ZDF-Doku zeigt Papst Leo XIV als ruhigen Brückenbauer

Hautnah statt nur dabei

Fast ein Jahr ist der "neue" Papst Leo XIV. inzwischen im Amt. In einer Dokumentation blickt ZDF-Journalist und Papst-Kenner Jürgen Erbacher auf die bisherige Amtszeit zurück und wagt einen Blick in die Zukunft der katholischen Kirche.

Autor/in:
Wolfgang Wittenburg
Menschen fotografieren Papst Leo XIV. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Menschen fotografieren Papst Leo XIV. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Erstmals hat die katholische Kirche mit Robert Francis Prevost, so sein bürgerlicher Name, ein Oberhaupt mit US-amerikanischem Pass. Er wurde von mehr als 130 Kardinälen zum Nachfolger von Papst Franziskus gewählt, der am Ostermontag 2025 gestorben war. Pünktlich zu seinem ersten Osterfest im Amt blickt die ZDF-Dokumentation "Leo XIV. - Ein Papst sucht seinen Kurs" am Ostersonntag, 5. April, von 23.30 bis 0.15 Uhr, auf die bisherige Amtszeit zurück und wagt auch einen Blick in die Zukunft der katholischen Kirche.

Am 8. Mai 2025 war es so weit: Weißer Rauch stieg auf über der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Traditionell wird damit die erfolgreiche Wahl eines neuen Papstes signalisiert ("Habemus Papam"). Obwohl viele Beobachter angesichts der Polarisierung in der katholischen Kirche ein langes Konklave vorhergesagt hatten, fand sich im vierten Wahlgang ein neuer Pontifex.

Papstfilm zum Osterfest

Für den ZDF-Journalisten Jürgen Erbacher war der bevorstehende Jahrestag Anlass für die Doku. Hinzu kommt, dass der Papst über Ostern eine starke Präsenz in den Medien hat. Viele Menschen in Deutschland fragen sich, wohin Leo XIV. die 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken weltweit führen wird. "Deshalb war für uns der Zeitpunkt gut, einen solchen Film zum Fest zu realisieren", sagt Erbacher, Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben, im Austausch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Jürgen Erbacher, ZDF-Kirchenexperte / © Rico Rossival (zdf)
Jürgen Erbacher, ZDF-Kirchenexperte / © Rico Rossival ( zdf )

Auf vielen Stationen dieses Weges war und ist Erbacher dabei, begleitet den Papst als Berichterstatter hautnah. In der Doku kommen vier Expertinnen und Experten zu Wort; darunter Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, der im Konklave dabei war. Im Film betont er: "Ich glaube nicht, dass es eine Mehrheit der Kardinäle gab, die sich von Papst Franziskus distanzieren wollte. Eine große Mehrheit der Kardinäle war der Meinung, dass dieses Pontifikat ein großes Geschenk für die Kirche war. Gerade weil es so außergewöhnlich war, auch ein bisschen disruptiv, war die Erwartung: bitte nicht einfach eine Kopie. Das wäre eine Karikatur geworden. Und deswegen ergibt sich jetzt vielleicht einfach einmal ein Papst, der ruhiger an die Sachen herangeht."

Papst Leo als Kenner vieler Kulturen

Gesprochen wird auch mit dem Würzburger Augustinerpater Franz Klein, der mit dem Ordensoberen Prevost viele Jahre in der römischen Zentrale des Augustinerordens gearbeitet hat. Pater Klein stellt aufgrund der Biografie Prevosts - geboren und studiert in den USA, gearbeitet in Peru und Rom - fest: "Ich glaube nicht, dass es bisher schon einmal einen Papst gegeben hat, der so viele Kulturen und Menschen wirklich hautnah miterlebt hat wie Papst Leo."

Papst Leo XIV. feiert eine Messe im Libanon / © Domenico Stinellis/AP (dpa)
Papst Leo XIV. feiert eine Messe im Libanon / © Domenico Stinellis/AP ( dpa )

Klein teilt im Film auch seine Sicht auf Unterschiede im Charakter von Franziskus und Leo. Ihre persönlichen Eindrücke schildert Helena Jeppesen-Spuhler; die Schweizerin hat Kardinal Prevost 2023/24 beim weltweiten synodalen Prozess erlebt: "Was für mich als Mitglied der Synode wichtig war: dass er sofort bestätigt hat, dass der synodale Prozess weitergeht; dass eine synodale Kirche, wie es Papst Franziskus gesagt hat, die Kirche für das dritte Jahrtausend ist. Und daran ließ Papst Leo keinen Zweifel."

Sein Ziel ist: Frieden

Der interessante Film von Jürgen Erbacher wirft einen Blick auf zentrale Anlässe des ersten Jahres im Amt; darunter Reisen, das Wirken des neuen Papstes im Vatikan, aber auch kleine Begegnungen. Begleitet hat das Filmteam ein Treffen bei der Heilig-Jahr-Feier von Jugendlichen im Sommer 2025 mit einer Million Teilnehmenden genauso wie den Besuch in einer römischen Pfarrei in einem Brennpunktviertel. Für Erbacher sind das Auftritte, die Zeichen setzen: "Dabei zeigt sich, dass Leo XIV. im Großen wie im Kleinen vor allem ein Ziel hat, Menschen ins Gespräch zu bringen, Dialog zu fördern und damit das große Thema seines ersten Auftritts zu verwirklichen: Frieden."

Mit Blick auf die Zukunft erklärt Erbacher den Kurs des neuen Papstes so: "Leo XIV. wurde gewählt, um Brücken zu bauen. Das erfordert viel Zuhören - auf allen Seiten. Entscheidungen brauchen daher viel Zeit - was Geduld erfordert, die viele Gläubige aber nicht mehr haben." Das erzeuge auch Spannungen und den Druck, dass Papst Leo vom Modus des Zuhörens in den Modus des Handelns und Entscheidens kommt. Sein Kurs: Brückenbauen, Raum für Dialog öffnen.

Die erste Predigt von Papst Leo XIV. im Wortlaut

Der Heilige Vater begann mit einigen frei gesprochen Worten in englischer Sprache: 

„Ich beginne mit einigen Worten in Englisch, und fahre dann auf Italienisch fort. Aber ich möchte die Worte des Antwortpsalms wiederholen: „Ich will dem Herrn singen ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht.“

Gottesdienst mit Papst Leo XIV. in der Sixtina / © Romano Siciliani (KNA)
Gottesdienst mit Papst Leo XIV. in der Sixtina / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA