DOMRADIO.DE: Sie haben gerade an einer Podiumsdiskussion des Katholikentags über Synodalität in der Weltkirche teilgenommen. Wie haben Sie die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema erlebt?
Kardinal Mario Grech (Generalsekretär der Bischofssynode): Ich glaube nicht, dass es verschiedene Sichtweisen gibt. Wir denken über Synodalität nach und die Tatsache, dass Personen Fragen stellen, ist sehr hilfreich. Offensichtlich haben die Menschen in Deutschland einige Fragen. Die Menschen in Afrika haben andere Fragen. Aber das ist das Schöne an der Kirche, denn wenn wir allen zuhören, können wir besser verstehen, wie Synodalität zu übersetzen ist.
DOMRADIO.DE: Das Projekt der Weltsynode begann mit Papst Franziskus. Jetzt haben wir einen neuen Papst. Sie arbeiten eng mit ihm zusammen. Hat er einen neuen Fokus?
Grech: Ich bin überzeugt, dass es eine Kontinuität gibt zwischen Papst Franziskus und Papst Leo. Papst Leo, der ja bereits bei der ersten Sitzungsphase als Teilnehmer dabei war, ist auch davon überzeugt, dass die Kirche diesen synodalen Wandel braucht. Schließlich war das kein Projekt von Papst Franziskus, sondern das Thema haben wir vom Zweiten Vatikanischen Konzil erhalten. Wenn wir heute über die zentrale Bedeutung des Volkes Gottes nachdenken, dann ist das die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es erstaunt mich wirklich, dass wir über Synodalität sprechen und die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht kennen.
DOMRADIO.DE: Jetzt bereiten Sie sich auf das Nachtreffen zur Weltsynode im Jahr 2028 vor. Sie sagten, Sie stünden davor, ein Dokument dazu zu veröffentlichen. Was genau muss bis dahin passieren? Was erwarten Sie von den Synodalen, wenn sie in zwei Jahren in den Vatikan zurückkehren?
Grech: Wir versuchen, die Ortskirchen und Bischofskonferenzen dabei zu begleiten, die Ergebnisse des Abschlussdokuments der Synode umzusetzen. Und dann kommen wir zusammen, um unsere Erfahrungen auszutauschen und uns gegenseitig zuzuhören. Ich bin mir sicher, dass einige Fragen aufkommen werden.
Wenn wir uns im Jahr 2028 treffen, wird das hoffentlich eine Lernkurve für die Kirche sein – und sie wird nicht 2028 enden. Denn diese Synode ist anders als bisherige. In der Vergangenheit ging es bei den Synoden um ein bestimmtes pastorales Thema, zum Beispiel Familie oder Jugend. Hier geht es um eine grundsätzliche Reflexion über die Kirche und ihre Mission. Es ist also ein fortlaufender Prozess.
Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.