An der Domorgel ist Winfried Bönig. Die Mädchen singen Werke u. a. von Giovanni Pierluigi da Palestrina und Cécile Chaminade.
Im Sonntagsevangelium wird erzählt, wie der von den Toten auferstandene Jesus sich seinen Jüngern zeigt und sie auffordert, Fische zu fangen. Zunächst wird er nicht erkannt.
Aus dem Johannesevangelium
In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Joh 21, 1–14)
Auslegung zum Sonntagsevangelium von Peter Köster
Als sie [die Jünger, Anm. d. Red.] sich die Vergeblichkeit ihrer bisherigen Lebensanstrengungen eingestehen, eröffnet sich ihnen eine neue Perspektive. Sie erhalten von ihm die Weisung, zu ihrer alten Tätigkeit zurückzukehren. Noch einmal sollen sie die Netze auswerfen, diesmal auf der „rechten Seite“. Was immer die „rechte Seite“ für eine symbolische Bedeutung haben mag, zentral ist, dass die Jünger nun mit klarem Auftrag und aus persönlich getroffener Entscheidung handeln. Sie gehorchen.
Es war also nicht alles, was sie bislang getan haben, verkehrt. Ihr „Fischen“ brachte nur deshalb nichts ein, weil sie nicht mehr im Kraftfeld des Horchens und Gehorchens standen. Erst als die Jünger aus der Nacht vergeblichen Mühens in den Gehorsam seines Wortes (zurück-)gefunden haben, beginnt auf einmal das Netz sich zu füllen. Erst jetzt, da sich ihre Arbeit in nie gekannter Weise erfüllt, erkennen sie in der Gestalt am Ufer den Auferstandenen. Zunächst nur „der Jünger, den Jesus liebte“. In seinem gläubigen Wort geht dem Petrus plötzlich auf, wer am Ufer auf sie wartet: „Der Herr ist es!“ Petrus spürt seine „Blöße“, aber weder Schuld noch Scham können ihn daran hindern, die Distanz zu Jesus zu überwinden. Augenblicklich lässt er alles zurück. Sein Verlangen, beim Herrn zu sein, ist größer als die Angst, in seiner Schuld vor ihn hinzutreten. Wir hören allerdings nirgendwo davon, dass Jesus den tropfnassen Petrus in seine Arme geschlossen hätte. Offenbar geht auch diese Initiative des Petrus ins Leere. Die eigentliche Begegnung mit dem Herrn steht noch aus.
Peter Köster SJ (Theologe, geistlicher Lehrer, * 1936), aus: Ders., Lebensorientierung am Johannes-Evangelium. Eine geistliche Auslegung auf fachexegetischer Grundlage, 220–221, © EOS Verlag, St. Ottilien 2013