Die verbliebenen Tage bis zum 7. Mai 2025
Die Spannung wuchs in diesen Tagen ins Unerträgliche. Auch die Kardinäle, so konnte man hören, wollten die Wahl nun schnellstmöglich hinter sich bringen. Ihnen war nicht entgangen, wie die Stimmung für oder gegen manchen Kandidaten medial angeheizt wurde, und wie damit von verschiedener Seite Einfluss genommen werden sollte.
Um genau das während der geheimen Abstimmungen zu vermeiden, gilt im Konklave ein striktes Reglement, das angesichts der rasanten digitalen Entwicklungen noch verschärft wurde. Wie bleibt ein Konklave in unseren Tagen wirklich geheim? Was früher eine rein menschliche Frage war, ist heute eine technologische.
Zugegeben, Abhörwanzen gibt es schon seit Jahrzehnten. Aber wie wirken sich Smartphone, Drohnen und hochsensible Cyber-Lauschangriffe Anno Domini 2025 auf eine tausendjährige Tradition aus? Genau deshalb hatte Franziskus in den letzten Jahren seiner Amtszeit die Regeln für das Konklave nochmals reformieren und verschärfen lassen. Und vor allem sicherheitstechnisch nachgebessert.
Ein ganzes Heer von IT- und Cyber-Spezialisten war damit beschäftigt, die Papstwahl wirklich geheim zu halten. Zunächst einmal müssen alle wahlberechtigten Kardinäle beim Einchecken in ihre Unterkunft im Albergo Casa Santa Marta, dem Vatikan-Hotel, ihre Handys und Notebooks abgeben. Rund um den Vatikan wurden Mobilfunk und Wlan abgeschaltet, zudem wurden Störsender installiert.
Die Sixtinische Kapelle wurde in einen abhörsicheren Raum verwandelt und digital von der Außenwelt abgeschnitten, wie sie das genau machen, darüber schweigen sich die Experten des Vatikans natürlich aus. Sie haben allesamt einen Eid geschworen und dürfen unter Strafandrohung mit niemandem darüber sprechen. Übrigens nicht nur sie.
Das Gleiche gilt für das während der Papstwahl unverzichtbare Personal im Vatikanstaat. Davon gibt es mehr als man denkt: Ein Konklave mit 135 hermetisch abgeschirmten Wahlberechtigten kommt nicht ohne ein Aufgebot an organisatorischen Helfern aus:
Vom Küchenpersonal über Sicherheitskräfte, Techniker, Fahrer, Sekretäre und Bürohelfer, Sanitäter, Lieferanten und Raumpfleger bis hin zu Feuerwehrleuten, die neben ihren anderen Aufgaben auch für die Verbrennung der Stimmzettel und den mit chemischen Zusatzstoffen erzeugten, schwarzen oder weißen Rauch zuständig sind. Den auf diesem Feld unbedarften Kardinälen allein konnte man dies nicht überlassen, wollte man in der "Sistina" keine Rauchvergiftungen oder Kokeleien riskieren.
Das Presseamt des Heiligen Stuhls gab sich alle Mühe, die Medienvertreter über das detaillierte Prozedere des Konklaves aufzuklären. Es hatte sich nicht nur im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gewandelt, auch in den letzten vier Jahrzehnten, von Papst Paul VI. bis hin zu Franziskus, war so manches gründlich reformiert worden.
Das geht los bei der Unterbringung. Noch bei den zwei Wahlen im "Drei-Päpste-Jahr" 1978, als Johannes Paul II., der mit seinem Lächeln die Welt bezaubert hatte, nach nur 33 Tagen im Amt starb, waren die Kardinäle in extra aufgebauten Schlafkabinen aus Sperrholz in den prächtigen Sälen rund um die Sixtinische Kapelle untergebracht. Waschschüssel und Nachttopf unterm Feldbett inklusive.
Dem neuen Pontifex Karol Wojtyla, der aus Polen sicher nicht verwöhnt war, erschien dies nicht mehr angemessen. Er ließ auf vatikanischem Grund, unweit der Audienzhalle, ein neues Hotel errichten, die "Casa Santa Marta". Hier sollten die Papstwähler fortan wohnen, so verfügte er. Auch die notwendigen Quoren in den Urnengängen passte er an, um den Wahlprozess insgesamt zu beschleunigen und Blockaden zu lösen.
