Der Titel der Großveranstaltung am Mittwoch in Berlin: «Suche nach Sinn - über Religionen der Welt». Im Mittelpunkt der Vorträge, Ausstellungen und Workshops stehen die großen Weltreligionen und ihre Gottesvorstellungen, ihre Beziehungen zueinander, ihr Beitrag zu Humanität und Frieden sowie ihre Wirkung auf Politik, Gesellschaft und Kultur.
Federführend für die Planung des Akademientags ist der Präsident der Hamburger Akademie der Wissenschaften, Heimo Reinitzer, zuvor 25 Jahre Leiter des Deutschen Bibel-Archivs. «Mit der Fokussierung auf Religion greift der Akademientag eine zunehmende öffentliche Debatte auf», erläutert der Germanist und Theologe. Die Frage nach der Rolle von Religion in der Gesellschaft, ihrer politischen Dimension sowie der Gleichrangigkeit unterschiedlicher Religionen gewinne seit Jahren an Gewicht. Und so hätten die Präsidenten der acht in der Union zusammengeschlossenen Akademien beizeiten einstimmig beschlossen, Religion zum Thema des Akademientags 2010 zu machen, berichtet Reinitzer.
Namhafte Theologen und Religionswissenschaftler, darunter Ethikrat-Mitglied Eberhard Schockenhoff aus Freiburg und der Potsdamer jüdische Historiker Julius H. Schoeps, werden Einführungen in Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus geben. Daneben stellen sich 13 religionswissenschaftliche Forschungsprojekte vor.
Besucher erfahren, mit welchen Methoden Wissenschaftler sich mühen, den Originaltext des christlichen Neuen Testaments zu rekonstruieren. In einer «Wissenschaftswerkstatt» können sie in die Rolle eines Abschreibers schlüpfen und «live» miterleben, wie leicht sich Übersetzungsfehler einschleichen. Einblicke in die Erforschung des Koran gibt die Präsentation «Corpus Coranicum».
Andere Projekte führen nach Asien: So werden spektakuläre Felsbilder und Inschriften an der Seidenstraße vorgestellt. Die Besucher können entlang eines computer-animierten Pfades heilige buddhistische Texte aus Nordchina sehen, die Mönche im sechsten Jahrhundert in Stein meißelten. An einer Hörstation präsentiert das Projekt «Enzyklopädie jüdischer Kulturen» klassische und moderne jüdische Musik. Die Antike ist vertreten mit dem Vorhaben «Griechische Inschriften», das überlieferte Sprüche des Apollon-Orakels vorstellt. Der Akademientag klingt aus mit Vorträgen, Lesungen und Musik zum Thema «Die Schöpfung im Spiegel der Künste».
Zu der Veranstaltung in den Räumen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt lädt die Akademienunion insbesondere Jugendliche und Schulklassen ein. «Wir müssen die junge Generation für die brennenden Fragen der Religion interessieren», sagte Reinitzer. Dabei gehe es nicht nur um politisch heiße Eisen wie etwa das Burka-Verbot. Der Tag solle beispielsweise auch die Bedeutung von Firmung und Konfirmation neu in Erinnerung rufen. «Es ist wichtig, das Nachdenken darüber erlernen, was meinem Leben Sinn gibt.»
Akademientag am Mittwoch zum Thema "Religionen der Welt"
"Was dem Leben Sinn gibt"
Es ist schon bemerkenswert: In Zeiten, da die Zahl der Theologiestudierenden stetig sinkt und theologische Forschungsprojekte seltener werden, widmet die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften einen Akademientag eigens der Religion.
Share on