Ausländische Organisationen könnten ihre Hilfsgüter künftig an den Flughäfen des Landes abladen, sagte Al-Baschir bei einer militärischen Kundgebung vor mehreren tausend Anhängern in der Hauptstadt Khartum, wie der britische Sender BBC am Montag berichtete. Die Verteilung der humanitären Hilfe solle sudanesischen Organisationen überlassen bleiben, forderte das Staatsoberhaupt.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte, dass noch unklar sei, ob Al-Baschirs Ankündigung in großem Umfang umgesetzt werde. Ein solcher Schritt wäre jedoch "ein weiterer zynischer Akt gegenüber der eigenen Bevölkerung, die auf diese Hilfe angewiesen ist", betonte Steinmeier nach Beratungen mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel. Betroffen wäre die Bevölkerung in Darfur und in anderen Regionen des Landes. Eine Ausweisung wäre zudem "ein schwerer Schlag für die Beziehungen des Sudan mit der Welt draußen", sagte Steinmeier.
Besorgte Hilfsorganisationen
Auch Hilfsorganisationen in Deutschland reagierten besorgt. "Es ist noch völlig unklar, was das für unsere Arbeit bedeutet", sagte die Sprecherin der Deutschen Welthungerhilfe, Simone Pott, dem epd. Ihre Organisation habe noch keine Mitteilung von der zuständigen sudanesischen Behörde erhalten. "Wir müssen jetzt sehr genau die Entwicklung verfolgen." Die Welthungerhilfe arbeite bereits vorwiegend mit einheimischem Personal, hat aber fünf ausländische Mitarbeiter für Verwaltungsaufgaben im Sudan. "Wenn wir die abziehen müssten, hätten wir ein massives Problem", sagte Pott.
Die Diakonie Katastrophenhilfe befürchtet eine dramatische Verschlimmerung der Versorgungslage im Sudan. "Für die Menschen vor Ort wäre die Ausweisung aller internationalen Hilfsorganisationen furchtbar", sagte Sprecher Rainer Lang dem epd. Das kirchliche Hilfswerk beschäftige allein in der Krisenregion Darfur 350 lokale und zwölf internationale Mitarbeiter. Nach UN-Angaben sind in der westsudanesischen Provinz derzeit 4,7 Millionnen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Erst vor kurzem hatte die sudanesische Regierung 13 Hilfsorganisationen des Landes verwiesen. Damit reagierte die Führung in Khartum auf den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag gegen den 65 Jahre alten Präsidenten Al-Baschir. Er muss sich wegen Kriegsverbrechen in Darfur verantworten. Dort kämpfen Rebellen seit sechs Jahren gegen die sudanesische Armee und von ihr unterstützte Milizen. Schätzungen zufolge sind bei den Auseinandersetzungen mehr als 300.000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als zwei Millionen Bewohner sind auf der Flucht.
Sudan will alle internationalen Hilfsorganisationen ausweisen
"Zynischer Akt gegenüber der Bevölkerung"
Sudans Präsident Omar Hassan al-Baschir hat alle internationalen Hilfsorganisationen dazu aufgefordert, das Land innerhalb eines Jahres zu verlassen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte, dass noch unklar sei, ob Al-Baschirs Ankündigung in großem Umfang umgesetzt werde.
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