Papst Leo XIV. steht in regelmäßigem Kontakt mit seinen Brüdern

"Wir sprechen uns täglich"

Papst Leo XIV. hält den Kontakt zu seiner Familie trotz seines Amtes als Kirchenoberhaupt überraschend eng, erzählt sein Bruder John Prevost in einem Interview. Doch über Politik wird am Telefon kaum gesprochen.

Papst Leo XIV. begrüßt seinen älteren Bruder Louis Prevost im Petersdom anlässlich seiner Amtseinführung am 18. Mai 2025 im Vatikan. / © Lola Gomez/CNS photo/KNA (KNA)
Papst Leo XIV. begrüßt seinen älteren Bruder Louis Prevost im Petersdom anlässlich seiner Amtseinführung am 18. Mai 2025 im Vatikan. / © Lola Gomez/CNS photo/KNA ( KNA )

Papst Leo XIV. steht in regelmäßigem Kontakt mit seinen beiden Brüdern John und Louis Prevost. "Wir sprechen uns täglich", so John Prevost über sein persönliches Verhältnis zu Leo XIV. in einem am Montag im Internet veröffentlichten Interview der französischen Zeitung "La Croix".

Privates statt Politik

Über Entscheidungen oder die Politik des Papstes sprächen beide jedoch eher nicht, fügte Prevost hinzu. "Wahrscheinlich, weil ich nicht alle diese Leute kenne. Und wenn wir telefonieren, ist es bei ihm meist schon gegen 22.30 Uhr, da macht es keinen Sinn, vor dem Schlafengehen in so schwere Themen einzutauchen." Stattdessen spielten sie weiterhin Words with friends und Wordle, zwei Online-Buchstabenspiele.

John Prevost, der Bruder des neuen Papstes Leo XIV., hält ein Porträt der drei Prevost-Brüder aus dem Jahr 1958 in der Hand / © John J. Kim (dpa)
John Prevost, der Bruder des neuen Papstes Leo XIV., hält ein Porträt der drei Prevost-Brüder aus dem Jahr 1958 in der Hand / © John J. Kim ( dpa )

Schwer falle ihm jedoch immer noch zu akzeptieren, dass sein Bruder, mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, mit seiner Wahl zum Papst nicht mehr in den Kreis der Familie und in seine Heimat zurückkehren könne, so Prevost. "Ich habe mir ein neues Auto gekauft, habe es Rob erzählt, und er meinte, er werde es nie fahren können – dabei ist das eine seiner Lieblingsbeschäftigungen", sagte Prevost. Er habe gespürt, wie sehr dieser Umstand auf dem Papst laste.

Einmal in der Woche Gespräche mit Louis

Mit Louis, dem dritten Bruder, der US-Präsident Donald Trump unterstützt, redeten er und der Papst einmal in der Woche, so John Prevost weiter. "Louis äußert sich mittlerweile zurückhaltender zu seinen politischen Ansichten", sagte Prevost.

Man gehe bei den Gesprächen untereinander zurückhaltend mit politischen Themen um. "Es hat derzeit keinen Sinn, sich über solche Dinge zu streiten. Wir wissen, dass niemand die Meinung eines anderen ändern kann, also bringt es nichts, sich zu streiten." Auf Englisch fügte Prevost hinzu: "We all know where we stand" – "Wir alle wissen, wo wir stehen".

Papstbruder: Leo XIV. wägt seine Worte sehr genau

Papst Leo XIV. überdenkt nach den Worten seines Bruders John Prevost seine öffentlichen Einlassungen sehr genau. Er habe ihn deswegen immer aufgezogen, bekannte Prevost in dem Interview weiter. "Ich sagte zu ihm: Wenn ich dir eine Frage stelle, weiß ich, dass ich das Abendessen vorbereiten und wieder zurückkommen kann – du wirst immer noch dabei sein, deine Antwort zu formulieren!"

Das Ganze habe sich zu einem Running Gag zwischen den Brüdern entwickelt, sagte Prevost. "Aber es stimmt, dass er äußerst bedacht in seinen Äußerungen und sehr diplomatisch ist. Und als Papst sagt er, was er empfindet oder was gesagt werden muss, ohne jedoch mit dem Finger auf jemanden zu zeigen."

Klare Position bei Palmsonntagspredigt

Als Beispiel verwies Prevost auf die Predigt von Leo XIV. am Palmsonntag. Dabei hatte der Papst betont, dass Gott den Krieg ablehne und nicht das Gebet derer erhöre, die Krieg führen, denn ihre Hände seien voller Blut. Ohne dass Leo XIV. einen Namen nannte, habe die Welt verstanden, von wem sein Bruder spreche, sagte Prevost.

Er habe seinen Bruder auf diesen Satz angesprochen, so Prevost. "Er sagte zu mir: 'Man kann Jesus nicht bitten, anderen Menschen zu schaden.' Und er fügte hinzu: 'Das habe ich mir nicht ausgedacht, das steht in der Bibel!'"

Robert Francis Prevost (Papst Leo XIV.)

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Robert Francis Prevost gilt als ein Kardinal der Mitte. Obwohl US-Amerikaner ist der Ordensmann in Rom, der Kurie und der Weltkirche zu Hause. Zuletzt leitete der 69-Jährige die Vatikanbehörde für Bischöfe, quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. In dieser Funktion war Prevost in den vergangenen zwei Jahren zuständig für einen Großteil der Bischofsernennungen weltweit.

Papst Leo XIV / ©  Andrew Medichini/AP (dpa)
Papst Leo XIV / © Andrew Medichini/AP ( dpa )
Quelle:
KNA