Wohnst du noch, oder lebst du schon? Der berühmte Slogan eines großen schwedischen Möbelhauses ist sicher vielen ein Begriff. Und er deutet an: Wohnen und Leben gehören zusammen. Wer irgendwo leben möchte, braucht dafür einen Ort, an dem er wohnen kann.
Um das Wohnen geht es auch in der Bibel immer wieder. "Wo wohnst du?", fragen die ersten Jünger im Johannesevangelium Jesus, weil sie bei ihm sein wollen. Wo er wohnt, dort wollen auch sie wohnen, dort wollen sie bleiben, um ihm ganz nahe zu sein.
Und doch betont Jesus im Evangelium, dass er in dieser Welt keinen rechten Ort hat, um sich länger aufzuhalten. "Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann", sagt er (Mt 8,20).
Sehnsucht nach einem Ort der Gottesbegegnung
Deutlich wird die Sehnsucht der Menschen, wo Gott wohnt, wo man ihm mit Sicherheit begegnen kann. Das prägt schon das Alte Testament: Der Jerusalemer Tempel wird zum Ort, den Gott auserwählt hat, um dort seinen Namen wohnen zu lassen. Und in der Bundeslade, so glauben die Israeliten, ist Gott ihnen auf ihrem Zug durch die Wüste besonders nahe.
Wo wohnt Gott? Wo können wir ihn finden? Solche Fragen stellen sich besonders am Fest Christi Himmelfahrt. Denn dort wird sehr deutlich, dass die Wohnung des Auferstandenen eben nicht hier auf Erden ist. Er ist erhöht "zur Rechten des Vaters", wo er auf ewig herrscht. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er Eingang gefunden in Gottes Herrlichkeit.
Nicht mehr als ein Fußabdruck
Die Lesung, die an Christi Himmelfahrt aus der Apostelgeschichte zu hören ist, stellt das bildhaft vor Augen: Die Jünger schauen ihm noch nach, wie er in den Himmel erhoben wird. Und plötzlich ist er ihren Blicken entschwunden. Nichts ist mehr da von ihm in dieser Welt. Nur einen Fußabdruck hat er hinterlassen, heißt es. Dieser findet sich in einer kleinen Moschee auf dem Jerusalemer Ölberg, dort, wo Christus in den Himmel aufgefahren ist.
Früher hat man das Fest Christi Himmelfahrt in der Liturgie regelrecht inszeniert: Eine Figur des Auferstandenen wurde auf den Dachboden der Kirche gezogen, die Osterkerze gelöscht. Man wollte damit deutlich machen: Der Ort des auferstandenen Christus ist nicht in dieser Welt. Hier ist er nicht mehr zu finden. Wir können ihn noch so lange suchen - hier ist kein Ort mehr, an dem er lebt.
Kraftvolle Zusage
Doch diese Inszenierungen widersprechen dem, was uns Christus selbst mit auf den Weg gibt: "Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20). Das sind die letzten Worte, die er den Menschen sagt. Kein Wort in Richtung: "Ich bin jetzt für immer weg" oder: "Ich habe keinen Wohnort mehr auf Erden". Stattdessen die Zusage, immer bei uns zu bleiben, unseren Lebensweg zu teilen – bis zum Ende dieser Welt.
Das Fest Christi Himmelfahrt sagt uns: Wir können Christus, den auferstandenen Herrn, nicht festhalten. Nicht in einer Holzfigur, nicht in der Osterkerze und auch nicht an einem festen Ort. Das misslingt schon den Jüngern damals, als sie zusehen müssen, wie er in den Himmel auffährt.
Ein Fest der Verwandlung
Aber wir haben die feste Zusage, dass Christus trotzdem an unserer Seite ist. Dass er bei uns bleibt und unsere Lebenswege mitgeht. Dort, wo wir ihn oft nicht vermuten, da können wir ihn entdecken. Seine Gegenwart offenbart sich immer wieder auf überraschende Art und Weise.
Deswegen ist Christi Himmelfahrt kein Fest des Abschieds, sondern ein Fest der Verwandlung. Aus dem Christus, der mit den Jüngern predigend durch Galiläa gezogen ist, wird der Christus, der erhöht zur Rechten des Vaters überall in dieser Welt zugegen ist.
Mit Christi Himmelfahrt wird im Matthäusevangelium eingelöst, was am Anfang verheißen wird: "Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns" (Mt 1,23).
Christus ist der Gott, der mit uns ist und bei uns bleibt und uns bei jedem Atemzug nahe ist. Er lebt in unserer Welt an den Orten, an denen Menschen zusammenkommen. Dort können wir seine Nähe auch heute immer wieder entdecken.