DOMRADIO.DE: Sie feiern die Karwoche und Ostern bereits seit einigen Jahren auf besondere Weise im Düsseldorfer Stadtteil Wersten. Was ist Ihre Intention hinter "Dein Ostern"?
Daniela Willms (Team "Dein Ostern" bei der kath. Kirche St. Maria in den Benden, Düsseldorf Wersten): Im Grunde wollen wir das Wechselbad der Gefühle lebendig machen. Wir begleiten Jesus auf seinem Weg vor 2000 Jahren und laden dazu ein, ihn im Hier und Jetzt mitzugehen. Das Ganze zu erleben, statt nur zuzuhören. Mit moderner Sprache, eigenen Ritualen und großartiger Musik möchten wir das Geschehen emotional vermitteln und die Menschen mitnehmen. Es ist anders als ein klassischer Kirchenbesuch.
DOMRADIO.DE: Der Gründonnerstag steht unter dem Motto "Du und Ich". Wie sieht das besondere Abendmahl bei Ihnen heute aus?
Willms: "Du und ich" steht für Gemeinschaft, zum Beispiel Jesus und ich oder mein Tischnachbar und ich, mit dem ich ins Gespräch kommen kann. Wir feiern gemeinsam das Abendmahl, das mit einer persönlichen Begrüßung am Eingang und einer Handwaschung beginnt.
In der Kirche setzen wir uns an lange Tische und Bänke und halten gemeinsam das Mahl. Es gibt Matzen, Dips, Saft und Wasser. Dabei hören wir die Geschichte von damals, aber mit Bezug auf das Hier und Jetzt. Wir feiern die Messe und enden im Garten Gethsemane. Nach dem gemeinsamen Essen reden und lachen wir und spüren dennoch, dass am Ende etwas geschehen wird.
DOMRADIO.DE: Danach folgt der Karfreitag, der ruhig begangen wird. In der Osternacht darf dann wieder gefeiert werden. Unter dem Motto "Jetzt und ewig". Wie groß wird das Fest?
Willms: Die Feier wird riesig. Nach dem stillen, eher einsamen Karfreitag, an dem jeder mit seiner eigenen Trauer konfrontiert wird, ist die Osternacht unter dem Motto "Jetzt und ewig" eine wirklich befreiende Erlösung. Da kommt tatsächlich der große Jubel auf. Wir haben mitreißende Musik, Lichtilluminationen in der Messe und moderne Texte, die alle abholen.
Im besten Fall hält einen dann nichts mehr auf der Bank. Am Ende gibt es Umarmungen, wir feiern Agape (göttliche Liebe, Anm. d. Red.) mit Eiern, einem riesigen Osterhasen, Essen und Trinken und das bis in den Morgen, bevor alle hoffnungsvoll nach Hause gehen.
DOMRADIO.DE: Wie setzen Sie das alles in Ihrer Kirche um?
Willms: Die Kirche verändert sich ständig. Wir haben ein großes Team, das dabei unterstützt. Unsere Kirche Sankt Maria in den Benden hat keine klassische Form, sondern einen Halbkreis um den Altar. Die Mitte vor dem Altar wird je nach Anlass für die Band und den großen Chor freigeräumt, wie am Palmsonntag oder für die Passion und Kreuzverehrung am Karfreitag. Heute stehen dort die Bierzeltgarnituren, an denen wir gemeinsam essen.
Wir nutzen jedoch nicht nur die Kirche, sondern auch den Innenhof, unseren Vorplatz und unseren Garten. Wir platzieren dabei besondere Symbole, Bilder und das Kreuz, das eine zentrale Rolle spielt. Es wird also ständig umgebaut, je nach Feier und Anlass.
Das Interview führte Carsten Döpp.