Die Randalierer in Villiers-le-Bel warfen Steine und Brandsätze, dabei gingen mindestens fünf Gebäude sowie mehr als 60 Fahrzeuge in Flammen auf. Die Polizei antwortete mit Tränengas und Gummigeschossen. Über 70 Polizisten wurden verletzt.
Gefühl von Ausgeschlossenheit
Bei den betroffenen Gemeinden handele sich um Vororte, wie man sie in Deutschland kaum kenne: wenig Infrastruktur und Sozialeinrichtungen, Arbeitslosigkeit und eine hohe Zuwanderungsrate. Täglich finden dort Razzien statt. "Für die Jugendlichen dort stellt die Polizei den Staat dar", erklärt Dr. Wolfram Vogel vom Pariser Büro des Deutsch-Französischen Instituts im domradio-Interview. Und zum Staat habe die Jugend der Pariser Vororte ein Verhältnis des Misstrauens: "Das beruht auf einem Gefühl, ausgeschlossen zu sein aus einer Gesellschaft, die vor den Toren dieser Vororte in Paris existiert", so Dr. Vogel. "Paris das schimmert. Eine glitzernde Welt"
"Eine wesentlich kleinere Dimension"
In Erinnerung an die Ausschreitungen vom November 2005 gebe es zwar "fatale Parallelen". Jedoch seien die Vorfälle nicht miteinander Vergleichbar. "Vor zwei Jahren kamen ebenfalls zwei Jugendliche ums Leben, weil sie sich von der Polizei verfolgt glaubten", erinnert sich Dr. Vogel. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis so etwas wieder passieren würde. Dabei müsse jedoch auch bedacht werden, dass die Ausschreitungen aus 2005 einen wesentlich größeren Umfang gehabt hätten als heute. "Damals breiteten sich die Aufstände über 300 Gemeinden aus - heute sind es nur vier. Das ist eine wesentlich kleinere Dimension als vor zwei Jahren", betont Dr. Vogel.
Nach den Erfahrungen aus 2005 mahnen jetzt viele Politiker zur Ruhe. In gewisser Weise habe die Politik aus diesen Erfahrungen gelernt, Probleme bei den Wurzeln zu packen, beobachtet Dr. Vogel. Eines dieser Probleme sei, dass viele Jugendliche den Schritt in eine Berufsausbildung nicht schafften. Die Politik sei sich dessen bewusst und setze sich längst gegen diese Misstände ein. Es brauche aber seine Zeit, bis dieser Einsatz Wirkung zeige, sagt Dr. Vogel. "Das geht nicht innerhalb von zwei Jahren."
Frankreich-Experte im domradio zu den Ausschreitungen in Paris
Welle der Gewalt
Nach dem Unfalltod zweier Jugendlicher beim Zusammenprall mit einem Streifenwagen der Polizei haben sich jetzt bereits in der zweiten Nacht in den sozialen Randgebieten von Paris Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Über 70 Beamte erlitten Verletzungen. Nach den wochenlangen Unruhen in Frankreich im November 2005 wächst jetzt die Angst vor einer ähnlichen Eskalation.
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