Der Iran hat einer von US-Präsident Donald Trump angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt. Das berichtete die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim. Trump hatte die Öffnung der Straße von Hormus zur Bedingung für die Feuerpause gemacht.
Dies hat Irans Außenminister nun im Rahmen einer Waffenruhe angekündigt. In Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen soll der Schiffsverkehr in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge ermöglicht werden, schrieb Abbas Araghtschi in einer Erklärung.
Vertreter des Irans haben der US-Regierung in Washington einen Zehn-Punkte-Plan als Vorschlag für ein dauerhaftes Kriegsende übermittelt. Trump schrieb auf Truth Social, dass dieser eine "praktikable Grundlage für Verhandlungen bietet". Am Freitag soll es Gespräche zwischen Vertretern Irans und der USA in Pakistan geben.
Leo XIV.: "Drohungen nicht akzeptabel"
Kurz zuvor hatte Trump damit gedroht, bis zum Mittwochmorgen eine ganze Zivilisation auszulöschen. Diese neue verbale Eskalation hatte am Dienstag international starken Widerspruch ausgelöst. Sowohl Papst Leo XIV. als auch die UN verurteilten die Äußerungen des US-Präsidenten.
Leo XIV. bezeichnete die Drohung als "nicht akzeptabel". Die Androhung weitreichender Vernichtung der Infrastruktur sei nicht nur ein Verstoß gegen das Völkerrecht, sondern zeige auch "Hass und den Willen zur Zerstörung". Dem sollten die Menschen den Einsatz für Frieden entgegensetzen, sagte der Papst am Dienstagabend vor Journalisten in seiner Residenz in Castel Gandolfo.
"Dieser Krieg löst keine Probleme"
Leo rief die Menschen in allen betroffenen Ländern auf, sich an ihre Regierungen und "an ihre Kongressabgeordneten zu wenden und ihnen zu sagen, sie sollten den Krieg ablehnen". Nach Meinung vieler sei dieser Krieg ein ungerechter Krieg, und nun eskaliere er immer weiter. In diesem Kontext ging der Papst auch auf die weltweite Wirtschaftskrise in Folge des Irankriegs ein und sagte, dieser Krieg löse keine Probleme. Vielmehr führe er zu einer äußerst instabilen Lage im Nahen Osten und provoziere immer mehr Hass weltweit.
Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Paul Coakley. "Die Drohung, eine ganze Zivilisation zu zerstören, und die gezielten Angriffe auf zivile Infrastruktur können moralisch nicht gerechtfertigt werden", so der Erzbischof von Oklahoma City in einer Mitteilung. "Es gibt andere Wege, Konflikte zwischen Völkern zu lösen. Ich rufe Präsident Trump dazu auf, vom Abgrund eines Krieges zurückzutreten und im Interesse des Friedens sowie bevor noch mehr Menschenleben verloren gehen, eine gerechte Einigung auszuhandeln."
UN: "Das ist widerwärtig"
Auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk nannte die Äußerungen inakzeptabel. "Das ist widerwärtig", betonte Türk und fügte hinzu: "Nach internationalem Recht ist der vorsätzliche Angriff auf Zivilisten und zivile Infrastruktur ein Kriegsverbrechen. Jeder, der für internationale Verbrechen verantwortlich ist, muss von einem zuständigen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden."
Der UN-Menschenrechtskommissar rief alle am Konflikt im Mittleren Osten beteiligten Parteien zur Mäßigung auf. Die internationale Gemeinschaft müsse dringend Schritte zu einer Deeskalation unternehmen. Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach und insbesondere auf Sozialen Netzwerken dem Iran gedroht, sollte dieser nicht einlenken und die Straße von Hormuz wieder für den Schiffsverkehr freigeben.
Dabei war der US-Präsident auch vor Beleidigungen nicht zurückgeschreckt. In seinem jüngsten auf seinem Netzwerk Truth Social verbreiteten Beitrag schrieb Trump wörtlich: "Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals zurückkehren."
Weltkirchenrat: Widerspruch zum Frieden
Der Weltkirchenrat kritisierte bewusste Grenzüberschreitungen in der Kriegsrhetorik sowie zunehmende Verstöße gegen Recht und Ethik in Konflikten. Diese seien "dem moralischen Gewissen der Menschheit zuwider und stehen in völligem Widerspruch zu dem Bestreben, Frieden und Sicherheit in der Welt zu suchen", erklärten der Vorsitzende des Zentralausschusses des ökumenischen Gremiums, der deutsche evangelische Theologe Heinrich Bedford-Strohm, und Generalsekretär Jerry Pillay.