Die schwierigen Beziehungen zwischen den USA und dem Vatikan

US-amerikanische Fahne mit einem Aufdruck von Papst Leo XIV. am 17. Juni 2025 in Rom. / © Cindy Wooden/CNS photo (KNA)
US-amerikanische Fahne mit einem Aufdruck von Papst Leo XIV. am 17. Juni 2025 in Rom. / © Cindy Wooden/CNS photo ( KNA )

Die USA und der Vatikan unterhalten erst seit 1984 wieder volle diplomatische Beziehungen. Johannes Paul II. und US-Präsident Reagan einte der Antikommunismus. Mit einem Donald Trump einig zu sein - wer könnte das? Inzwischen täglich vergreift sich Donald Trump im Ton eines US-Präsidenten. Derzeit im Fokus: sein Landsmann Papst Leo XIV. Trumps Verbalattacken sind ein neuer Tiefpunkt in einer Geschichte schwieriger Beziehungen zwischen den USA und dem Vatikan. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) gibt einen Überblick:

1776: 13 britische Kolonien in Nordamerika sagen sich vom Mutterland Großbritannien los - die offizielle Geburtsstunde der USA.

1784: Papst Pius VI. gründet die Apostolische Präfektur der Vereinigten Staaten von Amerika, also die Vorstufe eines Bistums.

1789: Gründung des Bistums Baltimore. Erster Bischof der USA wird der Jesuit John Carroll (1735-1815). 1808 folgen die Bistümer Boston, Bardstown/Kentucky, New York und Philadelphia, deren Gebiete von Baltimore abgetrennt werden; Baltimore wird Erzbistum. Die kirchlichen Strukturen wachsen und verfestigen sich rasch, auch dank massiver Zuwanderung von Katholiken aus Irland, Italien oder Polen.

1863: Ein Fauxpas mitten im US-Bürgerkrieg: Papst Pius IX. spricht den Südstaaten-Präsidenten Jefferson Davis in einem Friedensappell als "Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika" an - was ihm die Nordstaaten als De-facto-Anerkennung der abtrünnigen Südstaaten ankreiden. 1865 meldet sich der international gesuchte Komplize des Mörders von US-Präsident Abraham Lincoln als Freiwilliger zur Päpstlichen Armee - und wird auf US-Protest hin ausgeliefert.

1867: kommt das fälschliche Gerücht auf, der Kirchenstaat habe die protestantische Kapelle der US-Vertretung in Rom geschlossen. Der Kongress in Washington untersagt die Finanzierung der US-Vertretung im Kirchenstaat per Gesetz. Der US-Gesandte muss Rom verlassen, meldet sich nicht mal beim Papst ab. Mehr als 70 Jahre lang gibt es nur noch informelle Kontakte zwischen der kommenden Weltmacht USA und dem Heiligen Stuhl.

1875: Pius IX. ernennt erstmals einen Nichteuropäer zum Kardinal: den New Yorker Erzbischof John McCloskey; eine Anerkennung der stark aufstrebenden USA, aber zugleich auch ein Dankeschön des Papstes, da McCloskey beim Ersten Vatikanischen Konzil 1870 die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit unterstützt hatte.

1919: Woodrow Wilson wird als erster US-Präsident von einem Papst, Benedikt XV., im Vatikan empfangen. Zwischen den beiden Weltkriegen spielt die Apostolische Delegation in Washington eine zunehmende Rolle. Als Repräsentation der katholischen Kirche baut sie Beziehungen zum politischen US-Establishment auf.

1936: Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli besucht die USA. US-Präsident Franklin D. Roosevelt und er verstehen sich auf Anhieb und bauen eine strategische Freundschaft auf, die sie mit Briefen pflegen.

Das zerstörte Köln nach dem Zweiten Weltkrieg (dpa)
Das zerstörte Köln nach dem Zweiten Weltkrieg / ( dpa )

1939: Pacelli wird Papst Pius XII. Zehn Jahre nach Neugründung des kleinen Vatikanstaates 1929 entsendet Roosevelt einen "persönlichen Gesandten" dorthin. Im Zweiten Weltkrieg suchen die angloamerikanischen Gegner Hitlers trotz ihres protestantischen Hintergrunds verstärkt Kontakte zum Vatikan. Die gemeinsame Linie: Regierungen gegen den Totalitarismus stützen und Religionsfreiheit verteidigen.

1942: Meinungsverschiedenheiten: Der Papst wirbt immer wieder für ein Ende des Krieges; die USA wollen dagegen eine vollständige Kapitulation Hitlerdeutschlands erreichen. Als die Sowjetunion den Alliierten beitritt, wird aus Washington die Bitte an Pius XII. herangetragen, seinen Ton gegenüber dem Kommunismus zu dämpfen. Doch der Papst bleibt bei seiner klaren Kante.

1944: Pius XII. bietet dem New Yorker Erzbischof Francis Joseph Spellman das Amt des Kardinalstaatssekretärs an. Spellman hatte Anfang der 30er Jahre unter Pacelli in Rom gearbeitet. Ein US-Amerikaner als Nummer Zwei des Vatikans? Spellman lehnt ab.

