DOMRADIO.DE: FC Schalke 04 ist zurück in der ersten Bundesliga. Auf Schalke wird seit dem Wochenende immer noch gefeiert. Wie haben Sie denn den Aufstieg vom S04 gefeiert?
Ernst-Martin Barth (evangelischer Schalke-Pfarrer): Ich war natürlich im Stadion. Dort hatte ich viele Begegnungen und Dienste in der Kapelle. Nach dem Schlussschiff haben alle erst mal durchgeatmet. Wir waren erleichtert, lagen uns in den Armen und haben gesungen. Der Jubel und die Lautstärke kannten kein Ende. Wir haben es einfach unglaublich intensiv genossen. Später in der Kapelle habe ich noch einmal alles im inneren Auge vorbeiziehen lassen: die Saison und die Begegnungen mit den Menschen. Vor allem die wunderbare Leistung, die der Verein, alle Mitarbeitenden und das Team mit großem Herzen durchgehalten haben.
DOMRADIO.DE: Wie war die Atmosphäre in der Arena, als der Aufstieg feststand?
Barth: Fortuna Düsseldorf hatte drei, vier Chancen. Dadurch herrschte Ausnahmezustand. Es war im Grunde eine Art Entfesselung, als es dann endlich geschafft war. Die Menschen sind nun wieder stolz, in der ersten Liga zu spielen. Sie sind überzeugt, genau dort hinzugehören, und sehen das Stadion als einen Ort des puren Glücks, vor allem nach diesen bitteren und entbehrungsreichen Zeiten. Das ist einfach Balsam für die Seele aller Schalker und vieler anderer Menschen, die hier leben.
DOMRADIO.DE: Was heißt das für die Menschen in Gelsenkirchen, dass Schalke wieder in der ersten Liga spielt?
Barth: Wenn es Schalke gutgeht, dann geht es den Menschen hier zumindest besser. Wenn es Schalke schlechtgeht, dann leiden die Menschen hier mit. Schalke ist der Kitt, der alles zusammenhält, eine Art Riesen-Integrationskraft. Schalke ist Gelsenkirchen und Gelsenkirchen ist Schalke. Wieder zur ersten Liga zu gehören, ist ein Riesengefühl. Vor allem, dass wir jetzt wieder große Spiele austragen werden. Natürlich werden wir im Abstiegskampf stehen, das muss uns allen klar sein. Aber wir werden wieder gegen die Topmannschaften spielen. Vor allem gegen den BVB aus Dortmund.
Über das Derby haben viele Fans bereits am Wochenende gesprochen. Darüber hinaus liegt derzeit ein allgemeines Gefühl von Glück über einer Stadt, in der an vielen Orten zugleich das Licht zu schwinden scheint. Hier herrscht die höchste Arbeitslosigkeit mit 15,5 Prozent, durchschnittlich sechs Prozent im ganzen Bund, soziale Armut im Bildungsranking, rote Laterne, Leerstände, Überschuldungen und sehr viele antidemokratische Gefühle und Bewegungen. Es tut daher für das Selbstwertgefühl einfach gut, wieder oben zu sein.
DOMRADIO.DE: In der Kapelle auf Schalke feiern Sie zusammen mit Ihrem katholischen Kollegen zum Beispiel auch Hochzeiten, Taufen oder Gottesdienste. Ist etwas mit der Mannschaft geplant?
Barth: Es sind immer mal einzelne Spieler in der Kapelle, die den Kontakt suchen oder auch mit mir und anderen im Gespräch sind. Die Mannschaft ist jetzt aber erstmal für einen Kurztrip nach Ibiza verreist und feiert dort den Aufstieg, bevor dann die Vorbereitung für das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg startet.
DOMRADIO.DE: Dort ist auch etwas Besonderes geplant, oder?
Barth: Dort soll es einen sehr großen Gottesdienst in Sankt Sebald geben, mitten in Nürnberg. Ein Fangottesdienst, der dort so auch zum jährlichen Programm des 1.FC Nürnberg gehört. Das ist sehr schön, dass die Fans sich dort auch nochmal besinnen können.
Das Interview führte Carsten Döpp.