu leben. Es stehe derzeit auf "Messers Schneide", ob der christliche Glaube eine Zukunft habe. Die Bischöfe in Baden-Württemberg riefen zu Hilfen für die Opfer von Krieg und Gewalt auf. Christen müssten den Leidenden Hoffnung geben, durch Gebet, materielle Hilfe und durch Solidarität, sagte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst sagte, der Osterglaube ermutige zu Gewaltlosigkeit und Frieden.

Der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom ermutigte die Gläubigen, die Spuren von Auferstehung im Alltag zu entdecken. Denn bei allem Scheitern gebe es die Hoffnung, dass der Tod nicht die letzte Erfahrung sei.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beklagte, dass die Welt vom Terror des Krieges und Polarisierungen  durchzogen sei. "Der Friede bleibt ein hohes politisches Ziel für alle Verantwortungsträger in der Welt." Die Menschen hätten die Pflicht, alles zu tun, um todbringende Konflikte zu beenden. Wenn dabei Gewalt angewendet werde, dürfe diese nur ein letztes Mittel sein, um noch größere Gewalt abzuwenden und das Recht auf Notwehr umzusetzen, sagte Overbeck, der auch Militärbischof ist.

Auch Münsters Bischof Felix Genn mahnte zur Überwindung von Gewalt, Krieg und Zerstörung. "Immer noch sind wir von den Schrecken des Todes umfangen, immer noch erleben wir, dass Gewalt einzelne Familien, Völker und Nationen zerstört", sagte er. "Putins, Erdogans, Kims und Trumps verbreiten Schrecken." Der Glaube an Jesus gebe aber die Kraft für den anderen Weg aus Liebe, Verzeihung und Verzicht auf Hass.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sagte, die Osterbotschaft von der Auferstehung setze eine Alternative zum Tod und damit gegen Pessimismus und Sinnlosigkeit. Die Sehnsucht nach ewigem Leben scheine heute aber weitgehend erloschen zu sein, bedauerte er. "Auferweckung vom Tod kommt in unserem normalen Leben nicht vor."

Der Aachener Bischof Helmut Dieser hob die verbindende Kraft des Osterglaubens hervor. Der Glaube an die Auferstehung vermittle die Kraft, "die uns auch in unserer Kirche aus unseren Lagern und Spaltungen herausruft und in der österlichen Freude vereint". Diese Kraft motiviere dazu, den Glauben an Jesus mit immer mehr Menschen zu teilen und sich auch um Jesu willen für andere einzusetzen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, warnte im Berliner Dom davor, Arme und Schwache aus der Gesellschaft auszugrenzen. Bei Armut gehe es nicht nur um Geld: Die Liebe Jesu Christi sei das radikalste Gegenprogramm zur Ausgrenzung. Jeder Mensch müsse erfahren, dass er Teil dieser Gesellschaft sei, "dass er gewollt ist, dass er gebraucht wird, dass er einfach sein darf, dass er eine Würde hat".

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, verteidigte bei einem Ostergottesdienst in Wesel-Büderich den Einsatz der Kirchen für sozial Schwache. Gott hänge zu Recht der Ruf an, eine besondere Zuneigung für Benachteiligte zu haben. "Und wenn man unserer Kirche heute bisweilen diese 'Parteilichkeit' vorwirft, dann ist das für mich ein Kompliment und keine ernstzunehmende Kritik", sagte der Leitende Geistliche.

(DR, KNA)