Mit Besuchen bei Autokraten in Afrika will der Papst das Leben der Bevölkerung verbessern. Durch die diplomatischen Beziehungen zu autoritär geführten Ländern halte der Vatikan zudem einen Gesprächskorridor offen, sagte Leo XIV. am Donnerstag bei seinem Rückflug aus dem diktatorisch regierten Äquatorialguinea. In den vergangenen elf Tagen besuchte er zudem Algerien, Kamerun und Angola, die ebenfalls als "nicht frei" gelten.
Auf der formalen Ebene mache der Vatikan dabei nicht immer große Proklamationen, indem er laut kritisiere, urteile oder verurteile, erklärte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken auf Fragen der mitreisenden Journalisten. Doch im Hintergrund könne die Vatikan-Diplomatie viel bewirken. Sie könne an humanitären Anliegen wie der Bekämpfung von Hunger und Krankheiten oder etwa der Befreiung politischer Gefangener arbeiten.
Unterstützung durch Neutralität
"Durch die Aufrechterhaltung der Neutralität des Heiligen Stuhls und den Ansatz, positive diplomatische Beziehungen zu vielen verschiedenen Ländern zu unterhalten, versuchen wir tatsächlich, das Evangelium auf konkrete Situationen anzuwenden", so Leo XIV. "Es ist wichtig für uns, den besten Weg zur Unterstützung der Menschen in einem bestimmten Land zu finden."
Durch ihre globale Präsenz verfügt die katholische Kirche über das dichteste diplomatische Netzwerk weltweit. Der Heilige Stuhl unterhält derzeit zu 184 Staaten volle diplomatische Beziehungen. Hinzu kommen die Europäische Union und der Souveräne Malteserorden.
Würde jedes Migranten
Weiter äußerte sich Leo XIV. beim Rückflug zur unkontrollierten Migration und sprach sich gleichzeitig für die Respektierung von Migranten aus. Ein Staat habe das Recht, an seinen Grenzen Regeln festzulegen, sagte das Kirchenoberhaupt. Ungeregelte Einwanderung, die manchmal zu noch ungerechteren Situationen am Aufnahmeort als im Herkunftsland führte, befürworte er nicht.
Dennoch müssten ankommende Migranten menschlich behandelt werden und nicht schlechter als Haus- oder andere Tiere, so Leo XIV.. Selbst bei erschöpften Aufnahmekapazitäten eines Landes verdiene jeder Ankommende Respekt und Achtung seiner Würde.
Der Papst betonte außerdem, dass man sich fragen müsse, wie der globale Norden den globalen Süden unterstützen kann. Hier gehe es um Länder, in denen junge Menschen heute keine Zukunft fänden, sagte Leo XIV. Zugleich kritisierte er, dass der Ressourcenreichtum von Ländern oft ausgebeutet werde und Reiche in anderen Ländern noch reicher mache. "Auf globaler Ebene müssen wir an der Förderung von mehr Gerechtigkeit und Gleichheit arbeiten", forderte der Papst.
Kritik an Tötung Unschuldiger im Iran durch US-Angriffe
Leo XIV. äußerte sich außerdem erneut kritisch zum militärischen Vorgehen der Regierung Trump im Nahen Osten. Er kritisierte den Ansatz der USA im Konflikt mit dem Iran: "Wenn wir bestimmte Situationen sehen, antworten wir gleich mit dem Einsatz von Gewalt, Krieg und Angriff. Dann haben wir gesehen, dass viele Unschuldige getötet wurden."
Leo XIV. fuhr fort mit den Worten: "Die Frage ist nicht, ob es einen Regimewechsel gibt. Die Frage ist, wie wir die Werte, an die wir glauben, voranbringen können, ohne dass wir so viele unschuldige Menschen töten." Mit Blick auf die derzeitigen Verhandlungen und Drohungen zwischen den USA und dem Iran sagte der Papst, die Situation sei "offensichtlich sehr komplex"; man wisse nicht, wohin sich die Dinge entwickeln. Es sei "eine chaotische Situation entstanden".
"Werte voranbringen, ohne zu töten"
Derzeit wisse man nicht, welches Regime im Iran herrscht; aber er wolle die Kriegsparteien zur Fortsetzung von Friedensverhandlungen und zu Respektierung für das Völkerrecht ermutigen. Abschließend betonte der Papst: "Er ist sehr wichtig, dass das Leben der Unschuldigen geschützt wird, und das ist offenbar an mehreren Stellen nicht geschehen."
Auf eine Journalistenfrage, was er von der Tötung Tausender iranischer Demonstranten durch das Regime im Land hält, sagte Leo XIV.: "Ich verurteile all diese ungerechtfertigten Taten und das Töten von Menschen. Ich verurteile die Todesstrafe und glaube, dass jedes Menschenleben von der Empfängnis bis zum Tod respektiert werden muss. Und deshalb muss es auch ganz klar verurteilt werden, wenn ein Regime oder eine Land Entscheidungen trifft, die dazu führen, dass Menschen getötet werden."
Papst trägt Foto eines getöteten muslimischen Kindes bei sich
Papst Leo XIV. trägt stets das Foto eines getöteten Kindes mit sich. Das muslimische Kind habe beim Besuch des Papstes Anfang Dezember im Libanon ein Plakat mit einer Willkommensbotschaft für ihn getragen, erzählte das katholische Kirchenoberhaupt weiter. In der jüngsten Nahost-Eskalation sei der Junge dann getötet worden.
Es müsse eine neue Kultur des Friedens gefunden werden, um den Tod vieler unschuldiger Menschen in Kriegen zu verhindern, forderte Leo XIV. Das Foto des Jungen, der beim Papstbesuch im Libanon in die Kamera strahlt und kürzlich dort durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran getötet wurde, machte in sozialen Medien die Runde.