Lübecker Kreuzweg mit Bischöfen Fehrs und Heße am Karfreitag

Tradition seit dem 15. Jahrhundert

Zum wohl ältesten Kreuzweg Deutschlands werden am Karfreitag in Lübeck wieder mehrere hundert Menschen erwartet. Im Mittelpunkt der traditionellen ökumenischen Prozession steht in diesem Jahr ein aktuelles politisches Thema.

 Archivbild: Station beim Relief auf dem Jerusalemsberg auf dem Lübecker Kreuzweg am Karfreitag 2017 mit Stefan Heße (l.), Erzbischof von Hamburg, und Bischöfin Kirsten Fehrs (2.v.l.) / © Marco Heinen (KNA)
Archivbild: Station beim Relief auf dem Jerusalemsberg auf dem Lübecker Kreuzweg am Karfreitag 2017 mit Stefan Heße (l.), Erzbischof von Hamburg, und Bischöfin Kirsten Fehrs (2.v.l.) / © Marco Heinen ( KNA )

Er gilt als ältester Kreuzweg in Deutschland: Auch in diesem Jahr wollen katholische und evangelische Christen gemeinsam den Lübecker Kreuzweg gehen. Die Teilnehmer ziehen mit einem Holzkreuz durch die Altstadt und erinnern bei fünf Stationen an das Leiden und Sterben Jesu. Die ökumenische Prozession steht in diesem Jahr unter der Überschrift "Machtspiele", wie das Erzbistum Hamburg auf seiner Internetseite mitteilt. 

Es sprechen dort unter anderen die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Lübecker Bischöfin Kirsten Fehrs sowie der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße. "In direkten Gesprächen und in den Sozialen Netzwerken thematisieren Menschen jeden Alters wachsende Gefühle von Mutlosigkeit und Ohnmacht angesichts politischer Entscheidungen", erklärte die evangelische Lübecker Pröpstin Petra Kallies. Es koste viele derzeit viel Kraft, diesen "Machtspielen" Zuversicht und Hoffnung entgegenzusetzen.

Kritik an "Machtspielen der Großen"

Auch der katholische Propst Christoph Giering betonte die Aktualität des Themas: "Wir werden immer häufiger Zeitzeugen für die Machtspiele der Großen, die ihre Mittel drastisch einsetzen." Der Kreuzweg erinnere daran, dass Jesus seine Macht anders genutzt habe; besonders für Menschen am Rand der Gesellschaft.

Der Lübecker Kreuzweg wurde Ende des 15. Jahrhunderts angelegt. Kirchenhistoriker halten ihn für den ältesten in Deutschland. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert geriet er zunächst in Vergessenheit. Seit 1994 wird er wieder jährlich am Karfreitag von katholischen Christen gegangen, seit 2002 gemeinsam mit der evangelischen Kirche.

Weg entspricht Jesu Leidensweg in Jerusalem

Der Weg ist mit 1.650 Metern exakt so lang wie die "Via dolorosa" in Jerusalem. Diesen Weg soll Jesus nach seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zum Ort der Kreuzigung gegangen sein. Von den sieben ursprünglichen Lübecker Kreuzwegstationen sind nur noch die erste und letzte erhalten. 2013 wurden für insgesamt fünf Stationen moderne Skulpturen geschaffen.

Neben Fehrs und Heße sollen auch die schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Anette Röttger (CDU), der Bundeswehroffizier Frank-Eckhard Brand und die Klimaaktivistin Sophia Marie Pott geistliche Impulse geben. Beginn ist um 10.00 Uhr an der Kirche Sankt Jakobi.

Karfreitag

Am Karfreitag gedenken die Christen des Leidens und Sterbens Jesu. Theologisch ist der Feiertag untrennbar mit Ostern als dem Fest der Auferstehung verbunden.

Das Wort "Kar" kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Kummer". Karfreitag gedenken Katholiken und Protestanten der Kreuzigung Jesu. Neben Aschermittwoch ist dies der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Buß- und Fasttag gilt.

Karfreitag ist ein stiller Feiertag (dpa)
Karfreitag ist ein stiller Feiertag / ( dpa )
Quelle:
KNA