Die Ukraine beging am Samstag den 75. Jahrestag der Hungerkatastrophe. Dabei kamen 1932 und 1933 zwischen drei und zehn Millionen Menschen um. Den sogenannten Holodomor bezeichnete das ukrainische Parlament 2006 als gezielten Akt des Völkermords, für den der sowjetische Diktator Josef Stalin verantwortlich gemacht wird.
Der ukrainische Staatspräsident Viktor Juschtschenko hatte Papst Benedikt XVI. in einem Schreiben aufgerufen, der damaligen Opfer zu gedenken. Darin führt er an, Wissenschaftler hätten zweifelsfrei festgestellt, dass es sich um einen Genozid gehandelt habe: «Das kommunistische Regime war fest entschlossen, die Blüte der Nation und die ukrainischen Wurzeln zu vernichten.»
An der zentralen Gedenkfeier in Kiew nahmen neben Juschtschenko die Staatspräsidenten von Polen (Lech Kaczynski), Litauen (Valdas Adamkus), Lettland (Valdis Zatlers) und Georgien (Michail Saakaschwili) sowie Spitzenvertreter der Kirchen des Landes teil. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., würdigte in einem Brief an Juschtschenko ebenfalls die Opfer der «schrecklichen Tragödie».
Die Einstufung des «Holodomor» als Genozid ist international umstritten. Die Parlamente von mehreren Staaten erkannten das Verbrechen als Völkermord an, darunter der US-Kongress. Moskau spricht hingegen nur von einer Tragödie und wirft der Ukraine Geschichtsfälschung vor. Das EU-Parlament bezeichnete das Geschehen in einer Resolution vom Oktober als «schreckliches Verbrechen am ukrainischen Volk und gegen die Menschlichkeit». Die Spitze der ukrainischen orthodoxen Kirche meidet ebenfalls den Ausdruck «Völkermord».
In München erinnert jetzt der erste deutsche Gedenkstein an die Millionen Opfer der Hungersnot. Der Apostolische Exarch der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Deutschland, Bischof Petro Kryk, weihte den Stein am Samstagabend vor seiner Kathedrale im Stadtteil Untergiesing ein.
Der Stein hat die Inschrift: «Zum Gedenken an die Millionen Opfer der Hungersnot-Holodomor in der Ukraine 1932/33». Initiator ist ein von der Kirche unabhängiges Komitee für die Gedenkfeierlichkeiten des 75. Jahrestags. Sein Sprecher Andrij Nesmasznyj forderte den Bundestag auf, die Hungersnot als Völkermord anzuerkennen. Eine entsprechende Petition unterschrieb nach seinen Angaben auch der Exarch.
In München befindet sich mit 4.000 Gläubigen die größte Gemeinde der katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland. Auch Kryk hat in der bayerischen Landeshauptstadt seinen Sitz.
Papst erinnert an ukrainische Hungertote - Gedenken in München
Unermessliche Tragödie
75 Jahre nach der Hungerkatastrophe während des Stalin-Regimes hat Papst Benedikt XVI. der Millionen Toten in der Ukraine und anderer Teile der ehemaligen Sowjetunion gedacht. Kein politisches System dürfe "im Namen einer Ideologie die Rechte des Menschen, seine Freiheit und seine Würde verleugnen", sagte der Papst beim Angelusgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Er bete für die unschuldigen Opfer dieser unermesslichen Tragödie, sagte er auf Ukrainisch.
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