Der Mitgliederverlust der katholischen Kirche ist nach den Worten des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf nicht einfach nur mit Reformstau zu erklären. "Ich glaube, die Analyse ist nicht ganz so einfach. Das heißt, die Gründe sind sehr unterschiedlich", sagte Kohlgraf im Podcast "Lebensfragen" der Akademie des Bistums Mainz. Kohlgraf begegne den unterschiedlichsten Positionen, sagte er im Gespräch mit Co-Moderatorin Anja Schneider und Studiogast Bettina Schausten.
"Ich sehe schon die, die sagen: 'Uns gehen Reformen zu langsam, uns geht das alles zu langsam.'" Das sei eine starke Gruppe. Kohlgraf verwies aber auch auf Studien der vergangenen Jahre, die gezeigt hätten: "Auch wenn die Kirche reformbereiter und schneller in Reformen wäre, würde das wahrscheinlich die Statistiken nicht wirklich bessern."
Zugleich betonte der Mainzer Bischof: Das spreche aber nicht gegen Reformen, die von der Sache her gut begründet sein müssten. "Ich erlebe aber auch die anderen Stimmen, die mir sagen: 'Uns geht es eigentlich zu schnell. Kirche ist noch der letzte Hort. Da, wo was bleibt. Da, wo ihr nicht permanent verändert und nicht permanent sagt, das und das muss anders werden, neuer werden.'", zitierte er.
Manchen reicht Kleinigkeit zum Austritt
Es gebe auch Extremfälle, wie der Bischof ausführte: Bei manchen Menschen reiche schon eine Kleinigkeit für den Kirchenaustritt. Das könne er manchmal nicht nachvollziehen. "Wenn jemand wegen irgendeiner Kleinigkeit, irgendwie einmal seinen Willen nicht durchgesetzt zu haben gegenüber dem Pfarrer, dann sagt: 'Jetzt trete ich halt aus.'" Vielleicht gebe es in der Gemeinde ja auch andere Stimmen und man könne sich vor Ort einigen.
Es gebe viele Studien zum Thema Kirchenaustritte, die aber in ihren Ergebnissen nicht eindeutig seien, sagte Kohlgraf. Dennoch: "Die Entwicklung einfach hinzunehmen, das ist natürlich nicht die Lösung. Es ist ja kein blindes Schicksal, was uns da trifft."