DOMRADIO.DE: Herr Maffay, Ihre Frau veröffentlicht in dieser Woche das Kinderbuch "Der unerwünschte Gast", für das Sie das Vorwort geschrieben haben. Viele Menschen haben davon bestimmt mal gehört, wissen aber nicht, dass an Zöliakie Erkrankte niemals das Klebereiweiß Gluten essen dürfen, weil es den Dünndarm kaputt macht. Wie machen Sie mit dem Kinderbuch auf diese Erkrankung aufmerksam?
Peter Maffay (Musiker): Wir versuchen, mit Partnern Allianzen zu bilden, von denen wir glauben, dass sie im Umgang mit Zöliakie zum einen Erfahrung haben oder gut in der Gesellschaft multiplizieren können. Das Thema soll dadurch in der Gesellschaft deutlicher werden, damit Menschen, und darunter auch viele Kinder, die mit Zöliakie zu tun haben, leichter durchs tägliche Leben kommen.
DOMRADIO.DE: Im Buch Ihrer Frau besucht eine "Frau Zöliakie" ein junges Mädchen, das an Zöliakie erkrankt ist. Sie gibt der Familie wertvolle Tipps, um mit der Erkrankung umzugehen. Ist die Krankheit eine große Unbekannte in Deutschland?
Maffay: Ja, es herrscht zurzeit noch sehr viel Unwissen, weil Zöliakie sowohl von der Politik als auch von den Menschen – ohne böse Absicht – bagatellisiert wird. Es geht darum, zu zeigen, wie komplex und kompliziert das Leben von den vielen an Zöliakie erkrankten Menschen abläuft und dass es Sinn macht, deren Belange ernst zu nehmen, damit sie besser durchs Leben kommen.
DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, dass Musik ein wichtiger Player sein kann, um diese Botschaft zu transportieren. Kann auch die Kirche etwas tun?
Maffay: Jeder, der Interesse an diesem Thema hat, wird zu einem Multiplikator. Man kann rausgehen und man kann sich vernetzen. Je mehr Leute sich damit beschäftigen, desto mehr Lösungen wird es auch geben, die das Leben der Menschen, die davon betroffen sind, erleichtern.
Natürlich kann auch die Kirche etwas tun, denn sie ist Sammel- und Begegnungspunkt unserer Gesellschaft. Es geht darum, Menschen, die vielleicht durch ihre Situation ein bisschen an den Rand der Gesellschaft rücken, zurückzuholen und in das Zentrum zu stellen. Das ist die Aufgabe der Kirche. Zumindest so habe ich das immer verstanden: den Schwächeren zu helfen. Insofern kann die Kirche auch ergänzend zu allen anderen Aktivitäten mithelfen, dieses Thema nach draußen zu tragen.
DOMRADIO.DE: Vielleicht ist das eine Frage, die möglicherweise auch ein von Zöliakie betroffenes Kind stellen würde: Was würde der liebe Gott dazu sagen, wenn es darum geht, die Zöliakie zu bekämpfen?
Maffay: Ich würde sagen, der liebe Gott würde uns nahelegen, alle Menschen gleich zu behandeln, die Gesunden wie die Kranken. Und er würde vielleicht noch ergänzend sagen: Diejenigen, die Kraft haben, sollten denen, die weniger Kraft haben, helfen.
DOMRADIO.DE: Ihre Ehefrau hat das Kinderbuch "Der unerwünschte Gast" geschrieben. Sie als Vorwortautor und Ihre Frau müssen dafür ein kindliches Gemüt haben, um in diese Thematik reinzukommen und um das mit so einer schwierigen, komplexen medizinischen Materie wie der Zöliakie zu verknüpfen, oder?
Maffay: Wir, Hendrikje und ich, sind Eltern einer kleinen Tochter. Ich glaube, Eltern haben immer als oberstes Ziel, ihre Kinder in eine lebenswerte Perspektive zu entlassen. Dazu gehört eben auch, die Probleme von Kindern und in diesem Fall die von Zöliakie betroffenen Kindern ernst zu nehmen. Es geht darum, ihnen das Leben dadurch zu erleichtern, dass man Hilfestellung leistet, bis diese kleinen Menschen irgendwann aus eigener Kraft und mit eigener erlernter Kompetenz selber so viel Energie aufbringen, um mit dieser Krankheit richtig umzugehen. Menschen, die zu krank sind, dürfen nicht ihrem Schicksal überlassen werden. Vielmehr muss man ihnen beistehen, damit sie zu einem selbstbestimmten Leben imstande sind, wie wir es uns alle wünschen.
Das Interview führte Bernd Knopp.