Kretschmann, Özdemir und Hagel besuchen Gottesdienst für neuen Landtag

Aufruf zu Mut und Demut

Am Mittwoch soll Cem Özdemir zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Zuvor kamen die Abgeordneten des neuen Landtags zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammen. Dabei gab es deutliche Kritik an Fake News sowie an Trump und Putin.

Stuttgart: Winfried Kretschmann (v.l. Bündnis 90/Die Grünen), scheidender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, (Bündnis 90/Die Grünen), designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Manuel Hagel, designierter stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, stehen bei einem ökumenischen Gottesdienst in der ersten Reihe / © Bernd Weißbrod (dpa)
Stuttgart: Winfried Kretschmann (v.l. Bündnis 90/Die Grünen), scheidender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, (Bündnis 90/Die Grünen), designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Manuel Hagel, designierter stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, stehen bei einem ökumenischen Gottesdienst in der ersten Reihe / © Bernd Weißbrod ( dpa )

In der Domkirche Sankt Eberhard in Stuttgart standen am Dienstagmorgen der scheidende Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, sein designierter Nachfolger Cem Özdemir (beide Grüne) und der designierte Vize-Ministerpräsident und künftige Innenminister Manuel Hagel (CDU) in der ersten Bankreihe einträchtig nebeneinander.

Andreas Schwarz (v.l), Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, (Bündnis 90/Die Grünen), designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Manuel Hagel, designierter stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Tobias Vogt, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, stehen bei einem ökumenischen Gottesdienst in der ersten Reihe / © Bernd Weißbrod (dpa)
Andreas Schwarz (v.l), Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, (Bündnis 90/Die Grünen), designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Manuel Hagel, designierter stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Tobias Vogt, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, stehen bei einem ökumenischen Gottesdienst in der ersten Reihe / © Bernd Weißbrod ( dpa )

Der ökumenische Gottesdienst unmittelbar vor der Konstituierung des neugewählten Landtags von Baden-Württemberg wurde vom Rottenburger Bischof Klaus Krämer und der badischen Landesbischöfin Heike Springhart geleitet.

"Despoten in Washington und Moskau"

In ihrer Predigt rief Springhart die künftige Landesregierung und die versammelten Landtagsabgeordneten dazu auf, "zukunftsorientierte Politik" zu machen – "ohne Illusionen, aber mit Hoffnung, ohne Machbarkeitswahn, aber mit Verantwortung".

Heike Springhart, Landesbischoefin der Evangelischen Kirche in Baden / © Heike Lyding (epd)
Heike Springhart, Landesbischoefin der Evangelischen Kirche in Baden / © Heike Lyding ( epd )

Dies sei allerdings nicht einfach in einer Zeit, die von Rissen und Verwerfungen geprägt sei. "Wem zu trauen ist und wer mit Fake News falsche Hoffnungen schürt – diese Herausforderung ist keine Erfindung von Künstlicher Intelligenz oder despotischen Präsidenten in Washington und Moskau", sagte Springhart. Diese Problematik hätten schon die Menschen aus dem Alten Testament der Bibel gekannt, sagte sie.

Mut und Demut gehören zusammen

Christen dürften sich den "kritischen Stachel" gegenüber politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen nicht nehmen lassen, aber auch keine "ideologisch ausgeprägten Rechthaber" sein, sagte Springhart. Die Bischöfin wünschte den Politikern "Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen". Der neue Landtag solle den Blick dafür haben, dass Mut und Demut zusammengehörten, ebenso wie lautstarkes Debattieren und nachdenkliches Reden.

Auch Bischof Krämer mahnte zu weitsichtigem politischen Handeln. Das sei gerade in einer Zeit großer Herausforderungen nötig, in der sich viele Menschen Sorgen machten.

Klaus Krämer, Bischof von Rottenburg-Stuttgart. / © Daniela Reske (KNA)
Klaus Krämer, Bischof von Rottenburg-Stuttgart. / © Daniela Reske ( KNA )

Die Domkirche Sankt Eberhard liegt direkt neben dem "Haus der katholischen Kirche", in dem Grüne und CDU nach der Landtagswahl vom 8. März ihre Sondierungsgespräche begannen und am Montag den Koalitionsvertrag unterzeichneten. Nach dem ökumenischen Gottesdienst traf sich der 18. Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung im Plenum des Parlaments.

Özdemir am Mittwoch Ministerpräsident

Cem Özdemir (60), Spitzenkandidat der Grünen und ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister, soll am Mittwoch um 11.00 Uhr im Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt und vereidigt werden. Özdemir wird dann Nachfolger von Winfried Kretschmann (77) sein, der 15 Jahre lang als erster und bislang einziger grüner Regierungschef eines Bundeslandes amtierte.

Bistum Rottenburg-Stuttgart

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist mit rund 1,53 Millionen Katholiken Deutschlands drittgrößtes Bistum. Es umfasst Württemberg. Während das früher zum Habsburgerreich zählende Oberschwaben bis heute katholisch geprägt ist, ist in und um Stuttgart traditionell der Protestantismus stark.

Diözese Rottenburg-Stuttgart (dpa)
Diözese Rottenburg-Stuttgart / ( dpa )
Quelle:
KNA