Ostern im Krieg, und was nun? Hallo, hier ist Abt Nikodemus aus der Dormitio-Abtei. Ich melde mich aus der Unterkirche, aus unserer Krypta, aus dem schönsten Bunker Jerusalems. Das ist der Ort, an dem wir jetzt alle unsere Gottesdienste feiern. Es ist eigentlich der Ort, an den die Pilgerinnen und Pilger hinströmen, um der Entschlafung Mariens zu gedenken und wo wir Mönche die Komplet, das Gebet zur Nacht, beten. Sonst ist eigentlich oben unser Gottesdienstraum. Aber hier sind wir unter der Erde, wo es keine Fenster gibt. Das ist jetzt der Ort, an dem wir Mönche bleiben und mit den verbliebenen Gemeindemitgliedern unserer Gemeinde im Gebet ausharren.
Es ist eine Heilige Woche, die wir uns anders gewünscht hätten, so wie sich die Muslime einen anderen Ramadan und wie sich die Juden ein anderes Pessach gewünscht hätten. Aber das ist die Realität. Wir bleiben hier im Gebet.
Und es gibt so vieles, bei dem man irre werden könnte, an dem man verzweifeln könnte. Aber der Karmontag wirkt in mir nach. Ich durfte den ganzen Tag mit der Caritas Jerusalem in Bethlehem bei unseren Glaubensgeschwistern sein. Ich habe insbesondere Frauen kennenlernen dürfen, die als Heldinnen des Alltags gesagt haben, dass sie nicht auswandern und nicht verzweifeln, sondern versuchen, Hoffnung zu geben: wie die erste Schäferin Betlehems oder eine Frau, die einen Friseursalon aufgemacht hat oder eine Studentin, die jetzt Lebensmittelpakete packt, und, und, und.
Ich dachte: "Wow, welcher Lebenswille, welcher Hoffnungswille da ist." Da wir doch alle österliche Menschen sind, stelle ich die Frage: "Wo ist deine Hoffnungsquelle? Wo ist der Grund, aus dem du lebst und aus dem du sagst, dass du zum Licht und zur Hoffnung für andere werden möchtest?" Ich lade dich ganz konkret ein. Wenn du möchtest, dass wir als Mönche besonders in dieser Osterzeit zum Licht für andere werden, dann mach mit bei unserer Aktion "Osterlicht". Feiere hier durch deine Osterkerze mit uns die Osternacht. Unterstütze uns, dass wir weiter das sein können, was wir in diesen Kriegstagen sind: eine Hoffnungsinsel in diesem Ozean von Leid für alle Menschen, die hier sind. Unterstütze uns, dass wir weiter da sein können.
Danke dir und ein gesegnetes Triduum. Dein Abt Nikodemus.