Der Theologe Michael Seewald (38) freut sich auf seine Rückkehr nach München. Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München habe ihm einen Lehrstuhl angeboten, auf den er sich nicht beworben habe, erzählte Seewald dem Studienbüro der Katholisch-Theologischen Fakultät. Die Rückkehr nach München bezeichnete er als "eine äußerst reizvolle Sache". An der LMU durchlief Seewald wesentliche Stationen seiner Wissenschaftskarriere.
Nach München bringt Seewald mehrere Projekte mit, darunter die Neuausgabe des "Denzinger". Das Kompendium sammelt seit 1854 die wichtigsten lehramtlichen Texte der katholischen Kirche. Mit Mitteln aus dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis, den er im vergangenen Jahr für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt, will Seewald mit seinem Team eine neue kritische Ausgabe erarbeiten.
Die Herausgeberschaft übernahm Seewald 2025 von dem inzwischen verstorbenen Peter Hünermann. Zudem stehe auf dem Plan, über die Lehrentwicklung in der katholischen Kirche sowie Normbildung und Kanonizität nachzudenken.
Rolle der Dogmatik
Zur Rolle der Dogmatik im Diskurs mit Politik, Öffentlichkeit und anderen Religionen sagte Seewald, sie sei als akademische Disziplin unerlässlich, um Religionen verstehen zu können. Die christliche Dogmatik betrachte die Inhalte des Glaubens in ihrem systematischen Zusammenhang und lege gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft über normative Erwartungen der katholischen Kirche ab. Zugleich sei sie auf das Gespräch mit anderen Disziplinen angewiesen.
Für seine Arbeit hob Seewald eine bestimmte Haltung hervor: "Die Theologie nimmt sich die Freiheit, eine reflexive Distanz zur Welt und zur Kirche zu wahren, um beide besser verstehen und umso beherzter gestalten zu können."
Seewald wurde 2011 an der LMU promoviert und 2015 habilitiert. Von 2017 bis 2026 lehrte er Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster. Er ist katholischer Priester des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Im vergangenen Jahr erhielt er für seine wissenschaftliche Arbeit den Leibniz-Preis.