Koalitionsvertrag im Südwesten betont Unterstützung für Kirchen

"Dialog zwischen Religionen ist uns wichtig"

"Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten". Damit ist der Koalitionsvertrag von Grünen und CDU in Baden-Württemberg überschrieben. Die Kirchen sollen bei Seelsorge, sozialem und gesellschaftlichem Einsatz unterstützt werden.

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) verlässt in einer Pause der Sondierungsgespräche das Haus der Katholischen Kirche / © Bernd Weißbrod (dpa)
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) verlässt in einer Pause der Sondierungsgespräche das Haus der Katholischen Kirche / © Bernd Weißbrod ( dpa )

In Baden-Württemberg haben Grüne und CDU am Mittwoch zum Abschluss ihrer Koalitionsverhandlungen einen Koalitionsvertrag vorgelegt. In dem mehr als 160 Seiten umfassenden Papier ist auch dem Verhältnis der künftigen Landesregierung zu den Kirchen ein Kapitel gewidmet.

Manuel Hagel (CDU) auf dem Weg zu Sondierungsgesprächen mit den Grünen / © Norbert Demuth (KNA)
Manuel Hagel (CDU) auf dem Weg zu Sondierungsgesprächen mit den Grünen / © Norbert Demuth ( KNA )

"Kirchen und Religionsgemeinschaften unterstützen wir bei ihrem seelsorgerlichen, sozialen und gesellschaftlichen Einsatz", bekräftigen der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und sein künftiger Vize Manuel Hagel (CDU). 

"Dialog zwischen Religionen wichtig"

Weiter heißt es: "Der Dialog zwischen den Religionen ist uns wichtig und die interreligiöse Zusammenarbeit ist ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt." Die Menschen in Baden-Württemberg gehörten "unterschiedlichen Religionen an" und folgten "verschiedenen weltanschaulichen Bekenntnissen". Diese Vielfalt stehe unter dem Schutz der Religions- und Bekenntnisfreiheit.

Jüdische Tradition besser verstehen

Den Schutz jüdischen Lebens verstehen die beiden Koalitionsparteien "als gesamtgesellschaftliche Aufgabe". Im Koalitionsvertrag heißt es: "Wir stärken das Verständnis für jüdische Tradition und Geschichte, fördern den Dialog und den Austausch mit Israel und bauen Anlauf- und Beratungsstellen gegen Antisemitismus aus. Auch an Schulen klären wir gegen Antisemitismus auf." 

Symbolbild: Interreligiöser Dialog / © godongphoto (shutterstock)
Symbolbild: Interreligiöser Dialog / © godongphoto ( shutterstock )

Mit Blick auf den Religionsunterricht heißt es: "Wir unterstützen den bekenntnisgebundenen Religionsunterricht und bauen den islamischen Religionsunterricht weiter aus." Dafür wollen die Koalitionspartner die Zusammenarbeit mit der Stiftung Sunnitischer Schulrat fortsetzen und stärken.

Fach Ethik verstärkt im Blick

Symbolbild Religionsunterricht / © Davizro Photography (shutterstock)
Symbolbild Religionsunterricht / © Davizro Photography ( shutterstock )

"Um schon in der Grundschule auch Kindern, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, eine ethische Grundbildung zu ermöglichen, werden wir das Fach Ethik stufenweise ab 2027/2028 einführen", heißt es weiter. "In diesem Zusammenhang unterstützen wir Modelle für eine intensivere Kooperation des Fachs Ethik mit dem konfessionellen Unterricht, und zwar dort, wo eine solche Kooperation von den Kirchen mitgetragen wird."

"Land vor bisher größter Herausforderung"

Der Titel des bis 2031 geltenden Koalitionsvertrags lautet "Aus Verantwortung fürs Land - Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten". Auf den jeweiligen Parteitagen am Samstag (9. Mai) wird über das Papier beraten und abgestimmt. "Unser Land steht vor der größten Herausforderung seit seiner Gründung", heißt es im ersten Satz des Koalitionsvertrages. "Die Welt um uns herum verändert sich schneller und tiefgreifender, als viele es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hätten." 

Quelle:
KNA