Papst Leo XIV. beklagt Ausbeutung und Knechtschaft in Angola

Ankunft im dritten Land der Afrikareise

Halbzeit beim Afrika-Besuch des Papstes: Am Samstag reiste Leo XIV. von Kamerun nach Angola weiter. Dort trifft er auf ein Land mit vielen Rohstoffen, das jedoch unter wirtschaftlicher Ausbeutung und inneren Konflikten leidet.

Autor/in:
Ludwig Ring-Eifel und Christoph Arens
Willkommenszeremonie mit militärischen Ehren für Papst Leo XIV. am 18. April 2026 auf dem Flughafen von Luanda (Angola). Links neben ihm João Manuel Gonçalves Lourenço, Präsident von Angola. / © Vatican Media / Romano Siciliani (KNA)
Willkommenszeremonie mit militärischen Ehren für Papst Leo XIV. am 18. April 2026 auf dem Flughafen von Luanda (Angola). Links neben ihm João Manuel Gonçalves Lourenço, Präsident von Angola. / © Vatican Media / Romano Siciliani ( KNA )

Leo XIV. ist am Samstag von Kamerun nach Angola weitergereist. Am sechsten Tag seiner elftägigen Afrika-Reise traf er nach der Landung am internationalen Flughafen nahe der Hauptstadt Luanda Präsident Joao Lourenco. Im Präsidentenpalast fand auch eine Begegnung mit Behörden, Zivilgesellschaft und Diplomatischem Corps des Landes statt.

Bei dem Treffen mit Vertretern von Regierung, Zivilgesellschaft und Diplomaten sagte Leo XIV., das Volk von Angola besitze "innere Schätze, die weder verkäuflich noch raubbar sind". Angola sei allzu oft Opfer von Ausbeutung geworden. Das Kirchenoberhaupt rief die heutigen politischen Akteure, die eine Entwicklung des Landes behinderten, zur Umkehr auf. Mächtige Interessen streckten sich nach dem Rohstoffreichtum Angolas aus. "Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich."

Gemeinwohl in den Vordergrund stellen

Eindringlich plädierte der Papst für ein pluralistisches Gesellschaftsmodell und sagte: "Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten, seien Sie in der Lage, Konflikte zu bewältigen und sie in Wege der Erneuerung zu verwandeln. Stellen Sie das Gemeinwohl über das Partikularinteresse und verwechseln Sie niemals Ihren Teil mit dem Ganzen."

João Manuel Gonçalves Lourenço (r.), Präsident von Angola, empfängt Papst Leo XIV. am 18. April 2026 im Präsidentenpalast in Luanda (Angola). / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
João Manuel Gonçalves Lourenço (r.), Präsident von Angola, empfängt Papst Leo XIV. am 18. April 2026 im Präsidentenpalast in Luanda (Angola). / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Abschließend rief Leo XIV. die politischen und gesellschaftlichen Akteure auf, "Angola zu einem Projekt der Hoffnung zu machen". Die katholische Kirche wolle ihren Teil dazu beitragen und ein "Zusammenleben fördern, das frei ist von den Arten der Knechtschaft, die von Eliten mit viel Geld und falschen Freuden aufgezwungen werden. Nur gemeinsam werden wir die Gaben dieses wunderbaren Volkes vervielfachen können".

Freiluft-Gottesdienst und Marienheiligtum

Mit einem großen Freiluft-Gottesdienst südlich der Hauptstadt Luanda beginnt Papst Leo XIV. am Sonntag den zweiten Tag seines Aufenthalts in Angola. In dem von der Volksrepublik China finanzierten neuen Stadtteil Kilamba werden zur Papstmesse etwa 200.000 Teilnehmer erwartet, die den Papst sehen und seine Predigt hören wollen.

Papst Leo XIV. hält seine Hand an den Kopf eines Kleinkindes, das zum Papamobil hochgehalten wird, am 18. April 2026 auf einer Straße in Luanda (Angola). / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. hält seine Hand an den Kopf eines Kleinkindes, das zum Papamobil hochgehalten wird, am 18. April 2026 auf einer Straße in Luanda (Angola). / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Am Sonntagnachmittag ist eine Reise des Papstes nach Maxuma im Norden Angolas geplant. Dort will er an einem populären Marienheiligtum beten. Angola ist das dritte Land, das der Papst bei seiner insgesamt elftägigen Afrikakreise besucht. Zuvor war er bereits in Algerien und Kamerun. Zum Abschluss reist er nach Äquatorialguinea.

Option für die Armen bekräftigt

In Kamerun hatte das Kirchenoberhaupt am Samstagvormittag eine Messe am Flughafen der Hauptstadt Yaoundé gefeiert. Daran nahmen auf dem Flughafengelände und in der Umgebung rund eine halbe Million Menschen teil, wie der Vatikan unter Berufung auf die örtlichen Behörden mitteilte.

Gläubige warten auf Papst Leo XIV., um einen Gottesdienst auf einem Flugplatz in Yaoundé zu feiern / © Andrew Medichini (dpa)
Gläubige warten auf Papst Leo XIV., um einen Gottesdienst auf einem Flugplatz in Yaoundé zu feiern / © Andrew Medichini ( dpa )

In seiner Predigt beim Gottesdienst in Yaoundé bestätigte Leo XIV. eine zentrale Soziallehre seines Vorgängers Franziskus: die "vorrangige Option der Kirche für die Armen". Ausdrücklich betonte er, dass mehr gefordert sei als gute Taten einzelner Menschen. Es gehe auch darum, dass politische und gesellschaftliche Strukturen den Kampf gegen Armut und für Gerechtigkeit unterstützten. Gesellschaftliche und politische Institutionen müssten Werkzeuge für das Gemeinwohl sein - und nicht Schauplätze von Konflikten, Eigeninteressen oder fruchtlosen Kämpfen.

Bezug auf Papst Franziskus

Theologisch begründete der Papst, der als Missionar und Bischof lange in Peru gearbeitet hat, dies mit den Worten: "Im Übrigen hat sich Gott, indem er Mensch wurde, mit den Geringsten identifiziert, und dies macht die vorrangige Sorge für die Armen zu einer grundlegenden Option unserer christlichen Identität, wie Papst Franziskus mehrfach betont hat."

Die "Option für die Armen" hatten die Bischöfe Lateinamerikas bei ihren historischen Versammlungen in Medellín (1968) und Puebla (1979) aus der linken Befreiungstheologie übernommen. Die Frage, inwieweit sich die Kirche auch in Fragen der Politik und der sozialen Gerechtigkeit einmischen sollte, spielt auch in den gegenwärtigen Konflikten zwischen dem Weißen Haus und dem Vatikan eine wichtige Rolle.

Live: Papst Leo XIV. in Afrika

Am 13. April beginnt Leo XIV. seine bisher längste Auslandsreise als Papst und besucht vier Länder in zehn Tagen: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea. DOMRADIO.DE überträgt alle wichtigen Stationen live in Kooperation und mit deutschem Kommentar von Vatican News.

Montag, 13. April

Rom – Algier

Quelle:
KNA