Nach 1945: In den Ländern des entstehenden kommunistischen Ostblocks werden die päpstlichen Nuntiaturen zuweilen Außenposten des Westens. Pius XII. entsendet auch einige US-Amerikaner als Botschafter.

1951: US-Präsident Harry Truman sucht den Papst als Verbündeten und ernennt General Mark W. Clark zum Vertreter Washingtons beim Heiligen Stuhl. Er erhält dafür eine Lawine von Protestbriefen; viele US-Bürger sehen die Trennung von Staat und Kirche bedroht oder fürchten eine Einmischung des Vatikans in die inneren Angelegenheiten der USA. Clark tritt zurück, bevor er das Amt angetreten hat; Truman rudert zurück.

1961: Auch der erste katholische US-Präsident John F. Kennedy wagt keinen Neuanfang - auch gerade weil er als Katholik von vielen US-Protestanten misstrauisch beäugt wird. Anders als die meisten Staaten entsenden die USA 1962 nicht einmal einen Beobachter zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

1970: Richard Nixon schickt wieder einen persönlichen Sondergesandten nach Rom mit dem Auftrag, "von Zeit zu Zeit beim Vatikan vorbeizuschauen". Jimmy Carter und Ronald Reagan übernehmen diese "kleine Lösung".

1979: Präsident Carter empfängt Papst Johannes Paul II. bei dessen erster USA-Reise in Washington.

1983/84: Reagans persönlicher Gesandter William Wilson drängt darauf, das Verhältnis zu normalisieren. Reagan erkennt in dem Polen Johannes Paul II. einen strategischen Partner für sein weltpolitisches Ziel, die Sowjetunion zu bezwingen. Ihm gelingt, dass beide Häuser des US-Kongresses der Änderung des Haushaltsgesetzes von 1867 zustimmen. Die Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" schreibt: "Nach einer Unterbrechung von nunmehr 117 Jahren haben mit Wirkung vom 10. Januar die Vereinigten Staaten von Amerika und der Heilige Stuhl wieder volle diplomatische Beziehungen aufgenommen". Auch diesmal gibt es viel Kritik von konservativen US-Protestanten. Nach einer Klage entscheidet der Bundesgerichtshof der USA, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Rom nicht gegen die Verfassung verstoße.

1993-2001: Diplomatische Verstimmungen gibt es, weil die US-Regierung unter Präsident Bill Clinton weltweit für liberale Abtreibungsgesetze eintritt.

Postkarte mit dem Bild von Johannes Paul II. / © Photoillustrator (shutterstock)
Postkarte mit dem Bild von Johannes Paul II. / © Photoillustrator ( shutterstock )

2003: Johannes Paul II. lehnt so massiv wie vergeblich den US-Krieg unter George W. Bush im Irak ab - auch aus Sorge um die Christen im Nahen Osten.

2009-2017: Unter Präsident Barack Obama tritt wieder das Thema Lebensschutz in den Vordergrund. Der will ein "Recht auf Abtreibung" gesetzlich verankern.

2017-2021: In der ersten Präsidentschaft Donald Trumps wird schnell offensichtlich, wie weit der Kurs des lateinamerikanischen Papstes Franziskus und große Teile der Politik Trumps auseinanderliegen. Die Beziehungen USA-Vatikan erreichen einen Tiefpunkt. 

2021-2025: Unter dem demokratischen US-Präsidenten Joe Biden normalisieren sich auch die Beziehungen zum Heiligen Stuhl wieder. Allerdings wird die kirchenpolitische Annäherung des Vatikans an China in Washington weiter sehr kritisch beobachtet.

 Bilder von Papst Franziskus werden verteilt, während die Gläubigen Papst Franziskus im Petersdom im Vatikan die letzte Ehre erweisen / © Gregorio Borgia/AP (dpa)
Bilder von Papst Franziskus werden verteilt, während die Gläubigen Papst Franziskus im Petersdom im Vatikan die letzte Ehre erweisen / © Gregorio Borgia/AP ( dpa )

2025, Januar: Trump tritt seine zweite Amtszeit als Präsident an. Franziskus versetzt den liberalen Kardinal Robert McElroy ins Hauptstadtbistum Washington. Trump seinerseits ernennt den Franziskus-Kritiker Brian Burch zum US-Botschafter beim Heiligen Stuhl.

2025, Mai: Der US-amerikanische Kurienkardinal Robert Francis Prevost wird zum Papst gewählt. Der Ordensmann, der auch die peruanische Staatsbürgerschaft besitzt, denkt weltkirchlich und wurde von Franziskus gefördert. Trump hatte im Vorfeld einen US-Amerikaner als Papst gefordert - und sich selbst im Papstgewand gepostet.

2026: Trump lässt Venezuelas Diktator Nicolas Maduro festnehmen, einen mexikanischen Drogenboss ermorden und ausländische Öltanker beschlagnahmen. Es folgt ein US-Angriffskrieg gegen den Iran. Papst Leo XIV. kritisiert Selbstvergötzung sowie Verletzungen des Völkerrechts und wird dafür von Trump als "katastrophal" beschimpft. Sich selbst stellt der Präsident in einem Post als heilenden Jesus Christus vor strahlender US-Kulisse dar. International erheben sich Blasphemie-Vorwürfe.