Bischof Schraml hat am 75. Geburtstag nicht nur Grund zur Freude

Fouls in der Verlängerung

Als Papst Benedikt XVI. im März den altersbedingten Amtsverzicht des Passauer Bischofs Wilhelm Schraml nicht annahm, durfte sich dieser geehrt fühlen. Eine solche Verlängerung wird gewöhnlich nur Kardinälen zuteil. Doch in die Freude mischten sich bald Wermutstropfen.

Autor/in:
Christoph Renzikowski
 (DR)

Ein einflussreicher niederbayerischer Unternehmer opponierte mit offenen Briefen, ein Nachrichtenmagazin wartete mit der Story auf, der Bischof lasse sich für seinen Ruhestand eine Luxusherberge in Altötting herrichten. Im Fußball würde man von Fouls in der Nachspielzeit sprechen. Sie haben den Bischof verletzt - und so hat er alle Presseanfragen zu seinem 75. Geburtstag, den er am Samstag (26.06.2010) im Rahmen einer schon lang geplanten Wallfahrt nach Polen begeht, abgesagt.

Schraml gehört zu den wenigen amtierenden deutschen Bischöfen, deren Biografie noch durch den Zweiten Weltkrieg geprägt wurde. Sein Vater, ein Bäcker, kam erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück nach Erbendorf in der Oberpfalz. Da war seine Mutter schon zwei Jahre tot. Um den elfjährigen Wilhelm kümmerte sich eine Tante, die ihn nach Regensburg mitnahm und später den Haushalt führte. Geradlinig führte sein Weg ins Priesterseminar.

Geborgenheit fand Schraml im familiären Verband, der nach dem "Gesellenvater" Adolph Kolping benannt ist. Und in einer tiefen Marienfrömmigkeit, die sich auch in seinem Bischofswappen ausdrückt: Seit seiner Ernennung zum Regensburger Weihbischof 1986 führt er das Altöttinger Gnadenbild in seinem Schild.

Schöne Stunden in Altötting
In Altötting erlebte Schraml seine schönsten Stunden als Bischof von Passau: Am 11. September 2006 besuchte Benedikt XVI. den Wallfahrtsort und seinen ebenfalls im Bistum gelegenen Geburtsort Marktl am Inn. An diesem heiter-besinnlicher Festtag unter schönstem weiß-blauem Himmel war der Papst, "im wahrsten Sinn des Wortes bei uns daheim", wie Schraml später sagte.

Der Bischof von Passau hatte einiges dafür unternommen, dass der Besuch bleibende Wirkung entfaltet: Er veranlasste in Altötting gegen lokale Widerstände mehrere Umbauten, darunter die Errichtung einer Anbetungskapelle, die der Papst selbst einweihte. Das weltberühmte "Goldene Rössl" musste dafür ins neue Wallfahrtsmuseum umziehen.

Während Besucher und externe Fachleute die bauliche Lösung loben, hält das Grummeln unter den Alteingesessenen an. Überdies hat es den Altöttingern, die quasi im Schatten des "katholischen Herzens Bayerns" leben, noch nie an Selbstbewusstsein und Behauptungswillen gegenüber der Bistumsstadt gemangelt. Manche Schlagzeile jüngeren Datums erklärt sich auch durch diese Konstellation.

Seine spirituelle und kirchliche Grundhaltung bezeichnet der Bischof selbst unumwunden als konservativ. Es kommt ihm darauf an, den Glauben unverfälscht zu bewahren und zu verkünden. "Wer Christus anbetet, baut das Haus seines Lebens nicht auf dem Flugsand des Zeitgeistes", sagt er. Wer heute Christ sein wolle, müsse auch den Mut haben, unmodern zu sein. Die Förderung eucharistischer Frömmigkeit ist Schraml wichtig, ebenso die geistlicher Berufungen.

Weitere Jubiläen stehen bevor
Für die Passauer Katholiken bedeutete Schramls Ernennung zum Nachfolger des als liberal geltenden Bischofs Franz Xaver Eder vor acht Jahren eine ziemliche Umstellung. Manche sagen, das gegenseitige Fremdeln habe bis heute nicht aufgehört. Nun muss sich der asketische Schraml auf seine alten Tage Prunksucht nachsagen lassen, nur weil er mit dem Gedanken spielt, die sanierungsbedürftige und unter Denkmalschutz stehende frühere Wohnung des Altöttinger Wallfahrtsadministrators zu beziehen.

Es liegt ganz beim Papst, wie lange der Bischof noch im Amt bleibt. Nächstes Jahr rundet sich Schramls Leben in Form zweier Jubiläen, die ihm persönlich viel mehr bedeuten als sein 75. Geburtstag: Seine Bischofsweihe vor 25 Jahren und seine Priesterweihe vor 50 Jahren.