Bischof kritisiert vor Karlspreis Politiker wie Trump und Putin

Klares Wertefundament unverzichtbar

Gute Macher, schlechte Macher. Vor der Verleihung des Karlspreises kritisiert der Aachener Bischof die Staatschefs Russlands, Chinas und der USA. Der neue Preisträger Mario Draghi stehe dagegen für europäische und christliche Werte.

Helmut Dieser, Bischof von Aachen / © Harald Oppitz (KNA)
Helmut Dieser, Bischof von Aachen / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat die Europäer aufgefordert, stärker für ihre Werte einzustehen. "Europa muss wissen, wohin es will", sagte Dieser am Donnerstag kurz vor der Verleihung des diesjährigen Karlspreises in einem Gottesdienst im Aachener Dom. "Europa hat keinen Mangel an Werten, aber an Entschiedenheit für seine Werte und deshalb an Tempo und Konsequenz." Es brauche "politische Macher", die Europa auf Basis der Werte des Evangeliums weltweit handlungs-, verteidigungs- und dialogfähig machen, erklärte Dieser laut Redetext. Als zentrale Werte nannte er die Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Friedfertigkeit.

Ohne Namen zu nennen, kritisierte der Aachener Bischof indirekt die Staatschefs in Russland, China und den USA. Er verwies auf den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen die Ukraine, eine aggressive Politik und Überwachung und Gängelung der chinesischen Bevölkerung unter Staatschef Xi Jinping und das Gebaren von US-Präsident Donald Trump, der "bis zum Überdruss der Erste und Größte der ihm noch Geneigten" sein wolle: Er gebärde sich "zum unstetigsten und chaotischsten aller drei und reißt die gesamte westliche Reputation von Völkerrecht, regelbasiertem Handeln und multilateraler Verständigung und Friedensfähigkeit mit seinem eigenen Ansehen hinab in den Abgrund seiner eigenen Eitelkeiten und Unverschämtheiten."

Den Euro gerettet und das europäische Projekt vorangebracht

Dagegen würdigte Dieser den diesjährigen Karlspreisträger Mario Draghi als Mahner, Vordenker und Macher für Europa, der um die Grenzen seiner Macht wisse. Der frühere italienische Ministerpräsident und Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) habe den Euro gerettet und damit "das gesamte europäische Projekt" wieder flottgemacht und vorwärtsgebracht. Mit seinem sogenannten Draghi-Report von 2024 stehe er "auch für die nächste schicksalhafte Ertüchtigung und kräftige Vorwärtsbewegung Europas ein, die wiederum mit und gegen den Wind aus Russland, aus China, auch aus Amerika unbedingt vorangebracht werden muss".

Im Anschluss an den Gottesdienst sollte Draghi mit dem renommierten Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet werden. Er erhält den Preis vor allem für seine Stabilisierung des Euro in der Finanzkrise 2012.

Internationaler Karlspreis

Der alljährlich in Aachen verliehene Internationale Karlspreis zählt zu den bedeutendsten europäischen Ehrungen. Der Preis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Namensgeber ist Kaiser Karl der Große (742-814). Er gilt als erster Einiger Europas und wählte Ende des achten Jahrhunderts Aachen zu seiner Lieblingspfalz.

Karlspreismedaille / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Karlspreismedaille / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
epd