Kirche und Religion erfahren "Rückenwind" in den Medien

Wann kommt der katholische Fernsehsender?

Kirche hat Konjunktur in den Medien, nicht erst seitdem "wir" Papst sind. Was vor 20 Jahren mit Pfarrer-Serien begann, gipfelt heute manchmal in einem Glaubensbekenntnis via TV. Welche Chancen, aber auch Risiken "Kirche auf der Showbühne" erwarten, versuchten am Montagabend in Berlin Medienexperten am Rande der Internationalen Funkausstellung zu ergründen. Auch die anstehende Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz für oder gegen einen katholischen TV-Kanal kam bei dem Symposium zur Sprache.

Autor/in:
Gregor Krumpholz
 (DR)

Noch vor zehn Jahren wäre kaum möglich gewesen, was Prominente heute in Talk-Shows über ihr Verhältnis zur Religion verraten:
Bundesminister Horst Seehofer (CSU) berichtet von stillen Tagen im Kloster, Schlagerkomponist und Superstar-Fahnder Dieter Bohlen verblüfft mit seinen Glauben an den "lieben Gott", Comedian Hape Kerkeling präsentiert sich als Sinnsucher auf dem Jakobsweg.

Solche Bekenntnisse könnten die Einstellungen eines Millionen-Publikums prägen, meinte Ulrich Fischer. Von Religion hören die meisten Deutschen zumeist nur noch en passant am Fernsehen, so der ZDF-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz.

"Hauptprogramm erreicht"
"Die Religion hat das Hauptprogramm erreicht", konstatierte Fernsehkritikerin Klaudia Wick. Die Gründe scheinen vielfältig:
deutscher Papst und Weltjugendtag, Wertedebatte und die Herausforderung des Islam, vermutet Wick. Allgemein ist auch die Bereitschaft gestiegen, intime Fragen zu stellen - und darauf zu antworten. Zudem sucht das Fernseh-Publikum wieder mehr verbindliche Autoritäten, wie der Medienwissenschaftler Jürgen Grimm unter Hinweis auf die Gerichts-Shows feststellt.

Zugleich betonte Grimm, dass Verkündigung mit Anspruch auf absolute Wahrheit für das Medium Fernsehen weiter problematisch bleibt. Trotz des jüngsten "Rückenwinds" in den Medien dürften sich die Kirchen in den Medien dem Dialog mit anderen Weltanschauungen nicht verweigern, forderte der Medienwissenschaftler. Dies gälte selbst für einen katholischen TV-Sender, soll er nicht denselben Niedergang erleben wie die Parteipresse.

Der katholische Medienbischof Gebhard Fürst ist sich des "Spagats" bewusst, den die deutschen Bischöfe im Falle einer Entscheidung für den Spartenkanal wagen. Es wäre der Versuch, ein neues Angebot zu etablieren, "ohne die öffentlich-rechtlichen Anstalten zu vergrätzen", brachte es der Bischof von Rottenburg-Stuttgart auf den Punkt. "Wir wollen nicht um jeden Preis auf die Showbühne", unterstrich er zugleich.

Der langjährige Präsident des Päpstlichen Medienrates, Erzbischof John P. Foley, mahnte die Medien zugleich, nur authentischen Repräsentanten der Kirche ein Forum zu bieten. Als Beispiel nannte er die verstorbene Mutter Teresa von Kalkutta. Ähnlich sieht es der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky: Die Medien könnten noch "viele ungehobene Schätze christlicher Spiritualität entdecken".