Kirche und Politik reagieren auf Trumps Kritik am Papst

"Unangemessen, vulgär und respektlos"

Mit seiner heftigen Kritik an Papst Leo XIV. hat US-Präsident Donald Trump einige Steine ins Rollen gebracht. Auch in Italiens Kirche und Politik ist das Echo lebhaft. Lateinamerikas Kirche stellt sich ebenfalls hinter den Papst.

Donald Trump / © Jonah Elkowitz (shutterstock)

Die Verbalattacke von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. hat in Italien lebhafte Reaktionen in Kirche und Politik ausgelöst. Die Italienische Bischofskonferenz bekundete Solidarität mit dem Papst. Der Vorstand der größten Bischofskonferenz Europas schloss sich explizit dem Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz an. Erzbischof Paul Coakley hatte erklärt, der Papst sei kein politischer Gegner, sondern als Nachfolger Petri berufen, Frieden, Wahrheit und dem Evangelium zu dienen.

Erzbischof Paul Coakley (Erzbistum Oklahoma City)

Italiens Kirche bekundete Leo zudem Nähe und Zuneigung und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass alle ihm den gebührenden Respekt für seine Person und sein Amt entgegenbringen. Mehrere katholische Laien-, Jugend- und Studentenorganisationen teilten mit, sie fänden Trumps Äußerungen "unangemessen, vulgär und respektlos".

In der Politik reagiert zuerst die Linke

In Italiens Politik reagierten zuerst Politiker des linken Spektrums und bekundeten Abscheu für Trumps Papst-Kritik; sie stellten sich auf die Seite der jüngsten päpstlichen Friedensbotschaften. Die Parteivorsitzende der Linksdemokraten, Elly Schlein, schrieb: "Den Papst wegen seines eindringlichen Appells für Frieden, Dialog und die Würde des Menschen zu beleidigen, ist ein äußerst schwerwiegender Akt, der eine Kultur der Unterdrückung offenbart, die keine freien Stimmen duldet!"

Erst mit einigen Stunden Verzögerung reagierten auch die Spitzen der regierenden Mitte-Rechts-Koalition. Regierungschefin Giorgia Meloni sandte zunächst nur ein sehr allgemeines Signal und schrieb: "Möge das Wirken des Heiligen Vaters, dem Weg seiner Vorgänger folgend, zur Beilegung von Konflikten und zur Wiederherstellung des Friedens beitragen."

Papst Leo XIV. empfängt die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. empfängt die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Archivbild: Papst Leo XIV. empfängt Giorgia Meloni

Auch Außenminister Antonio Tajani bekundete anfangs nur allgemein Respekt für den Papst. Schließlich reagierte Lega-Chef Matteo Salvini und nannte Trumps Kritik am Papst in einem TV-Interview "weder sinnvoll noch klug". Der Papst sei ein Symbol des Friedens und ein geistlicher Führer für mehr als eine Milliarde Katholiken.

Von Panama bis Chile 

Die Angriffe von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. haben auch unter Katholiken in Lateinamerika eine Welle der Solidarität mit dem Kirchenoberhaupt ausgelöst. "Wir haben einen konsequenten Anführer, der uns einen Weg ohne Umkehr aufzeigt: den Frieden stets und unter allen Umständen zu fördern", schrieb der chilenische Kardinal Fernando Chomalí im Kurznachrichtendienst X.

Papst Leo XIV. sei geprägt von jahrelangem Gebet, Studium und der Nähe zu den Armen. "Dies hat in ihm ein Herz geformt, das sich den Schwachen zuwendet. Er zieht es vor, Gott zu gehorchen statt den Menschen", so Chomalí, der Erzbischof von Santiago de Chile ist. Leos Mut entspringe seinen tiefsten Überzeugungen, nicht seinen Leidenschaften.

Der Erzbischof von Lima, Kardinal Carlos Castillo Mattasoglio  (VN)
Der Erzbischof von Lima, Kardinal Carlos Castillo Mattasoglio / ( VN )

Der peruanische Kardinal Carlos Castillo erklärte: "Wir bekunden unsere Unterstützung angesichts der Äußerungen eines Staatsoberhauptes, das versucht hat, einen Papst zu diskreditieren, der seine Mission erfüllt, die Mission Jesu." Er bekunde seine uneingeschränkte Solidarität mit Papst Leo XIV.

An das Gewissen der Menschheit

Die brasilianische Bischofskonferenz schrieb in einer Stellungnahme, die geistliche und moralische Autorität des Papstes orientiere sich nicht an der Logik der politischen Konfrontation, sondern an der Treue zum Evangelium, "das sich unablässig für den Frieden, die Menschenwürde und den Dialog zwischen den Völkern einsetzt". Die brasilianischen Bischöfe bekräftigten die Gemeinschaft und Einheit mit Papst Leo. Gemeinsam stehe man für die Werte, "die das christliche Gewissen erleuchten und die Hoffnung der Menschheit stützen".

In Mittelamerika meldete sich die Bischofskonferenz aus Panama zu Wort. Die von Erzbischof José Domingo Ulloa und Bischof Luis Enrique Saldaña unterzeichnete Erklärung stellte heraus, das Amt des Papstes sei ein geistliches und kein politisches. Seine Worte seien ein Dienst am Gewissen der Menschheit.

Trumps verbale Ausfälle

Trump hatte den Papst wegen dessen Kritik am Iran-Krieg unter anderem als "schwach" gegenüber Kriminalität und als "Katastrophe" in der Außenpolitik bezeichnet. Castillo schrieb dazu, der Papst stehe aus ethischer und christlicher Sicht für die wahre Form des Christentums. Dabei gehe es um die Befriedung der Welt und Begegnung zwischen den Menschen.

Robert Francis Prevost (Papst Leo XIV.)

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Robert Francis Prevost gilt als ein Kardinal der Mitte. Obwohl US-Amerikaner ist der Ordensmann in Rom, der Kurie und der Weltkirche zu Hause. Zuletzt leitete der 69-Jährige die Vatikanbehörde für Bischöfe, quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. In dieser Funktion war Prevost in den vergangenen zwei Jahren zuständig für einen Großteil der Bischofsernennungen weltweit.

Papst Leo XIV / ©  Andrew Medichini/AP (dpa)
Papst Leo XIV / © Andrew Medichini/AP ( dpa )
Quelle:
KNA