Dass Jesus seine Jünger nach Kreuzestod und Auferstehung ein zweites Mal zurücklässt und zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrt, davon hören wir sowohl beim Evangelisten Lukas als auch in der Apostelgeschichte.
Unter dem Titel "Die Entrückung Jesu in den Himmel" heißt es im letzten Kapitel des Lukasevangeliums: "Und es geschah, während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben." Unterdessen ist gleich zu Beginn der Apostelgeschichte von einer Wolke die Rede, die Jesus aufnimmt und ihren Blicken entzieht. Dies geschieht 40 Tage, nachdem die Frauen um Maria Magdalena und die Jünger Jesu Grab leer vorfinden und dem Auferstandenen zum ersten Mal begegnen.
Im Grab, so der biblische Bericht, liegt kein Leichnam mehr, kein toter Körper. Auch als Jesus in den Himmel emporgehoben wird, lässt er sozusagen keine sterblichen Überreste auf der Erde zurück. "Jesus ist nicht tot. Und die Entrückung, das Emporheben haben nichts mit dem Tod zu tun", erklärt Miriam Pawlak, Bibelreferentin im Erzbistum Köln. "Das lässt Spielraum für seine Wiederkehr auf die Erde."
"Jesus ist mit Haut und Haaren aufgefahren"
Die Hoffnung auf diese Wiederkehr, so die Theologin, spiegele sich schließlich auch in den Liturgieworten "bis du kommst in Herrlichkeit". Genauso wie das leere Grab an Ostern auf die leibliche Auferstehung verweise, so sei auch die Aufnahme in den Himmel leiblich. "Und so dürfen wir uns letztlich die Wiederkunft Christi auch als eine leibliche vorstellen." Man könne also schon sagen, dass "Jesus mit Haut und Haaren aufgefahren" sei.
Für die deutsch-schweizer Dogmatik-Professorin Elke Pahud de Mortanges ist es dabei nicht einmal bedeutsam, ob es wirklich keine sterblichen Überreste Jesu gegeben hat. "Selbst wenn das Grab nicht leer gewesen wäre, würde das aus meiner Sicht theologisch nicht bedeuten, dass so etwas wie leibliche Auferstehung widerlegt wäre."
Allein dadurch, dass Jesus das leibhaftige Leben mit den Menschen geteilt habe, ihr Werden und Vergehen, habe er auch das leibhaftige Dasein seines geschundenen Körpers mit zu Gott genommen. Dadurch habe er einerseits auch "Gottes Sein infiziert", andererseits sei "seine Geschichte und darin enthalten die Leiblichkeit verklärt und aufgehoben in Gottes ewigem Jetzt und Immer".
Auferstehung, so die Theologin weiter, bedeute gerade nicht, auf die "Reset-Taste zu drücken und wieder einzutauchen in Raum und Zeit, in den Zyklus des Werdens und des Vergehens". Ganz im Gegenteil sei Jesus "dem Kreislauf von Tod und Verwesung entrissen" und damit in die "himmlische Sphäre gerückt", aus der er komme. Genau diese Unterbrechung des Kreislaufes drücke sich im Begriff des Entrücktseins aus, erklärt Pahud de Mortanges weiter.
Passiv-Konstruktionen in den Bibelstellen
Miriam Pawlak verweist zudem auf die Passiv-Konstruktionen in den Bibelstellen zu Jesu Entrückung. Jesus schwebe da nicht etwa aktiv in die Höhe, sondern werde von Gott emporgehoben. Den deutschen Begriff "Himmelfahrt" findet sie deshalb nicht ganz treffend, suggeriere er doch eine aktive Handlung.
"The story goes on", sagt die Neutestamentlerin, sei für sie der eigentliche Kern von Christi Himmelfahrt. Konkret meint sie damit den Auftrag Jesu an seine Jünger, sein Werk fortzuführen, zu taufen und zu lehren "im Bewusstsein seines Beistandes, der nichts anderes meint als den heiligen Geist." Die Welt sei nicht alles, der Blick in den Himmel öffne uns für mehr Weite. "In diesem Sinne ist Himmelfahrt eine Grenzüberschreitung, die aber durch Jesus Sinn macht, weil er Himmel und Erde verbunden hat."
Elke Pahud de Mortanges hält es derweil mit dem Kirchenlehrer Thomas von Aquin, der in der Himmelfahrt erst die Vollendung der Menschwerdung Jesu sah. "Weil nämlich die Menschheit zurückkommt zu Gott, wo sie ihren Ursprung hat, damit aber nicht nur der Mensch in Gott verklärt wird, sondern Gott durch die Verklärung des Menschen seinerseits auch noch einmal verklärt wird."
Die Verheißung der letztendlichen Heimkehr aller Menschen zu Gott mache das Fest Christi Himmelfahrt damit zu einem der schönsten überhaupt, findet sie.