Kloster Ettal kämpft um seine Schule

Zunehmende Finanznot

Droht dem renommierten Gymnasium im oberbayerischen Ettal das Aus? Die Benediktiner sind nicht mehr in der Lage, aus eigenen Mitteln das jährliche Defizit für den Schulbetrieb auszugleichen. Nun hoffen sie auf Hilfe vom Landkreis.

Kloster Ettal / © Renardo Schlegelmilch (DR)
Kloster Ettal / © Renardo Schlegelmilch ( DR )

Die Benediktiner des oberbayerischen Klosters Ettal bangen um den Erhalt ihres renommierten Gymnasiums. So erweise sich die Schule als zunehmend defizitär; zuletzt sei jährlich ein Minus von 450.000 bis 500.000 Euro angefallen. 

Der "Münchner Merkur" hatte als erstes über die Finanzsorgen des Ordens berichtet. Dieser hofft nun, der Landkreis könnte mit Zuschüssen helfen, eine drohende Schließung abzuwenden. Den Schulbetrieb weiter nur mit klösterlichen Mitteln zu subventionieren, sei nicht möglich.

Kein Anspruch auf Zuwendung

Wie der Cellerar des Ordens, Pater Johannes Bauer, auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) an Ostern ausführte, ist das Ettaler Gymnasium kein "Profit-Center". Die katholische Privatschule werde zwar nach dem Bayerischen Schulfinanzierungsgesetz gefördert, einen unmittelbaren Anspruch auf eine Zuwendung aus dem Landkreis habe sie indes genauso wenig wie einen auf Kirchensteuermittel. 

Der Betrieb finanziere sich durch freiwillige Zuschüsse unter anderem der Erzdiözese München und Freising sowie aus privatem Schulgeld, so der Pater.

Kloster Ettal (dpa)
Kloster Ettal / ( dpa )

Das in der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöste Kloster war 1900 wiederbegründet worden. Auf Verlangen der damaligen königlich-bayerischen Regierung sollte dort eine Lateinschule einrichtet werden. Im laufenden Schuljahr besuchen 242 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium. Die Benediktiner wollten an der Schule festhalten, erklärte der Cellerar. Als ein Zeichen sollten die 2024 auf eigene Kosten generalsanierten Außensportanlagen gesehen werden.

Der Orden sei sich bewusst, dass der Landkreis und die Erzdiözese auf ihre Haushalte schauen müssten, räumte Pater Johannes ein. Das gelte aber auch für das Kloster. Da über 95 Prozent der Schülerschaft aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen stammten, habe man sich an diesen gewandt, um finanzielle Hilfe zu erbitten. Selbst wenn nur ein gewisser Prozentsatz des Gastschulbeitrags als Förderung zur Verfügung gestellt würde, wäre dies eine Leistung, die letztlich dem Landkreis zugute käme.

Personalkosten als Treiber

Hauptkostenfaktor sind nach Angaben des Ordens die Personalkosten. In den vergangenen Jahren sei der Anteil der selbst als Lehrer ausgebildeten Benediktiner deutlich zurückgegangen. Derzeit könnten durch Mitbrüder nur noch gut drei der 30 Lehrkräfte gestellt werden, von denen zwei in Teilzeit arbeiteten, so der Cellerar. Früher seien es bis zu acht Ordensleute gewesen. Dazu kämen die allgemeinen Kostensteigerungen bei Energie oder Instandhaltung. Auch Angestellte wie Sekretärinnen, Hausmeister oder Reinigungskräfte müssten bezahlt werden.

Klosterbrauerei Ettal liefert nicht nur Bier / © Matthias Fend (Kloster Ettal)
Klosterbrauerei Ettal liefert nicht nur Bier / © Matthias Fend ( Kloster Ettal )

Die Mittel, die die Benediktiner selbst zuschössen, kämen in erster Linie aus der Ettaler Klosterbetriebe GmbH, so der Cellerar. Dabei handele sich um Mieten für die Überlassung von Gebäuden und Räumen. Es sei aber kein Geheimnis, dass die Betriebszweige Brauerei und Spirituosen, die dem Orden früher gute Einnahmen brachten, derzeit branchen- und bundesweit schwächelten.

Weiter gab Pater Johannes zu bedenken, dass die Gewinne aus den Gewerbebetrieben schon versteuert seien. Das Kloster leiste letztlich einen doppelten Beitrag zur Allgemeinheit. Denn es zahle über seine Betriebe, zu dem auch ein Hotel gehört, Steuern und stelle einen Großteil des versteuerten Gewinns wieder der Allgemeinheit für Schule und Denkmalschutz zur Verfügung. Denn es dürfe nicht vergessen werden, Kloster Ettal sei ein internationales Baudenkmal, das jährlich hohe Mittel für seinen Erhalt benötige.

Benediktiner

Die Benediktiner sind die älteste heute noch bestehende klösterliche Bewegung der katholischen Kirche im Westen. Der Orden geht zurück auf die Regel des heiligen Benedikt von Nursia (480-547).

In seiner heutigen Form wurde er 1893 von Papst Leo XIII. (1878-1903) gebildet. Als benediktinisch im weiteren Sinne gelten alle Ordensgemeinschaften, die nach der Regel Benedikts leben, etwa Zisterzienser und Trappisten.

Die Basilika der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier (shutterstock)
Die Basilika der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier / ( shutterstock )
Quelle:
KNA