Bonifatiuswerk verbindet Udo Lindenbergs Kunst mit den Zehn Geboten

"Eine Gitarre bringt mehr als eine Knarre"

Monsignore Georg Austen nennt Udo Lindenberg einen "Freigeist", der sich für Frieden, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzt. Zum 80. Geburtstag schenkt das Bonifatiuswerk ihm ein Motiv zur "Baustelle Leben".

Autor/in:
Ina Rottscheidt
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen und der Musiker Udo Lindenberg. / © Hartmut Salzmann (Bonifatiuswerk)
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen und der Musiker Udo Lindenberg. / © Hartmut Salzmann ( Bonifatiuswerk )

DOMRADIO.DE: Woher kennen Sie Udo Lindenberg?

Monsignore Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerks): Ich habe ihn damals über den Weltjugendtag kennengelernt. Dann haben wir die Bilder zu Udo's Zehn Geboten in der St. Joseph Kirche auf dem Kiez in Hamburg gesehen, wo wir eine Reihe Projekte unterstützen. Die Bilder sind angelehnt an die biblischen Gebote. 

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen und Panikrocker Udo Lindenberg freuen sich über 20.000 Euro für soziale Projekte in Thüringen sowie Bangladesch. / © privat
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen und Panikrocker Udo Lindenberg freuen sich über 20.000 Euro für soziale Projekte in Thüringen sowie Bangladesch. / © privat

Wir hatten vorher schon einige Begegnungen, aber da habe ich gesagt, das könnte doch eine gute Inspiration für uns sein, sich auf eine zeitgemäße Weise, in seiner Art, mit den biblischen Zehn Geboten auseinanderzusetzen. So haben wir das begonnen. 

Wir hatten inzwischen drei große Ausstellungen in Paderborn, Münster und Erfurt. Über 140.000 Menschen haben die Ausstellungen besucht und sich über diesen Weg auch mit diesen Geboten auseinandergesetzt.

DOMRADIO.DE: Wie ist der Kontakt zwischen Udo Lindenberg und dem Bonifatiuswerk? Ist Udo Lindenberg gläubig?

Austen: Udo Lindenberg ist ein Freigeist. Ich glaube, das ist das Wichtige bei ihm. Er steht in seiner Biografie und seiner Haltung für Freiheit, Menschenrechte und für, wie er immer sagt, den kleinen blauen Planeten. Das finde ich positiv, und in diesen Themen haben wir Schnittmengen. 

Udo ist nicht jemand, der sich in eine Konfession einbindet und auf diese Art und Weise Zugänge zu den Menschen sucht. Im Bonifatiuswerk denken wir, dass es wichtig und wertvoll ist, mit Andersdenkenden und Andersglaubenden ins Gespräch zu kommen. Es geht von Demokratie über das, was uns verbindet, bis hin zur Frage nach Gott.

Wenn man in manche Lieder hineinhört, merkt man, dass diese Dimension da ist. Das sieht man beispielsweise bei den Versen: "Hinterm Horizont geht's weiter" oder "Verschwindest du in der Nebelwand; Und ein anderer nimmt dich an die Hand". Was uns auch verbindet, ist das Engagement in sozial-karitativen Projekten, die wir gemeinsam unterstützt haben. 

Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen (l.), und die Post von Udo Lindenberg / © Theresa Meier (Bonifatiuswerk)
Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen (l.), und die Post von Udo Lindenberg / © Theresa Meier ( Bonifatiuswerk )

Er hat für uns sogar einen Udo-gemäßen Nikolaus gemalt, bei dem der Bischofsstab eine Gitarre ist. Das finde ich bereichernd, miteinander über diese Fragen ins Gespräch zu kommen, aber auch über die Kunst zu sehen, wie unsere Welt aussieht und was wir gemeinsam tun können, um Menschenrechte nach vorne zu stellen. Wo können wir aus den Angeboten Gottes etwas für die Welt lernen?

Georg Austen

Wie können wir dafür Sorge tragen, dass in all der Unsicherheit, in all den Katastrophen eine Gitarre mehr bringt als eine Knarre in der Hand?

DOMRADIO.DE: Haben Sie als Bonifatiuswerk ein Geschenk für ihn zum 80. Geburtstag?

Austen: Wir haben das diesjährige Bild und Motiv unserer Firmaktion genommen. Da geht es um die Baustelle Leben. Es ist ein gespraytes Bild von Mika Springwald, auf dem ein Bauarbeiter und ein Verkehrsschild zu sehen ist, mit einer Friedenstaube. Das ist kein geschöntes Bild, sondern ein Mensch, der anpackt, der Dreck an den Fingern, aber das Herz am rechten Fleck hat.

Motiv der Firmaktion 2026 des Bonifatiuswerkes / © Mika Springwald (Bonifatiuswerk)
Motiv der Firmaktion 2026 des Bonifatiuswerkes / © Mika Springwald ( Bonifatiuswerk )

Die Baustelle Leben, um die es bei jungen Menschen geht, um die geht es auch für Udo Lindenberg. Es geht darum, diese Welt als Baustelle zu sehen. Wir können uns fragen, wie wir im Zeichen der Friedenstaube dafür Sorge tragen, dass in all der Unsicherheit, in all den Katastrophen, eine Gitarre mehr bringt als eine Knarre in der Hand.

Das ist ihm wichtig, ein Song kann Menschen aufrütteln und berühren, sodass es gut weitergeht. im Sinne von Friedenschaffen. Es geht aber auch um die Bewahrung der Schöpfung und der Menschenrechte. Das verbindet uns. Auch, zu sehen, wie wir Menschen in ihrer Würde achten und das weitergeben können. Das ist das, was ihm ein Anliegen ist, auch uns im Respekt voreinander. 

Das schenken wir ihm, und wir wünschen ihm einen tollen Geburtstag. Er sagt immer, wir müssen noch so manches tolle Ding drehen. Da sind wir gespannt. Auf der anderen Seite kann man bei Udo Lindenberg sehen, dass er alt wird, aber im Geist wird er nicht älter. Da ist er sehr frisch.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie ihm zum Geburtstag?

Austen: Ich wünsche ihm noch weiterhin viel Energie. Ich wünsche ihm, dass seine Kreativität weiter wächst.  Er soll aber auch gucken, wo seine Grenzen liegen. Vor allen Dingen wünsche ich ihm Gottes Segen, auch für das, was er tut. Denn er ist für viele Menschen in gewisser Weise ein lebendes Idol. Er hat ihnen etwas zu sagen und da zu gucken, was ist das Wertvolle für die Entwicklung der Welt und auch für unsere Gesellschaft.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken

Das 1849 gegründete Bonifatiuswerk ist das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität. Es unterstützt katholische Christinnen und Christen dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation, in der Diaspora, ihren Glauben leben. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert es jährlich mehr als 1000 Projekte in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.

Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken (KNA)
Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken ( KNA )
Quelle:
DR

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