Sowohl Benedikt XVI. als auch Franziskus nahmen im Licht der Erfahrungen ihrerseits Verbesserungen vor. Die Purpurträger haben während der Sedisvakanz allerdings auch selbst einiges in der Hand. Etwa den Ausschluss von Ihresgleichen aus schwerwiegenden kirchenrechtlichen Gründen.
Der Streitfall diesmal: Kardinal Angelo Becciu, den in Ungnade gefallenen, wegen Korruption nach vatikanischem Strafrecht verurteilten Kurienprälaten, der von Papst Franziskus suspendiert worden war. Den Kardinalshut ließ er ihm jedoch. Ein problematisches Vorgehen, wie sich nun herausstellte, das für einigen Wirbel sorgte.
Eine breite Mehrheit in der Generalkongregation sah Becciu nicht als Papstwähler an; dieser selbst sah sich seines vornehmsten Rechts beraubt. Der Streit wurde teils offen über die Presse ausgetragen. Eine schwierige Lage, denn zugespitzt könnte so oder so die Legitimität der Papstwahl an sich auf dem Spiel stehen.
Am Ende gab Becciu nach; er wollte wohl nicht für ein Konklave verantwortlich gemacht werden, bei dem es Zweifel an der Rechtmäßigkeit gab. Er hofft nun auf Rehabilitierung durch den neuen Pontifex; sein Berufungsprozess läuft.
Am Vortag des Konklaves checkten die meisten Kardinäle im Albergo Casa Santa Marta ein. Wie vorgeschrieben, mussten sie Handys, Notebooks, Transistorradios usw. abgeben. Die Zimmer wurden per Los zugeteilt. Aus den Räumen waren zuvor alle Fernsehgeräte, Radioapparate und Festnetz-Telefone entfernt worden. Auch Zeitungen gab es nicht.
Die Isolation von der Außenwelt war perfekt und diente der Unvoreingenommenheit und Unbeeinflussbarkeit durch Medienberichte. Da die Privaträume von Papst Franziskus nach seinem Tode versiegelt worden waren und erst vom neuen Pontifex freigegeben werden konnten, fehlten allerdings vierzehn Zimmer für die Unterbringung der Kirchenfürsten.
In großer Eile mussten ein paar Privatwohnungen geräumt und unter den gleichen Bedingungen hergerichtet werden wie diejenigen in der Santa Marta. Wie wir erfuhren, waren dort auch alkoholische Getränke aus den Minibars entfernt worden. Was über das zu den Mahlzeiten zugeteilte Viertel Wein pro Person hinausging, mussten die Gäste selbst mitbringen, aber auch diese Menge war reglementiert. Schließlich sollte keiner berauscht seine Stimme abgeben.
Und was würde den Purpurträgern aus aller Welt aufgetischt? Normalerweise war das Restaurant der Santa Marta – wie könnte es anders sein – für passable italienische Küche bekannt. Das sollte allerdings nicht fürs Konklave gelten. Spötter, wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx, meinten, dies sei Absicht, um die Wahl zu beschleunigen.
Phantasielos, ungewürzt, zerkocht: "Zum Abgewöhnen", so berichtete nicht nur er. In der Hotelküche verteidigt man sich: Man müsse schließlich die verschiedenen Unverträglichkeiten, gesundheitlichen Probleme und ziemlich unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten der Gäste beachten.
Daher die Devise: Immer gut durchgekocht, Pasta "morbida" statt "al dente", Verzicht auf alles Scharfe, Blähendes und leicht Verderbliches, weitgehend salzlos. Schonkost also. Nun, ein derartiges Krankenhaus-Essen dürfte am Ende beiden Zwecken dienen.
Zum Autor:
Michael Feth (geb. 1966) berichtet seit dreizehn Jahren als freier Korrespondent für Italien und den Heiligen Stuhl aus der Ewigen Stadt für verschiedene deutschsprachige Publikationen. Zuvor arbeitete er unter anderem für das Bayerische Fernsehen und die Tageszeitung Münchner Merkur sowie als Pressesprecher der CSU in den 1990er-Jahren.
Der gläubige Katholik engagierte sich bis zu seinem Wechsel nach Rom in verschiedenen Ehrenämtern und liturgischen Diensten in seiner Heimatpfarrei und Diözese.
Er hat uns seine Tagebucheintragungen zur freien Veröffentlichung gegeben.