"Es ist klar, dass der US-Präsident nicht erfreut ist über die päpstlichen Standpunkte. Denn für ihn scheint das Evangelium nicht die Richtschnur seines politischen Agierens zu sein", sagte Kardinal Woelki gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Der Papst äußerte sich laut Woelki zu politischen Vorgängen, ohne Namen und Orte zu nennen. Leo habe gefordert, mit den Kriegen aufzuhören und dem Leben zu dienen. Er sehe es als seine erste Aufgabe, das Evangelium zu verkünden "mit seiner Botschaft für den Frieden und seiner Option für die Leidenden, Armen und Unterdrückten", so Woelki. Diese Aussagen könne der Kardinal nur unterstreichen.
Damit stärkt Kardinal Woelki Papst Leo den Rücken. Auch der Passauer Bischof Oster äußerte sich zu Trumps Kritik am Kirchenoberhaupt. In den Sozialen Netzwerken schrieb er: "Ich selbst bin über Trump nur mehr fassungslos und halte ihn tatsächlich schon seit seiner ersten Präsidentschaft für gefährlich – in vielerlei Hinsicht."
US-Bischof forderte Entschuldigung
Auch der US-amerikanische Bischof Barron hatte Trumps Äußerungen auf "Truth Social" über Papst Leo XIV. am Montag als "völlig unangemessen und respektlos" kritisiert und eine Entschuldigung gefordert. "Ernsthaften Katholiken innerhalb der Trump-Regierung" empfahl er ein Treffen mit Vertretern des Vatikans, "damit echter Dialog stattfinden kann".
Deutsche Bischöfe schließen sich Papst an
Die anderen bayerischen Bischöfe sowie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, hielten sich in den Medien zurück. So reagierte das Erzbistum München-Freising auf die Anfrage des Bayerischen Rundfunks (BR) mit folgenden Worten: Kardinal Reinhard Marx werde sich nicht dazu äußern, weil der Papst seine Position bereits deutlich gemacht habe.
Bereits nach dem zweiten Wahlsieg Donald Trumps im Jahr 2024 hatte Bischof Heiner Wilmer gesagt, dass er mit Sorge auf die Zukunft der USA und der internationalen Beziehungen blicke. Trumps Sieg werde Konsequenzen haben – für das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland, aber auch im Hinblick auf die NATO, den Krieg in der Ukraine, die Auseinandersetzung im Nahen Osten und weitere Teile dieser Welt.
Trump verglich sich mit Jesus
Trump hatte zuvor international für Kritik gesorgt, nachdem er am Montag ein Bild verbreitet hatte, das ihn in großer Ähnlichkeit mit dem christlichen Erlöser darstellt. Später hatte er das Bild gelöscht und betont, er sei nicht als Jesus, sondern als Arzt zu sehen gewesen.
Am Mittwoch hatte Trump ein weiteres Bild geteilt, auf dem Jesus ihn vor einer amerikanischen Flagge umarmt. Die US-Regierung hatte wiederum Kritik an den päpstlichen Friedensforderungen mit Blick auf den Iran geübt.