Noam Bettan (28), israelischer Sänger, Songwriter und Teilnehmer beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC), betet nach eigenen Worten vor seinen Auftritten.
"Ich spreche das 'Schma Israel' und bitte Gott, mich zu leiten und mir gute Absichten zu schicken", sagte Bettan der "Welt". Er versuche, positive Energie auch seinen Tänzern zu schicken: "Man muss die Balance finden: innerlich ganz ruhig, aber nach außen voller Power."
Um einen Sieg in dem Musikwettbewerb gehe es dabei nicht, betonte Bettan, der sich am Dienstag für sein Land qualifiziert hatte. "Ich vertraue dem Prozess. Ich bete: 'Gott, lass das geschehen, was das Beste für mich ist.' Ich will diese Erfahrung einfach nur als etwas Wundervolles in Erinnerung behalten."
Kritik an Israels ESC-Teilnahme hält an
Die Teilnahme Israels am ESC in Wien wird derweil auch kontrovers gesehen. Der Auftritt Bettans beim ESC-Halbfinale war durch Pfiffe und Sprechchöre mit pro-palästinensischen Parolen gestört worden. Fünf Staaten, darunter Irland, nehmen nicht mit einem eigenen Gesangsbeitrag am ESC teil.
Hintergrund sind Vorwürfe gegen Israel wegen des Gaza-Krieges als Folge des Angriffs der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Für das Vorgehen der am Boykott beteiligten Länder und Sendeanstalten gibt es Zustimmung, aber auch Kritik. Für den Finaltag am Samstag haben pro-palästinensische Aktivisten eine Demonstration mit rund 3.000 Teilnehmern angekündigt.
Bettan hofft auf friedliche Zukunft
Simulierte Buhrufe seines Teams habe er zu Beginn einer Probe gehört, sagte Bettan weiter. "Aber nach einer Sekunde war da nur noch eine Welle aus Liebe und Unterstützung." Er habe "die Flaggen meines Landes gesehen und hatte das Gefühl, in diesem Moment für mein Volk zu singen. Aber eigentlich singe ich für jeden, der diese Liebe annehmen will. Ich möchte Menschen vereinen."
Der Musiker äußerte zudem die Hoffnung, "dass nächstes Jahr wieder alle Länder mit dabei sind, gemeinsam singen und einfach gut zueinander sind".