Schauspieler Mario Adorf ist am Mittwoch im Alter von 95 Jahren gestorben. Die Schauspiellegende sei nach kurzer Krankheit am Mittwochvormittag in seiner Wohnung in Paris eingeschlafen.
Adorf hat im Laufe seiner fast sieben Jahrzehnte währenden Karriere an zahlreichen Produktionen für Theater, Film und Fernsehen mitgewirkt. Er spielte in über 200 Film- und TV-Produktionen mit. Auch als Sprecher und Autor machte er sich einen Namen.
Zu Adorfs bekanntesten Rollen zählen der Bösewicht Santer in der Winnetou-Trilogie von Harald Reinl, Generaldirektor Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie "Kir Royal" oder 2018 Karl Marx in der ZDF-Produktion "Der deutsche Prophet". Immer wieder arbeitete der Schauspieler mit renommierten deutschen und internationalen Regisseuren zusammen, darunter Rainer Werner Fassbinder, Sam Peckinpah oder Sergio Corbucci.
Er spielte außerdem mehrere Päpste wie Sixtus V. und Urban VIII. Für die ARD-Produktion "Der Prozess Galileo Galilei" befragte Adorf 1989 als Reporter den damaligen Kurienkardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI.
Erster großer Erfolg 1957
Seinen Durchbruch hatte der Schauspieler 1957 mit "Nachts, wenn der Teufel kam". Unter der Regie von Robert Siodmak verkörperte er Bruno Lüdke, der unter dem NS-Regime des Mordes in 53 Fällen beschuldigt und 1944 ermordet wurde.
Später haderte Adorf mit der Rolle, weil sich herausstellte, das Lüdke unschuldig war. Er wolle dazu beitragen, Lüdke zu rehabilitieren, vertraute Adorf vor einigen Jahren der "Zeit" an. "Das Beste fände ich, man würde einen neuen Film drehen und diesmal die wahre Geschichte erzählen." Auf Betreiben Adorfs wurde 2021 vor Lüdkes Elternhaus in Berlin-Köpenick ein Stolperstein verlegt.
Als Weltstar sehe er sich nicht, sagte Adorf der "Hörzu". "Weltstars – das sind die Amerikaner. Andere gibt es kaum, vielleicht mal eine Brigitte Bardot oder eine Sophia Loren."
Aufgewachsen im Eifelort Mayen
Geboren wurde Adorf am 8. September 1930 in Zürich als Sohn der deutschen Röntgenassistentin Alice Adorf und des italienischen Arztes Matteo Menniti. Seinen Vater sah Adorf nur ein einziges Mal.
Seine Kindheit verbrachte Adorf in Mayen. Zu der Kleinstadt in der Nähe von Koblenz hatte er bis zuletzt eine sentimentale Bindung.
"Heimat ist für mich Mayen in der Eifel, das ist das Rheinland im weiteren Sinne", sagte er einmal in einem Interview der Deutschen Welle. "Eine Heimat hat man nur eine. Zu Hause kann ich mich überall fühlen." Später lebte Adorf in München, Rom, Paris und Saint Tropez.
Der Schauspieler war in zweiter Ehe mit der Französin Monique Faye verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Lis Verhoeven stammt seine Tochter Stella, die ebenfalls Schauspielerin ist.
Keinen Zugang zu Religion
In dem berührenden Band "Mit einer Nadel bloß" schilderte der Schauspieler, wie die alleinerziehende Alice in einem konservativen Milieu als Schneiderin ihren Sohn durch Not und Elend brachte – auch wenn sie ihn zeitweilig in einem von Benediktinerinnen geführten Waisenhaus unterbringen musste. Der junge Adorf erlebte den Aufstieg der Nationalsozialisten in der Provinz mit und wenige Jahre später die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.
Zur Sphäre des Religiösen, das hat der Schauspieler immer wieder erklärt, fand er keinen Zugang. Er sei unfähig zu glauben, aber dennoch nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten, vertraute er einmal der Illustrierten "Bunte" an. "Ich wollte nicht, dass es so aussieht, als sagte ich mich vom Glauben nur los, um die Kirchensteuer zu sparen."
Einsatz für die Demokratie
Auch im hohen Alter hat sich Adorf eine enorme Vitalität bewahrt. Geschichtsvergessenheit und einen Hang zu einem autoritären Politikstil prangerte er zuletzt wiederholt an. "Unsere Demokratie muss erhalten bleiben", mahnte er 2024 bei einem Foyergespräch im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt.
(Quelle: KNA)