Papst Leo XIV. wirbt dafür, das Prinzip der Nächstenliebe auch im Verhältnis unter den Staaten anzuwenden. Besonders gefordert seien dabei die Regierenden. "Regieren bedeutet, das eigene Land und auch die Nachbarländer zu lieben; auch in den internationalen Beziehungen gilt das Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch in einer Rede in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Der Wille zum Frieden müsse allen Einzelinteressen übergeordnet werden.
Friede dürfe dabei nicht bloß ein Slogan sein. "Er muss in einem persönlichen und institutionellen Verhalten zum Ausdruck kommen, das jede Form von Gewalt ablehnt." Der Papst wiederholte seine bereits zu Beginn des Jahres formulierte Forderung: "Die Welt dürstet nach Frieden. Es ist genug mit den Kriegen, mit ihren leidvollen Häufungen von Toten, Zerstörungen und Vertriebenen!"
Für Gerechtigkeit und gegen Korruption
Der Papst äußerte sich im Kongresszentrum von Yaoundé in Gegenwart von Staatspräsident Paul Biya, Regierungsmitgliedern, Vertretern der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Corps. Ausführlich erinnerte der Leo XIV. an Spannungen und Gewalttaten, die in einigen Regionen Kameruns großes Leid verursachten. Vor dem Hintergrund von verbreiteter Korruption forderte er zudem "Transparenz bei der Verwaltung öffentlicher Mittel und die Achtung der Rechtsstaatlichkeit".
Auch darin sehe er eine Voraussetzung für echten Frieden, erklärte der Papst. Dieser könne nur entstehen, "wenn das Gesetz ein sicherer Schutzwall gegen die Willkür der Reichsten und Stärksten ist". Damit Frieden und Gerechtigkeit sich durchsetzen können, müssten "die Ketten der Korruption gesprengt werden, die die Obrigkeit in Verruf bringen und ihr ihre Autorität nehmen".
Das Gift des Fundamentalismus
Schließlich wandte sich der Papst angesichts der Gewalt islamistischer Terroristen in Teilen des Landes gegen das "Gift des Fundamentalismus". Er beschwor die Vertreter der Religionen, "Propheten des Friedens, der Gerechtigkeit, der Vergebung und der Solidarität" zu sein. Sie sollten Spannungen abbauen, Radikalisierungen vorbeugen und eine Kultur des gegenseitigen Respekts fördern.
Kamerun ist die zweite Station auf der elftägigen Afrikareise des Papstes. Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt zwei Tage das mehrheitlich muslimische Algerien besucht. In Kamerun wird der Papst bis Freitag bleiben, weitere Stationen sind dann Angola und Äquatorialguinea.