Jahresrückblick: Mit der Wirtschaft wächst die Ungleichheit - Militärherrscher unter Druck

Asien zwischen alter Armut und neuem Reichtum

Asiens Giganten verzeichnen Wachstumsraten um die zehn Prozent. Doch der neue Reichtum bringt neue Konflikte und neue Ungerechtigkeit. 2007 hat sich viel getan in Ländern wie China, Indien oder auch Birma. Fortschritte in Sachen Demokratie hat es leider nicht gegeben. So wurden die Proteste der Mönche in Burma blutig niedergeschlagen. Agnes Tandler wirft einen Blick auf die Ereignisse und Entwicklungen im Jahr 2007.

Autor/in:
Agnes Tandler
 (DR)

400.000 Mönche soll es in Birma geben. Die Zahl der Soldaten in dem streng buddhistischen Land wird ebenso hoch geschätzt. Es waren schockierende Bilder, als die beiden wichtigsten Institutionen des Landes im September aneinander gerieten. Steigende Benzinpreise hatten im Sommer das Leben für Birmas verarmte Bevölkerung noch unerträglicher gemacht. Der anfängliche Protest gegen steigende Preise wurde schnell zum Kampf für Demokratie.

Bis zu 100.000 Menschen zogen in Rangun gegen das brutale Militärregime auf die Straße, angeführt von Mönchen in safrangelben Gewändern. Der Protest wurde ähnlich brutal niedergeschlagen wie der letzte große Aufstand gegen die Militärherrscher vor fast zwanzig Jahren. Weltweit herrschte Empörung über das Vorgehen der Militärjunta, doch die zwei großen Nachbarn, China und Indien, hielten sich auffallend zurück mit Forderungen nach Sanktionen.

Die beiden Nationen pflegen seit Jahren gute Verbindungen zu den Generälen in Birma. Das Land beliefert die boomende Wirtschaft Indiens und Chinas mit dringend benötigten Rohstoffen und Energie.

Indien: Millionenhafte Armut
Nach offiziellen Angaben müssen rund 830 Millionen Inder mit weniger als umgerechnet zwölf Euro im Monat auskommen. Kinderarbeit ist in Indien überall Realität. Im Oktober 2007 nahm die US-Modekette GAP zehntausende Kleidungsstücke vom Markt, als bekannt wurde, dass Kinder, nicht älter als zehn Jahre, in einer Fabrik in Neu-Delhi bis zu 16 Stunden ohne Bezahlung Hemden für den Konzern genäht hatten.

Millionen indischer Jungen und Mädchen unter 15 Jahren arbeiten - trotz eines gesetzlichen Verbotes. Laut UN trägt Kinderarbeit in Indien zu 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bei.
Am Selbstbewusstsein der indischen Regierung kratzt das nicht.

Am 15. August 2007, dem 60. Jahrestag der Unabhängigkeit, feierte Indien den Abzug der britischen Kolonialmacht mit neu erwachtem Stolz. Im Nachbarland Pakistan hingegen, das ebenso seinen 60. Geburtstag feierte, gibt es wenig Grund zur Euphorie.

Mehr als die Hälfte seiner Geschichte stand die islamische Republik unter Militärherrschaft. Präsident Pervez Musharraf hatte im November den Ausnahmezustand verhängt, weil er fürchtete, dass das Oberste Gericht seine Kandidatur für eine weitere Amtszeit für unrechtmäßig erklären würde. Im November trat Musharraf von seinem Posten als oberster Armeechef zurück und ließ sich für weitere fünf Jahre als ziviles Staatsoberhaupt vereidigen. Im Januar soll ein neues Parlament gewählt werden, doch die Situation bleibt angespannt.

Bangladesch:
Militärregierung unter Druck
Auch in Bangladesch, wo seit fast einem Jahr der Ausnahmezustand herrscht, ist die vom Militär gestützte Regierung unter Druck. Der Zyklon am 15. November hat etwa 2,3 Millionen Menschen obdachlos gemacht. Das Land kämpft zudem mit wachsender Inflation, schwacher Wirtschaft und steigenden Öl- und Lebensmittelpreisen.
China: Grenzenloser Aufschwung?
In China hingegen setzte sich das rasante Wirtschaftswachstum, das seit den Reformen in den 80er Jahren Privatisierung und Liberalisierung gebracht hat, auch in diesem Jahr fort. Nur noch ein Drittel der Wirtschaft ist in Staatshand. Das Land bemüht sich, die Ansprüche der wachsenden Mittelklasse zu befriedigen. Nach heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Partei beschloss der Nationale Volkskongress im März ein Gesetz, dass erstmals individuelle Eigentumsrechte im kommunistischen Staat festschreibt. Das ermöglicht den neuen Reichen in den Mega-Städten, ihren Besitz weiterzuvererben.
An seinem autoritären Kurs hält Präsident Hu Jintao allerdings fest.

Die kommunistische Partei, die das Land seit 1949 mit eiserner Hand regiert, hat auf ihrem Parteitag im Oktober ihre Macht stabilisiert. Weit hinter den landesweiten Wachstumsraten zurückgeblieben ist die Landwirtschaft, die immer noch das Auskommen für fast die Hälfte der Chinesen bildet. Das führt zu starken Einkommensunterschieden - und verschärft die Gegensätze zwischen Stadt und Land.