Späterer Papst Leo verteidigte 2006 Benedikts Regensburger Islam-Rede

"Aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat"

Die Regensburger Rede von Benedikt XVI. sorgte 2006 weltweit für Aufregung. Ein falsch gedeutetes Zitat über Mohammed heizte islamisch-christliche Konflikte an. Der heutige Papst Leo XIV. verteidigte Benedikt frühzeitig.

 © Alessandra Tarantino (dpa)
© Alessandra Tarantino ( dpa )

Der heutige Papst Leo XIV. hat die umstrittene Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. von 2006 frühzeitig verteidigt. Das geht aus einem Vortrag in Brünn (Tschechien) hervor, den der damalige Augustiner-Obere Robert Prevost am 25. September 2006, zwei Wochen nach der Papstrede von Regensburg, hielt. Sie ist in einem am Montag veröffentlichten Buch enthalten, das Beiträge des heutigen Papstes aus den Jahren 2001 bis 2013 präsentiert.

In seiner Ansprache sagte Prevost: "Wir alle wissen, was nach der Rede geschah: Wegen eines aus dem Zusammenhang gerissenen Zitats – wir lassen jetzt mal die Frage aus, ob es opportun war oder nicht – wurden Proteste in der islamischen Welt ausgelöst."

Prevost sieht Benedikt missverstanden

Nach der Schilderung dieser Proteste fuhr Prevost mit der Beobachtung fort, dass nur wenige den zentralen Punkt der Rede von Benedikt XVI. begriffen hätten: "Der war, dass der Westen, wenn er nicht mehr zu einer Anschauung von Gott findet, zu keinem fruchtbaren Dialog mit den anderen großen Kulturen der Welt kommen kann, die eine tiefe religiöse Auffassung von der Wirklichkeit haben. Und unter diesen Kulturen ist natürlich auch der Islam. Die gesamte Rede kreist um diese Idee."

Benedikt in Regensburger Audimax / © Markus Nowak (KNA)
Benedikt in Regensburger Audimax / © Markus Nowak ( KNA )
Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 im Regensburger Audimax

An der Regensburger Universität hatte Benedikt XVI. am 12. September 2006 aus einem Streitgespräch aus dem Jahr 1391 zitiert. Damals hatte der byzantinische Kaiser Manuel II. Palaiologos zu einem muslimischen Gelehrten gesagt: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten."

Nach diesem Zitat kam es zu heftigen islamischen Protesten und sogar zu Gewaltausbrüchen in mehreren Ländern. Später hatte Benedikt XVI. mehrfach betont, dass er sich die Fundamentalkritik des Kaisers am Islam nicht zu eigen mache, sondern seine Zuhörer ausschließlich auf den Zusammenhang zwischen Glauben und Vernunft aufmerksam machen wolle.

Joseph Ratzinger Papst em. Benedikt XVI. †

Joseph Ratzinger schrieb Kirchengeschichte, als er am 19. April 2005 vom Konklave zum ersten deutschen Papst seit 500 Jahren gewählt wurde. Zuvor war der frühere Erzbischof von München und Freising gut 22 Jahre lang Präfekt der Glaubenskongregation gewesen. 

Mit seinem Amtsverzicht setzte er am 28. Februar 2013 neue Maßstäbe für die Ausübung des Papstamts in der heutigen Zeit. Danach lebte Benedikt XVI noch zehn Jahre und weitgehend zurückgezogen im ehemaligen Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten. 

Papst Benedikt XVI. am 9. September 2006 in München. / © Markus Nowak (KNA)
Papst Benedikt XVI. am 9. September 2006 in München. / © Markus Nowak ( KNA )
Quelle:
KNA