Hamburger Kiezseelsorger würdigt Udo Lindenberg zum 80. Geburtstag

"Gleich nach dem Werbespot – der Liebe Gott"

Der selbsternannte Panikrocker Udo Lindenberg wird am Sonntag 80 Jahre alt. Für den Hamburger Kiezseelsorger Pfarrer Karl Schultz ist die Rocklegende ein empathischer Gesprächspartner und nächtlicher Weggefährte auf der Reeperbahn.

Autor/in:
Carsten Döpp
Udo Lindenberg / © Daniel Bockwoldt (dpa)
Udo Lindenberg / © Daniel Bockwoldt ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie ist Ihre Verbindung zu Udo Lindenberg zustande gekommen?

Karl Schultz (Pfarrer und Kiezseelsorger in Hamburg): Am Anfang war das Kennenlernen einseitig. Ich kenne Udo seit meiner frühesten Jugend. Ich bin im Osten, in Mecklenburg, sozialisiert und mit seinen Liedern aufgewachsen. Uns hat immer bewegt, dass Udo, anders als die Sonntagsreden vieler Politiker, wirklich eine Empathie für den Osten hatte.

Karl Schultz

"Explosiv, sensibel, einsam, ein bisschen größenwahnsinnig, sehr amüsant und genial."

DOMRADIO.DE: Udo Lindenberg ist bekannt für seine Haltung, seine Texte, seine Musik gegen Krieg und soziale Ungerechtigkeit. Welche Bedeutung haben seine Lieder für Sie?

Schultz: Er ist ein großer deutscher Poet. Explosiv, sensibel, einsam, ein bisschen größenwahnsinnig, sehr amüsant und genial. Seine Liedtexte habe ich immer wie Gedichte gelesen. Genauso seine Bilder betrachtet. Er ist nicht nur ein malender Sänger, sondern auch ein singender Maler. 

Udo Lindenberg steht in seiner Ausstellung "Zwischentöne" in Leipzig 2020  / © Hendrik Schmidt (dpa)
Udo Lindenberg steht in seiner Ausstellung "Zwischentöne" in Leipzig 2020 / © Hendrik Schmidt ( dpa )

Seine Texte und Bilder bewegen sich immer sprachlich und inhaltlich am realen Irrsinn des Lebens. Ich glaube, deshalb finden sich so viele Fans darin wieder. Die fühlen sich angesprochen und durch seine Texte und Bilder berührt. Und so geht mir das natürlich auch.

DOMRADIO.DE: Wie ist das, wenn Sie und Udo Lindenberg zusammen über die Reeperbahn laufen? 

Schultz: Ich laufe täglich über die Reeperbahn. Natürlich bin ich auch schon mit Udo über die Reeperbahn gelaufen. Dann kommen wir aber nicht weit, weil wir ständig angesprochen werden. Es ist so, dass sich dann Schlangen bilden und jeder ein Bild und ein Autogramm haben will. 

Udo Lindenberg / © Axel Heimken (dpa)
Udo Lindenberg / © Axel Heimken ( dpa )

Während der Pandemie waren wir oft nachts unterwegs, da waren wir dann auch ungestört. Das Besondere an diesen Spaziergängen war, dass Udo viel über die 80er- und 90er-Jahre gesprochen hat, als er noch lebendiges Inventar auf dem Kiez war.

Karl Schultz

"Immer wieder sprechen wir auch über den Mut sich zu finden und zu sich zu stehen - sein Ding zu machen."

DOMRADIO.DE: Sprechen Sie dann auch über Religion und Glauben?

Schultz: Wir reden nicht direkt über Religion und Glauben, sondern mehr über die Themen des Lebens: über Scheitern und Gelingen, über Abgründe und Neuanfänge, über das Drama der Liebe und über den Tod und Abschied. 

Immer wieder sprechen wir auch über den Mut, sich zu finden und zu sich zu stehen – sein Ding zu machen. Da berührt Udo viele religiöse Themen, ohne dass er religiöses Vokabular benutzt. 

Udo Lindenberg: Interview mit Gott (Song)

"Gleich nach dem Werbespot - der liebe Gott! Seine Herrlichkeit, zur besten Sendezeit. Einschaltquote: einhundert Prozent."

Deshalb würde ich Udo immer als Freigeist bezeichnen und ihn nicht als jemanden beschreiben, der kirchliche Themen bearbeitet. Obwohl er in seinen Liedern oft dicht dran ist. Zum Beispiel in dem Lied "Interview mit Gott", das finde ich schon sehr bezeichnend. Da singt er: "Gleich nach dem Werbeblock mache ich das Interview mit Gott. Gleich nach dem Werbespot – der liebe Gott! Seine Herrlichkeit zur besten Sendezeit, Einschaltquote einhundert Prozent".

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie Udo zum 80. Geburtstag? 

Schultz: Ich wünsche ihm das, was er selber besingt: "Ich mach mein Ding." Dass er immer wieder zu sich selbst findet und für sich realisiert, dass 80 nur eine Zahl ist. Ich wünsche ihm, dass er seine Empathie behält. Denn das ist eigentlich das Bedeutende. 

Egal, ob er auf der Bühne steht, ob er in der Öffentlichkeit steht oder ob man ihn ganz privat erlebt: Er ist locker und empathisch. Ich wünsche ihm, dass er sich das bewahren kann.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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