DOMRADIO.DE: Wie würden Sie die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Ihrem Heimatland Kamerun beschreiben?
Michel Djama (Kaplan in Remscheid, in Kamerun geboren): Die katholische Kirche spielt eine große Rolle in Kamerun. Über 60 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben. Die Messen sind sehr gut besucht, und es gibt zahlreiche Taufen und Trauungen. Die Gottesdienste sind sehr lebhaft, und es gibt viele Priester und Ordensleute, die die Menschen begleiten, ihnen die Sakramente spenden und ihnen geistlichen Beistand leisten.
Der Besuch von Papst Leo ist für uns in Kamerun eine große Freude und ein Grund zur Hoffnung. Einige Menschen hatten ja bereits Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. bei ihren Besuchen gesehen. Die Christen werden daher den derzeitigen Nachfolger des heiligen Petrus mit Begeisterung empfangen.
DOMRADIO.DE: Wo gibt es in Kamerun Schwierigkeiten?
Djama: In Kamerun haben viele Menschen keine Arbeit. Die Kirche möchte dies ändern. In Kamerun gibt es zudem Boko Haram, eine islamistische Terrororganisation. Der Dialog mit solchen Gruppen ist eine große Herausforderung. Die Kirche setzt sich darüber hinaus für den Frieden und den interreligiösen Dialog ein.
DOMRADIO.DE: Welche Botschaft könnte Papst Leo den Katholiken in Kamerun während seines Besuchs mitgeben?
Djama: Wir brauchen Frieden in Kamerun. Denn wir haben derzeit zwei Krisen. Einerseits gibt es die anglophone Krise, auch bekannt als Ambazonien-Konflikt, die in den Regionen Nordwest und Südwest stattfindet, seit fast zehn Jahren andauert und von separatistischen Forderungen geprägt ist. Diese Krise hat bereits mehr als 6.000 Todesopfer gefordert, darunter Zivilisten, Soldaten und separatistische Kämpfer. Sie hat auch zahlreiche Binnenvertriebene hervorgebracht. Darüber hinaus kommt es nach den Präsidentschaftswahlen zu starken Spannungen im Land.
Vor diesem Hintergrund hoffen wir, dass der Papst uns die Botschaft des Friedens, der Versöhnung und der Einheit bringt.
DOMRADIO.DE: Sie haben einmal in einem Artikel gesagt, dass Papst Leo Afrika gut kenne und den Kontinent im Herzen trage. Worin unterscheidet sich Papst Leo von seinen Vorgängern?
Djama: Alle Päpste sind Diener Gottes. Wenn wir hören, dass der Papst zu uns kommt, wissen wir, dass er uns die Botschaft des Glaubens bringt. Das ist unsere Hoffnung, denn wir brauchen auch die Hilfe, die Hoffnung, die Begleitung und die Gnade Gottes. Der Besuch des Papstes ist auch eine Quelle der Ermutigung für die Christen. Zu Beginn seines Pontifikats unterstreicht seine Reise nach Afrika seine Verbundenheit mit der Ortskirche dieses Kontinents. Deswegen ist es für Afrika eine große Freude, ihn willkommen zu heißen.
DOMRADIO.DE: Sie leben derzeit im Erzbistum Köln und erleben deshalb täglich, wie Kirche in Europa ist. Was erhoffen Sie sich von Leos Reise im Hinblick auf die Verbindung zwischen der Kirche in Afrika und Europa?
Djama: Wir können gerne über eine Zusammenarbeit sprechen. Die Kirche hat beispielsweise viele Priester in Afrika. Hier in Deutschland brauchen wir Priester, die die Gläubigen begleiten oder der Kirche helfen und ihr dienen können. Deshalb fände ich es sehr wichtig, dass Priester nach Europa kommen können, um hier zu arbeiten.
Das Interview führte Jan Hendrik Stens.