Weltkirche-Bischof Meier sichert Unterstützung für bosnische Kirche

"Narben sind noch sichtbar"

Auch 30 Jahre nach dem Krieg belastet dieser den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bosnien und Herzegowina. Das ist die Bilanz von Weltkirche-Bischof Meier nach seinem Besuch in dem Land. Doch er sieht auch hoffnungsvolle Ansätze.

Katholiken im Erzbistum Vrhbosna bei einer Prozession (Kirche in Not)
Katholiken im Erzbistum Vrhbosna bei einer Prozession / ( )

Die Katholiken in Bosnien und Herzegowina brauchen aus Sicht des Weltkirche-Bischofs Bertram Meier weiterhin Unterstützung aus Deutschland. "Wir stehen solidarisch an der Seite der Katholikinnen und Katholiken in der Region", sagte der Augsburger Bischof am Freitag zum Abschluss seines viertägigen Besuchs in der Hauptstadt Sarajevo.

Bertram Meier, Bischof von Augsburg / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Bertram Meier, Bischof von Augsburg / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Die Katholiken in Bosnien und Herzegowina, hauptsächlich bestehend aus der kroatischen Bevölkerungsminderheit, hätten keine eigene politische Vertretung, so Meier. Zudem wanderten gerade immer mehr junge Katholikinnen und Katholiken nach Kroatien oder Westeuropa ab.

Die Bedingungen, um das kirchliche Leben in dem Balkanstaat aufrechterhalten zu können, seien schwierig. Trotzdem bleibe die katholische Kirche ein zentraler Akteur des sozialen Engagements und der Verständigung zwischen den verschiedenen Gruppen, betonte der Bischof.

Versöhnung durch interreligiösen Dialog

Auch die Zeit des Bosnienkrieges (1992–1995) sei noch spürbar und erschwere teilweise den Dialog. "Es wurden Wunden geschlagen, deren Narben nach wie vor sichtbar sind. Und es fällt weiterhin schwer, das Leid des jeweils Anderen anzuerkennen und auf gemeinsame Sichtweisen hinzuarbeiten", erklärte Meier. 

Dennoch gebe es einen regen interreligiösen Dialog zwischen Katholiken, orthodoxen Christen und Muslimen, dem eine hohe Bedeutung zukomme. Dieser Dialog könne dazu beitragen, Spaltungen zu überwinden und den Zusammenhalt zu stärken.

Neben Vertretern anderer Religionsgemeinschaften traf Meier bei seinem Besuch den Angaben zufolge auch den deutschen Botschafter vor Ort, Alfred Grannas, sowie den Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft für Bosnien und Herzegowina, den CSU-Politiker Christian Schmidt. Bei Gesprächen mit beiden sei es auch um die Perspektive des EU-Beitritts für den Balkanstaat gegangen.

Sarajevo - ein Schicksalsort im 20. Jahrhundert

Die Anfänge von Sarajevo, heute die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas mit knapp 300.000 Einwohnern, gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Die Stadt entwickelte sich, auch durch jüdischen Zuzug im 16. Jahrhundert, zu einem der wichtigsten Handelszentren auf dem Balkan und zu einem Glanzstück osmanischer Architektur. Auf einen Niedergang im 18. und 19. Jahrhundert folgte eine weitere wirtschaftliche und städtebauliche Blütezeit in der österreichisch-ungarischen Epoche (1878-1918).

Blick über Sarajevo / © Friederike Seeger (DR)
Blick über Sarajevo / © Friederike Seeger ( DR )
Quelle:
KNA