Bischöfe kritisieren Hürden im Leben von behinderten Menschen

"Menschenrechte sind nicht verhandelbar"

Diskussionen über Kosten, erschwerter Zugang zu Bildung und Arbeit: Wer mit einer Behinderung lebt, dem liegen Steine im Weg. Um darauf aufmerksam zu machen und Veränderungen zu fordern, wird am Dienstag protestiert.

Intersektionalität meint die Überschneidung und das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen, wie beispielsweise Geschlecht, Rasse, Klasse und Behinderung. / © Andrey_Popov (shutterstock)
Intersektionalität meint die Überschneidung und das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen, wie beispielsweise Geschlecht, Rasse, Klasse und Behinderung. / © Andrey_Popov ( shutterstock )

Die deutschen Bischöfe kritisieren nach wie vor bestehende Hindernisse im Leben von Menschen mit Behinderung. "Fehlende Barrierefreiheit, lange Wartezeiten bei Unterstützungsleistungen oder unzureichende Assistenz erschweren den Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlichem Leben", erklärte die katholische Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Bonn. Zugleich gerieten Hilfen zunehmend unter Kostendruck, und Diskussionen über Einsparungen erweckten zu oft den Eindruck, Teilhabeleistungen seien ein verzichtbarer Luxus.

Auch unterstrich die Bischofskonferenz, dass das Recht auf Teilhabe zentraler Grundsatz der UN-Behindertenrechtskonvention sei. Anlass der Kritik ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Dienstag. Dieser macht den Angaben zufolge seit mehr als 30 Jahren auf Benachteiligungen aufmerksam und fordert die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. In diesem Jahr lautet das Leitthema "Menschenrechte sind nicht verhandelbar".

"Unbezahlbarer Wert"

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für inklusive Pastoral, forderte eine "realistische Einordnung" der Ursachen von Kostensteigerungen. Er bezeichnete Vielfalt in der Gesellschaft als "unbezahlbaren Wert". Außerdem appellierte er an jeden Menschen, sich einer Mitverantwortung im eigenen Umfeld bewusst zu sein, weil nicht nur die Politik Verantwortung für Veränderungen trage.

Weihbischof Reinhard Hauke / © Dominik Wolf (KNA)
Weihbischof Reinhard Hauke / © Dominik Wolf ( KNA )

Der Weihbischof warb dafür, den Europäischen Protesttag zu nutzen, um sich zu informieren, an einer Aktion teilzunehmen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. "Auf andere zuzugehen und neue Perspektiven kennenzulernen, ist meiner Erfahrung nach häufig ein wichtiger erster Schritt, um das Gegenüber besser zu verstehen und Prozesse gemeinsam zu gestalten."

Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 Bistümer oder unterstützen als Weihbischöfe. Insgesamt gehören ihr derzeit (Oktober 2025) 61 Mitglieder an.

Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten.

Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA